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Bryan Adams - Star Porträt


Viel wird darüber geredet, dass kanadische Künstler dank des gesättigten Mainstreammarktes in den USA, der auch für Kanada reicht, oft auf das Unkonventionelle und Innovative, das den Kunstmarkt Herausfordernde setzen, und damit durchaus erfolgreich sind. Bryan Adams gehört nicht dazu.

 

Erfolg hat Bryan Adams, sagenhaften Erfolg sogar. Bryan Adams gehört zur Riege kanadischer Musikstars, die mit recht eingängiger Musik unglaublich erfolgreich sind. Zwischen Alanis Morissette und Céline Dion, einige würden vielleicht Avril Lavigne hinzuzählen, ist Bryan Adams so etwas wie der Alterspräsident sehr berühmter kanadischer Musiker, die sich, und deswegen gehört Avril Lavigne schon nicht mehr dazu, eine trotzige Bodenständigkeit und eine kaum zu zerrüttende Freundlichkeit bewahren. Bryan Adams gehört zu den Guten. Er füllt in den 80ern die großen Stadien, selbst in der DDR tritt er auf. Bryan Adams hat die schönsten Rockballaden seinerzeit, in den frühen 90ern verlagert sich seine Popularität von Nordamerika zunehmend nach Europa, wo er Rekorde einspielt und Mädchenherzen in Verzückung bringt.

 

Bryan Adams ist ein Guter, weil er (fast) immer auf der Bühne steht, wenn es mal wieder für die gute Sache zu spielen gilt. Ob 1985 beim Live Aid in Philadelphia, vielen Konzerten für Amnesty International, die 1986 und 1987 mit einer beeindruckenden Starbesetzung durchgeführt werden, für die Freilassung des inhaftierten Nelson Mandela oder am 21. Juli 1990 auf dem Potsdamer Platz bei der Aufführung von Roger Waters (Pink Floyds) „The Wall“, einer gigantischen Veranstaltung anlässlich dieses – Dings, äh – Mauerfalls.

 

Man kann den Eindruck haben, dass Bryan Adams nicht einmal gefragt werden muss – wenn irgendwo aufwändige Massenveranstaltungen anlässlich irgendeiner Charitygeschichte stattfinden, dann ist Bryan Adams in der Regel dabei – Bryan Adams spielt in Toronto für Tsunami-, in Karachi für Erdbebenopfer und unterprivilegierte Kinder und in Tel Aviv für eine neue Chance zwischen den Parteien im nahen Osten. Bryan Adams setzt sich für die Rettung von Walen und Regenwäldern ein und isst kein Fleisch.

 

Obwohl Bryan Adams seine Fans im Zentrum des Geschehens sehen, stellt er sich bescheiden zwischen seine Musiker, Bryan Adams ist ein Teil des Ganzen bzw. ohne sie vermutlich nichts; könnte er gesagt haben. Seine Band besteht seit Jahrzehnten mit minimalen Umbesetzungen, Keith Scott ist seit Anfang der 80er Jahre dabei, der Schlagzeuger Mickey Curry ist etwas später hinzugekommen, lediglich Gary Breit (Keyboards, für Tommy Mandel) und Norm Fisher (Bass, für Dave Taylor, der 1997 ausgestiegen ist) sind ein bisschen weniger als die Hälfte der Karriere dabei.

 

Bryan Adams ist ein Kosmopolit, einer, der mal in Frankreich wohnt, momentan in London residiert. Bryan Adams hat, anstatt in der Begeisterung für sich selbst zu ertrinken, eine weitere Passion zur Berufung werden lassen, er fotografiert professionell, gestaltet Ausstellungen in Nord-, Südamerika und Europa. Bryan Adams soll, so heißt es, wie ein normaler Mensch leben (d.h. ohne Bodyguards), mit seiner Kamera auf einem Moped durch England sausen und seine Prominenz lediglich dafür nutzen, Prominente in intimen Momenten abzulichten. Einziger Wermutstropfen in dieser an sich perfekten Charakteransicht ist Bryan Adams Begeisterung für den FC Chelsea, die jedoch bereits in Zola-Zeiten, vor Abramowitsch gewachsen sein soll; und damit verziehen ist.

 

Bryan Adams kommt im November 1959 als Sohn eines englischen Diplomaten zur Welt, mit dem die Familie durch etliche Länder zieht und einer Lehrerin, die nach der Scheidung in den 70ern mit den Kindern in Ottawa logiert. Mit 15 schmeißt Adams die Schule, um Musiker zu werden. Bryan Adams tingelt mit ersten Bands durch die Gegend, macht erste Studioaufnahmen, mit Sweeny Todd nimmt er seine ersten Alben auf. In Vancouver lernt er Jim Vallance kennen, mit dem er bis heute seine Lieder schreibt. Vallance ist Schlagzeuger der Band Prism, wesentlich erfolgreicher jedoch als Songschreiber für viele der bekanntesten Rockmusiker der großen Rockmusikerzeit (Kiss, Joe Cocker, Rod Stewart, Tina Turner, Scorpions und Aerosmith) Nach ersten kleinen Charterfolgen verlässt Adams die Band und unterschreibt 1977 bei A&M.

