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Britney Spears - Star Porträt


Kaum ein Superstar ist so ein blasses, unscheinbares, langweiliges Persönchen wie Britney Spears, und auf keinen anderen Popstar wird zurzeit so genussvoll draufgehauen wie auf die vormals angehimmelte Popprinzessin Britney Spears . Da macht es schon keinen Spaß mehr, daran teilzuhaben. Anders als ihre Weggefährten Justin Timberlake und Christina Aguilera bieten Britney Spears, ihr Leben, einige ihrer unglücklichen Auftritte und die standesgemäßen Abstürze seit einigen Jahren eine Vielzahl willkommener Zielscheiben für Angriffe, deren Schamlosigkeit zum Teil verblüffend ist. Allerdings sind die Fotos, die Paparazzi von Britney Spears machen, häufig so spektakulär wie unfreiwillig komisch.

 

Britney Jean Spears kommt am 2.12.1981 im kleinen Städtchen McComb in Mississippi zur Welt. Früh siedelt die Familie nach Louisiana über, die Familie besteht aus Vater Jamie, Mutter Lynne, dem etwas älteren Bruder Bryan und der 10 Jahre jüngeren Schwester Jamie Lynn, die ihrer Schwester zum Verwechseln ähnlich sieht, die Vornamen der Eltern mit sich trägt, während Britney Spears den Ehrgeiz und die verborgenen Träume der Mutter zu leben hat. Ganz sicher ist es nicht die Mutter allein, Britney Spears soll sich bereits früh fröhlich trällernd und vor jedem Spiegel tanzend zur Umsetzung der elterlichen Träume angeboten haben.

 

Britney Spears - Frühe Karriere

 

Die Familie investiert in das Mädchen was sie zu bieten hat. Es beginnt mit Tanzunterricht und Gesangstraining im Kirchenchor, Britney Spears wird bei Schönheits- und Talentwettbewerben angemeldet, sie darf scheitern und wird beharrlich durch die Vereinigten Staaten gekarrt. Das erste Casting für die Moderation des Mickey Mouse Club Ende der 80er Jahre ist zwar ein kleiner Erfolg, endet jedoch nicht mit dem obligaten Sieg. Dafür jedoch wird Britney Spears von einer New Yorker Agentur unter Vertrag genommen. Im Osten der USA erhält Britney Spears eine recht sorgfältige Gesangs- und Schauspielausbildung, zieht weiter durch Castingshows, kehrt allerdings nach einigen Jahren zu ihren Eltern zurück, von wo sie sich dann wiederum zum Mickey Mouse Club aufmacht.

 

Britney Spears ist der perfekte Kinderstar. Sie hat keine Ahnung, ist schmerzfrei und macht sich für die Disney-Sache krumm. Neben späteren Stars wie Christina Aguilera und Justin Timberlake arbeitet Britney Spears zwei Jahre, danach wird die Sendung vorerst eingestellt. Sie geht zurück, zur Schule, schlägt Angebote aus New York für eine Girlgroup aus, schickt Demotapes durch die Staaten. Jive aus Florida, ein Sublabel von Sony BMG, greift zu, Britney macht keine halben Sachen.

 

Britney Spears - „…Baby One More Time“

 

Album und Single „…Baby One More Time“ entstehen im schönen Schweden, bei den Erfolgsproduzenten Max Martin und Rami, die später auch mit N´Sync und zuvor mit den Backstreet Boys zusammenarbeiten, vor allem jedoch mit diesem Wurf zu Legenden werden. Britney Spears bleibt, das zweizöpfige, schuluniformierte Mädchen, das es faustdick hinter den Ohren hat. Anzüglich, anzüglich, megaerfolgreich. Anfang 1999 in den USA auf dem Markt überrollt die Produktion von hier und diesem Zeitpunkt aus Nordamerika und Europa.

 

28 Millionen Mal verkauft sich das Album weltweit, die Single 9 Millionenfach, insgesamt gibt es 5 Singleauskopplungen, die letzte am schlechtesten und immerhin noch 1,4 Millionen Mal abgesetzt. Britney Spears steht an der Spitze. Es kann eigentlich nur abwärts gehen.

 

Britney Spears - „Oops… I Did It Again“

 

Geht es aber nicht. Ein knappes Jahr später erscheint “Oops… I Did It Again”. „Oh, ja“, stöhnt die inzwischen gewachsene Zahl der Britney Spears-Gegner. Keine Chance zum Entrinnen. Der Qietscheentchen-Pop ist einfach angesagt: Britney Spears ist eine Fassade, liefert banal-fröhliches, sehr weißes Geträller, daran ändert auch nicht ein unsägliches Satisfaction-Cover der unsäglichen Rolling Stones. Besonders erfolgreich ist die zweite Single-Auskopplung „Lucky“, ein Spätsommerhit 2000, da sieht man, was die Fans wollen – und kaufen. Das Album verkauft sich international ebenso gut wie das Debüt, in den USA sind es „nur noch“ 10 Millionen Tonträger, die über die Ladentische gehen. Das Gespenst „Schwieriges zweites Album“ ist besiegt.

