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GenrelexikonAnarcho Punk
Anarcho Punk - entgegen der landläufigen Meinung, Punk sei einfach eine extreme Form jugendlicher Verweigerung, ist die Sache komplexer als einfach. Einfach gesagt: Punk ist ganz schön kompliziert. Jede große Popmusikbewegung hat sich im Laufe ihrer Entwicklung irgendwo gespaltet, verzweigt und ist in neuen Bewegungen aufgegangen. Punk – und in der Folge Hardcore – hat ungemein viele, kleine Punksorten hervorgebracht, unterschiedliche Musiksorten zusammengebracht und in keinem anderen Musikgenre gibt es so viele Golf-Sondermodelle wie im Punk, die durch politische Differenzen entstehen, und zwar genau dort, wo Punk banal zu werden droht.
Anarcho-Punk Geografie Man könnte jetzt glauben, Anarcho-Punk sei eine dieser Unterkategorien. Das stimmt aber nicht. Anarcho-Punk entsteht in den späten 70ern in England und gibt den Weg vor: in der Folge wird das Image „Anarchie“ Punk gleichgesetzt – und oft ist das gar nicht so verkehrt. Die Texte des frühen Anarcho-Punk sind oft anarchistisch, denn Anarchie ist die Verweigerung hierarchischer Strukturen. Anarcho-Punk ist in seinen Forderung nicht gerade liberal, propagiert alternative Lebensentwürfe im real existierenden Kapitalismus, zum Teil den Umsturz, ist feministisch und häufig finden sich unter den Anarcho-Punkern engagierte Tierrechtler. Crass, aber auch die Sex Pistols haben großen Einfluss, „Anarchy in the UK!“ ist ein früher Schlachtruf. Schlachtruf? Viele Pazifisten finden sich im Anarcho-Punk. Die Idee wird zum Lifestyle, optisch verweigern sich Musiker wie Anhänger den gängigen Normen. Anarcho-Punk Galaxie Schnell spalten sich Subgenres ab: Crustcore geht seinen eigenen Weg, den härteren, auf Glaubwürdigkeit pochenden, ebenso wie D-Beat. Die Vereinigung von Anarchie und Punk ist in der Folge in der öffentlichen Wahrnehmung unauflöslich, dabei formiert sich nur ein Teil der Punk- und Hardcore-Welt in dieser bedingungslosen Form. In England und den USA wird häufig von Peace-Punk gesprochen, was den Nagel besser trifft, in Deutschland wird vor allem der anarchistische Aspekt als Form gesellschaftlicher Bedrohung und Verwahrlosung wahrgenommen, die ganze Sache kaum verstanden. Andererseits hat sich der Friedensaspekt bei den Texten einiger Combos auch schnell erledigt. Die Oi!-Geschichte ist in ihren frühen Tagen mit dem Punk eng verbandelt, die verschiedenen Hardcore-Abteilungen entstehen in der Folge. Während man im englischsprachigen Raum bei Anarcho-Punk vorwiegend von jenen spricht, die mit zivilem Ungehorsam, Sabotagen, Graffitis und Konsumboykotten den herrschenden Verhältnissen an den Kragen wollen, bürgert sich – gerade auch in Deutschland – ein anderer Anarcho-Begriff ein: hier bedeutet Anarcho eine müffelnde, saufende, Wege belagernde Gefahr. Ganz verkehrt ist das nicht, denn entsprechend wird Punk dort, wo er den (Spieß-)Bürgern begegnet, so und nicht anders wahrgenommen. Die Punks und Künstler arbeiten hart an dem Image. Die politische Haltung drückt sich häufig durch Verweigerung aus und in die Texte der Punk-Repräsentanten kann man zum Teil nur mühevoll eine politische Botschaft herauslesen. Das ist wurscht, die Mühe hätte sich die Mehrheit hier ohnehin nicht gemacht – und es stimmt nicht ganz, denn Punks sind in den 80ern politisch häufig sehr aktiv, in der Hafenstraße in Hamburg, in Hannover, in Frankfurt, auf den Märschen zu Ostern und am ersten Mai sind zu jener Zeit auch Punks zugegen – und in den 80er Jahren entwickelt sich die APPD (Anarchistische Pogo Partei Deutschlands), die mehrfach Hochphasen erlebt, zuletzt unter der charismatischen Führung Wolfgang Wendlands (Die Kassierer) zum Sprachrohr (weniger klassischer) Anarchisten im Bundestagswahlkampf wird. Während der klassische Anarcho-Punk eine bessere Gesellschaft fordert, die weniger asozial ist, fordert eine neuere (deutsche) Ausformung des Anarcho die Förderung der Asozialen. So weit kann es gehen. Anarcho-Punk Geräte Die Instrumentierung beruht auf dem (klassischen) Hardcore- und Punk-Muster: Gitarre, Bass und Trommeln. Wie beim Punk üblich, sollte man sich da jedoch nicht festlegen. Tendenziell ist Anarcho-Punk schneller als seine Vorgänger – und wird verspielter variiert. Anarcho-Punk Götter Gott ist die Bewegung selbst. Dort, wo es um Politik geht, gibt es oft internationale Zusammenarbeiten, die – so genannten – autonomen Szenen können sich gerade im neuen Jahrtausend gute Infrastrukturen basteln. Den Beginn des Anarcho-Punk soll Crass aus England gemacht haben, in Deutschland folgen viele Bands – es ist jedoch schwer, große Nummern zu nennen, da Erfolg häufig korrumpiert. Tracks, die Musiksendung auf Arte, hebt für den französischen Raum Bérurier Noir hervor. Unermüdlich ist Jello Biafra (früher Dead Kennedys, später Melvins) unterwegs, die Welt zu verbessern. Auftritte von ihm können schon einmal in mehrstündigen Reden enden. Allerdings ist er bereits einen Tick zu lange im Geschäft für Anarcho-Punk. Sein Engagement unterscheidet sich massiv von dem vieler Nihilisten in der Szene: er will Veränderung und glaubt an die Möglichkeit. Anarcho-Punk Gegenwart und Zukunft Es gibt den Anarcho-Punk immer, wenn man ihm eine gewisse musikalische Flexibilität zugesteht: Chumbawamba und Propaghandi sind schon lange dabei, The (International) Noise Conspiracy steht rote Fahnen und für (relativ) frischen Wind aus dem Norden.
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