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GenrelexikonBebop
Jazz ist heute, einfach mal frei assoziiert, eine recht elitäre Sportart, der sich kluge Köpfe in verrauchten Kneipen hingeben. Der Bebop ist ein wichtiger Schritt zu diesem Bild.
Bebop Geografie Denn Jazz ist nicht immer so deutlich eine Musik für spezialisierte Musikhörer und Musiker. In den 30er Jahren dominiert Swing die Musiklandschaft in den Metropolen der USA. Bigbands spielen recht eingängige Unterhaltungsmusik. Wie das halt in Musikerensemblekreisen üblich ist, trifft man sich schon mal nach dem Dienst, und weil Musiker Musikverrückte sind, lassen sie auch da die Instrumente nicht in der Ecke stehen. Weil ausschließlich Experten zugegen sind, kann man sich kleineren und größeren Experimenten hingeben, miteinander harmonieren und sich gleichzeitig herausfordern, das Notenblatt mal Notenblatt sein lassen, improvisieren… Das passiert alles weltweit, zigtausendfach. Weil aber hier ein paar Genies aufeinandertreffen, eine Harlem-Connection, um genau zu sein, wird etwas Großes draus. Es sind die Jahre nach dem Eintritt der Amerikaner in den Zweiten Weltkrieg. Schwindende Budgets ermöglichen Tonaufnahmen kleinerer Formationen. Bebop Galaxie Jazz kehrt damit in zweierlei Hinsicht zurück zu seinen Ursprüngen. Die kleinere Besetzung ist ein Faktor, der andere: durch den Publikumserfolg des Swing werden weiße Musiker zu Stars des Genres – den Bebop dominieren Afroamerikaner. Der Charakter der Musik verändert sich gegenüber dem Swing in einem wesentlichen Punkt: es ist nicht mehr leichte Unterhaltungsmusik für eine passive Masse, Bebop ist anstrengend, ein Genuss, der den Hörer fordert. Die Künstler hingegen umweht die Aura der Einzigartigkeit, des Genies. Man lässt sich von europäischen Komponisten, etwa dem Russen Igor Fjodorowitsch Strawinsky, dem französischen Impressionisten Achille-Claude Debussy oder Béla Bartók inspirieren, der 1940 von Rumänien nach New York zieht, ohnehin umgibt die Interpreten des Bebop den Flair späterer Rockmusiker. Sie sind zwar längst nicht so reich, eher das Gegenteil trifft zu, aber es sind häufig keine Kinder von Traurigkeiten – Charlie Parker etwa erliegt 1955 seiner Drogensucht. Noch in den 40er Jahren erlebt Bebop seinen großen Boom. Ganze Bigbands werden – neben den weiterhin existierenden kleinen Gruppen – modernisiert. Bebop Geräte Kern des neuen Stils ist die größere Freiheit der Musiker, sie sind weniger in die Strukturen der Gruppe, der großen Harmonie zuliebe, geknebelt. Bebop bietet nicht das gesamte Spektrum von Freiheiten, wie etwa der Free Jazz einige Dekaden später. Es werden Akkordfolgen bekannter Melodien verwendet. Über diese Folgen wird improvisiert. Die meisten Bebop-Combos bestehen aus etwa fünf Musikern, meistens aus zwei Bläsern, einem Pianisten, einem Schlagzeuger und einem Bass. Bebop Götter Der vielleicht wichtigste Interpret – und auch Motor – des Bebop ist der Saxophonist Charlie Parker, der in der Jazzgeschichte eine derart wichtige Rolle spielt, dass man sagt, mit ihm habe im Jazz eine neue Zeitrechnung begonnen. Gemeinsam mit ihm arbeitet bereits früh der Trompeter Dizzy Gillespie, in der Zeit des Bebop möglicherweise noch bedeutender, da er in vielen Bereichen des Musikgeschäfts tätig ist, er ist Bandleader, Komponist, Arrangeur und auch politisch, in den Bewegungen gegen den (institutionalisierten) Rassismus ein ungemein wichtiger Kopf. Zu den zwei Großen gesellt sich ein dritter: der Pianist Thelonious Sphere Monk, ursprünglich aus North Carolina. Er arbeitet zwar nur kurz mit Gillespie zusammen, allerdings drillt er daheim den jungen Miles Davis, dem wiederum mit einer von Monks Kompositionen, Round Midnight, einige Zeit später der Durchbruch gelingt. Bebop Gegenwart und Zukunft Damit sind wir erneut bei der Bedeutung des Bebop für die Zukunft des Jazz. Bebop ist der Übergang von der Unterhaltung zur ernsten Musik – für alle deutlich erkennbar.
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