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Blur - Star PorträtBlur ist eine Weile die andere Britpop-Gruppe (neben Oasis). In den 90ern sieht es so aus, als existierten für die, die sich ein bisschen für britische Musik interessieren, nur diese zwei Bands und als würden diese zwei Bands für eine irgendwie relevante Spaltung sorgen. Natürlich vollkommener Quatsch. Kein Quatsch ist, dass das Spiel mit der Spaltung und mit unwichtigen Konflikten für gesteigertes öffentliches Interesse an beiden Seiten sorgt.
Blur geht aus der Freundschaft von Graham Coxon und Damon Albarn hervor. Ersterer kommt ursprünglich aus Rinteln in Niedersachsen und bringt in der Blurtrennungsphase einige anständige und erfolgreiche Soloproduktionen unter, letzterer wird zum Hans Dampf in allen Gassen, mit einem nicht zu überschätzenden musikalischen Gesamtwerk. Darum soll es an anderer Stelle gehen. Hier ist nur Platz für Blur, und dafür eigentlich nicht einmal genug. Damon Albarn studiert Ende der 80er Jahre in London, spielt in einer Band mit dem Namen Circus, bei Umbesetzungen rutscht Coxon in die Gruppe. Alex James kennen die beiden aus der Uni, Dave Rowntree trommelt schon bei Circus. James, Rowntree, Coxon und Albarn nennen sich irgendwann Seymour (angeblich nach einer Arbeit von Salinger; man kann damals noch nicht wissen, wer Seymour Skinner ist). Das einzig wirklich Erbärmliche an Blur ist, dass es der Musikindustrielle ist, der die Musiker unter Vertrag nimmt, Seymour doof findet und Seymour den Namen Blur vorschlägt. Die Namensfindungsgeschichten von Bands sind eh immer uninteressant, diese auf erschütternde Weise nicht.
Blur wird im März 1990 unter Vertrag genommen, später und weltberühmt wird jeder der Musiker als Megastar gehandelt, Alex James etwa, der zum Beispiel für Marianne Faithfull und Sophie Ellis Bextor arbeitet, wird von der BBC und dem kolumbianischen Präsidenten Uribe zu einer abschreckenden Doku über die Kokainproduktion eingeladen (er soll als Blur-Mitglied für ungefähr eine Million Pfund gekokst haben), 2009 spielt er mit ehemaligen New-Order-Leuten (Herrn Sumner zum Beispiel) in dem Projekt Bad Lieutenant. Rowntree, machen wir es kurz, ist nicht nur Schlagzeuger, sondern auch Trickfilmproduzent, -regisseur, Pilot, aktiver Politiker in der Labour Party (hat sich sogar schon zur Wahl stellen lassen), ein Computerspezialist und gemeinsam mit Alex James an Raumfahrtprogrammen beteiligt ... Jedenfalls sind das alles wichtige Leute bei Blur, die bis in den Sommer 1990 hinein durch Großbritannien touren und sich mit ihrem zukünftigen Publikum bekanntmachen.
Blur – Leisure
„She´s So High“ ist die erste Blur-Single, sie wird im Oktober 1990 veröffentlicht – einige Monate später gefolgt von „There´s No Other Way“, dem ersten Top-10-Hit in England und einem kleinen Charterfolg in den USA. Blur ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr britischen Musiktraditionen der 80er Jahre verpflichtet, Damon Albarns Haltung ist dafür typisch, der (unglaublich junge) Musiker guckt grundsätzlich, als solle man ihn in seiner Fragilität und Genialität doch lieber allein lassen, gelegentlich auch, als stecke kaum mehr in ihm als ein äußerst unberechenbarer und unfairer Schläger. Aber wenn man sich Musikartikel aus der Zeit durchschaut, scheint das die übliche Haltung gewesen zu sein. Im August 1991 wird dann „Leisure“ veröffentlicht, das Debütalbum und ein siebter Platz in den UK-Charts. Blur ist eine richtige britische Band, genau so, wie man es sich vorstellt: ein paar Bengel liefern eine gute, durch ihre Unfertigkeit erfrischend wirkende Arbeit ab, werden in den Himmel gelobt und drehen durch. Gewöhnlich gehen die Bands danach unter, Blur gehört zu den Auserwählten, die es einfach nicht von der Bildfläche wischt.