 

Bryan Adams - You Want It You Got It

 

Anfang 1980 erscheint das Debütalbum „Bryan Adams“. Ein Anfang, allerdings kein nennenswerter Erfolg. Erst mit dem erfolgreichen Produzenten und dem Album „You Want It You Got It“ läuft die Sache allmählich in die richtige Richtung. Während Bryan Adams zu Beginn seiner Karriere ein veritabler Rockmusiker ist, wird er zunehmend schmusiger. Der Erfolg gibt ihm Recht. Mit „Cuts Like A Knife“ geht es 1983 in England und den USA in die Top 10 und mit „Straight From The Heart“, seinem ersten großen Hit, in den WDR-Rockpalast, „Cuts Like A Knife“ folgt als zweiter großer Hit.

 

Der Einstieg in die deutschen Charts gelingt Bryan Adams 1985 mit „Summer Of 69“. „Reckless“, das Album von 1984, ist der entscheidende Erfolg. „Heaven“, „Run To You“ kennt jeder, hinzu kommt ein unglaublich schlechtes Duett mit Tina Turner. Ende 1985 schenkt Bryan Adams seinen Fans einen „Christmas Song“. Von dem 87er Album hat sich nichts über die Radiojahre gerettet, obwohl jedes zweite Lied auch als Single auf den Markt kommt.

 

Bryan Adams - Can´t Stop This Thing We Started

 

Erstaunlich und kaum dokumentiert ist das kreative Loch, in dem Bryan Adams Ende der 80er Jahre ganz offensichtlich sitzt. Seine Lieder haben auch für den, der sie nicht leiden kann, unbestreitbare Qualitäten. Bryan Adams hat Ideen für sehr eingängige Melodien, die lange im Ohr zu bleiben vermögen. Er beherrscht eine klare Sprache, die Arrangements sind für sein Publikum im Stadion ausgelegt – und all das, die Bedingungen für ein Bryan-Adams-Stück, fehlen 1987. Da nirgendwo steht, wie es dazu kommt, wird ebenfalls nicht erklärt, wie er das Problem wieder loswird. Anfang der 90er Jahre folgt die Zeit großer Erfolge, die Adams in erster Linie in Europa feiert, ein Europa übrigens, das England ausdrücklich einschließt.

 

Mögliche Erklärungen für den Aufwind, den Bryan Adams bekommt: das folgende Album wird nicht vom Songschreiberduo Adams/Vallance dominiert und der Produzent wechselt. Bob Clearmountain wird durch Robert „Mutt“ Lange ersetzt, ein erfahrener Mann, der schon für AC/DC Großes vollbracht hat, nun überzeugter Vegetarier und Yogi ist. Was auch immer passiert ist, das Album „Waking Up the Neighbours”, im November 1991 erschienen, ist in weiten Teilen Europas das erste Nummer-eins-Album des Künstlers.

 

In Deutschland ist „(Everything I Do) I Do It for You” besonders beliebt, das Lied gibt es ebenfalls auf dem Soundtrack zu „Robin Hood – König der Diebe“ in dem der seinerzeit ungemein beliebte Kevin Costner die Hauptrolle spielt. „Can´t Stop This Thing We Started“, vermutlich als Reminiszenz an die eigene Rockervergangenheit gedacht, ist das zweitbeliebteste Lied.

 

Bryan Adams läuft zu seiner Höchstform auf. Während die meisten, wenn sie später seiner gedenken, in die frühen 80er zurückschielen werden, folgt Mitte der 90er Jahre die Zeit der Denkmäler: die Ballade „Please Forgive Me“ erscheint als Kaufargument auf der Best-Of „So Far So Good“, mit Sting und Rod Stewart singt Bryan Adams die Ballade „All For Love“ bzw. für „Die Drei Musketiere“ (Oliver Platt, Charlie Sheen, Kiefer Sutherland) ein und – jetzt kommt´s – mit dem spanischen Gitarristen Paco De Lucia spielt Bryan Adams die Ballade „Have You Ever Really Loved A Woman“ für „Don Juan DeMarco“ (Johnny Depp, Marlon Brando, Faye Dunaway).

 

Das reicht eigentlich. Mehr muss man nicht wissen. 1996 erscheint das Album „18 Til I Die“, 1998 „On a Day Like Today”, 2000 „Room Service”, 2008 „11”.

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