 

„Britney“

 

Britney Spears ist eine Gefangene ihrer Karriere, die aufbaut auf Barbie-Power und einer merkwürdigen Erotik, die eigentlich gar nicht existieren darf und die Spötter in erster Linie Pädophilenbedürfnissen angepasst zu erkennen glauben. Britney Spears hat mit Justin Timberlake ihren Mickey-Mouse-Freund zum jungfräulichen Herzensbuben erkoren, an dem die Vergangenheit rätselhafter Weise später nicht so kleben bleibt wie bei ihr. „Britney“ erscheint Ende 2001 und ist, da sie den Produzentenkreis um Pharrell Williams erweitert, diesmal auch mit Hiphop- und R´n´B-Elemente angereichert. Alles, was Britney Spears in diesen Jahren anfasst, wird zu Gold. Der Film „Not A Girl – Crossroads“, eine Bravemädchengeschichte, ist zumindest kommerziell erfolgreich, die Werbeverträge, die sie unterschreibt, garantieren ihr gigantische Summen und auch der restliche Merchandising-Output, etwa die DVDs, Kooperationen, Restaurants, kleine Auftritte in Filmen, alles spült unheimlich viel in die Kassen der Spears. Natürlich kann sie den unglaublichen Britney-Boom nicht aufrecht erhalten, die Verkaufszahlen von „Britney“ reichen immer noch allemal, um überzuschnappen.

 

Es beginnt eine schwierigere Zeit für den Star. Die Eltern (quasi das Management) trennen sich voneinander, Pepsi trennt sich von ihr. Kaum einer nimmt Britney Spears mehr das unschuldige Mädchen ab, sie trennt sich von Justin Timberlake.

 

„In The Zone“

 

Britney Spears probt den Aufstand gegen ihr eigenes Image. Eine Brustwarzen-Pearcing-Orgie und Küsschen mit Madonna bei den MTV Video Music Awards stehen plakativ für diesen Weg. Ende 2003 kommt ihr viertes Album „In The Zone“ auf den Markt. Die Verkaufszahlen stimmen und plötzlich klopfen ihr andere Leute auf die Schulter. Der Imagewandel scheint vielversprechend in die richtige Bahn zu laufen, die erste Single ist „Me Against The Music“ (mit Madonna), die zweite „Toxic“, ein verdammt gutes Stückchen Pop.

 

Irgendwie scheint Britney Spears sich jedoch aufgerieben zu haben. 2004 und 2005 folgen ein Greatest-Hits-Album und eine Sammlung von Remix-Varianten ihrer Hits; macht zwei Hit-Alben, die beide (das zweite dramatischer als das erste) floppen.

 

Die ehemals ewig jungfräuliche Popprinzessin Britney Spears verdingt sich nun als Anekdoten- und Witzelieferantin. Anfang 2004 passiert ihr beispielsweise das, was eigentlich nur in Filmen und in der Realität der Simpsons geschieht: besoffen heiratet Britney Spears versehentlich. Ein Schuss vor den Bug, als nächstes nimmt Britney Spears sich einen Tänzer namens Kevin Federline und gründet mit ihm eine richtige Familie – inklusive Reality-Show 2005. Zwei Söhne kommen zur Welt.

Irgendwie klappt das allerdings nicht so richtig mit der Familie und der Öffentlichkeit und mit Britney Spears, und während sich andere an diversen peinlichen Auftritten, Skurrilitäten und Ekligem weiden, lassen wir es einfach.

 

So wie es aussieht, hat sich Britney Spears mit erfahrenen, zum Teil ihr sehr vertrauten Produzenten zusammengesetzt, ein neues Album erarbeitet, dass noch 2007 auf den Markt kommen wird. Die Art ihrer permanenten Präsenz in der Öffentlichkeit lässt erahnen, dass es ihr gar nicht gut geht (wenn man höflich ist), bzw. dass Britney Spears ziemlich kaputt ist (wenn einem gerade nichts Besseres einfällt). Selten war die Neuerscheinung eines Albums so spannend wie in diesem Fall – zwischen gigantischem Flop und einem Siegeszug der Künstlerin scheint nichts, nur diese beiden Möglichkeiten bestehen. Noch spannender ist es, auf das Verhalten der restlichen handelnden Personen zu achten, wenn es zum Triumph kommt.

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