Aber Blur kommt an der Stelle an, an der es nicht weiter geht, an der sich was ändern muss und die Band beinahe zerbricht, teilen uns zumindest die Geschichtsbücher mit. Blur behält – nachdem man sich schon für einen anderen entschieden hat – den Produzenten Stephen Street und wird zur Britpop-Band. Im Mai 1993 wird „Modern Life Is Rubbish“ veröffentlicht, verspätet, wieder greift das Label in der Musiker Arbeit ein und verlangt nach Hits, und Damon Albarn schreibt „For Tomorrow“, die erste Single. Wir befinden uns mitten in der Aufregung um Grunge und komische Amerikaner, die eigentlich nicht wirken, als ob sie leben wollen – „Modern Life Is Rubbish“ ist nicht stark genug, um dagegen anstinken zu können.
Blur – The Great Escape
Das gilt nicht für „Parklife“. Im März 1994 wird „Girls & Boys“ veröffentlicht, der erste internationale Hit – das Album folgt einen Monat später, wiederum später die Singles „Parklife“ (legendäres Video) und „To The End“. Zwar landet das Album auf dem ersten Platz und Blur ist auch sehr bekannt, die wirklich wichtige Zeit beginnt allerdings erst jetzt. Im September 1995 wird „The Great Escape“ veröffentlicht – und damit der Beleg, dass Blur eine dieser Bands ist, die einfach immer besser werden. Ferner ist zu der Zeit das Geplärre um die Frage im Gange, wer besser ist: Blur oder Oasis? Wessis oder Ossis? Die deutschen beteiligen sich lebhaft an der Diskussion. „Country House“ ist das bekannteste – unglaublich, aber nicht das albernste – Lied.
Blur – Blur – 13 – Song 2
Wieder ein Break, man spricht von der Postbritpopphase, wir wollen das nicht verstehen, erkennen aber, dass sich etwas ändert bei Blur. Stephen Street macht auch diesen Wechsel mit, mit „Song 2“ ist der mit Sicherheit berühmteste Blur-Hit auf dem selbstbetitelten Album, Blur ist eine Rockband, die ein Lied für Millionen von Playstationzocker und Stadionbesucher zum Inbegriff ihrer Playstationzockerei und Stadionbesuche macht. Wir schreiben das Jahr 1997 und Blur hat innerhalb von vier Jahren drei Nummer-1-Hits in England vorgelegt. Das schafft sonst nur Scooter.
1999 wird „13“, das nächste Album, herausgebracht, Graham Coxon ist inzwischen bejubelter Solokünstler, insgesamt können es sich die Musiker leisten, mutig zu sein und zu experimentieren – und genau das machen sie auch. Damon Albarn widmet sich dann erstmal seinen Gorillaz, gemeinsam arbeitet Blur noch einmal für Marianne Faithfull, als es an die Aufnahmen des nächsten Albums geht, ist Graham Coxon im Grunde schon ausgestiegen. „Think Tank“ entsteht ohne ihn, das Finale „Battery In Your Leg“ ist von ihm. Ein wunderbares Album, anschließend gibt es eine Welttournee, an der Simon Tong (ein alter Kollege von Richard Ashcroft (The Verve)) teilnimmt, und Blur schläft ein. Seit 2007 wird das Gerücht von einer Reunion immer wieder genährt – gelegentlich auch zerschlagen. 2009 finden trotzdem Blur-Auftritte statt (mit Graham Coxon). Blur TOP NEWSBlur - No Distance Left To RunBlur - Lego Rock BandBlur - Wie es weitergeht? Keine Ahnung!Blur - Keine Reunion? Häh?!>> Alle News zu Blur Blur Fotogalerie![]() CD Reviews von Blur findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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