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Bushido - Star Porträt


Bushido heißt eigentlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi, manchmal auch Sonny Black und ist gebürtiger Bonner. Er ist Produzent, Label-Betreiber und in erster Linie ist Bushido eines der ganz wichtigen Aushängeschilder der in ihrem Ausmaß und ihrer Bedeutung für die deutsche Popkultur recht jungen Hip-Hop-Schule Berlins.

 

Sein Künstlername, einer japanischen Kampfsportkunst entlehnt, steht sinnbildlich für Bushidos aggressives Auftreten, das sich deutlich eher auf zeitgemäße amerikanische HipHop-Entwicklungen, denn auf die doch recht spaßigen Wurzeln bezieht, die die Musik in Deutschland hat.

 

Bushido wächst bei seiner Mutter in Berlin-Tempelhof auf, wo er bis zur elften Klasse das Gymnasium besucht. Früh macht er Bekanntschaft mit der deutschen Justiz, begeht Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz, zieht als Sprayer durch die Gegend – und kommt über diese Säule der Hip-Hop-Kultur zum Rap.

 

Hiphop-Stress und Geschäft

 

Bushido weiß wie der Hase läuft. Ähnlich wie in Übersee besteht ein übergroßer Teil der Themen, mit denen er sich beschäftigt – und die den Hauptteil des ganzen Medienrummels ausmachen, aus Konflikten zwischen Rappern, Kollegen, ehemaligen Kollegen, Labelzugehörigkeiten und alten, unaufgelösten Fehden. Mit nahezu jeder Versöhnung kommt es zu neuen Streitigkeiten, denn um die neue deutsche Hip-Hop-Schule ist ein dichtes Beziehungsgeflecht gewoben. Wenn du jemandem die Hand reichst, fällst du mit ziemlicher Sicherheit irgendjemandem in den Rücken, der bis zu diesem Zeitpunkt hinter dir gestanden hat. Das alles imitiert die für die amerikanischen Medien ritualisierten Hip-Hop-Kämpfe, die auf Bandenkriege im kalifornischen Compton zurückgehen.

 

Permanent wechselnde Konfliktherde sind andauernder Nachschub für Texte, jeder Text eine neue Herausforderung, jeder einzelne Konflikt als Zweikampf aufgebaut, der Wechsel sichert das Interesse der Medien, die Charts sind die Schiedsrichterinnen im Hahnenkampf. Obwohl es sich um die Inszenierung von Konflikten handelt, kann es natürlich trotzdem zu physischer Gewaltanwendung kommen. Sie ist sogar recht förderlich. Bushido weiß das. Großzügig gesteht er seinen Gegnern zu, sich aus der Reichweite seiner Faust zu begeben, indem sie aufhören, seinen Acker zu bestellen.

 

Bushido ist ein gewiefter Geschäftsmann. 2000 hat er seine erste Veröffentlichung auf dem von ihm mit einigen Kollegen gegründeten Label I Luv Money. Von da aus wechselt er zu Aggro Berlin, dem Mutterschiff der Hauptstadt. 2004 unterschreibt Bushido bei Universal, einem Major-Label, dort gründet er das Sublabel ersguterjunge. Im Sommer 2007 geht er mit dem ganzen Paket zu Sony/BMG. Solche Wechsel gehen selten in Frieden vonstatten, haben meist einen triftigen Grund – und Bushido scheut die Konflikte nicht, während er aufsteigt.

 

Bushido - Das Schwarze Schaf der Familie

 

Bushido nennt sich Sonny Black, Capone oder Escobar. Seine Texte drehen sich häufig um die gesellschaftliche Einstellung, die Sonderposition des Unerwünschten, die Pflege der Straße. Er spielt die Außenseiterkarte, wohl wissend, dass er viele damit erreicht, die sich zu Außenseitern verdammt sehen. Er pflegt sein Image, versucht es sogar bei Preisverleihungen, aufrecht zu erhalten, selbst wenn er wiederholt zu Tokio Hotel gestellt wird oder sonst wo umjubelt wird. Bei Stefan Raab scheint Buhido die ihm verordnete Werbezeit einfach abzusitzen; er weiß, dass die, die ihn verehren, in den Momenten, in denen er nur andeutungsweise mitmacht, verschmitzt lächelt oder einen schalen Witz abwürgt, sich am stärksten mit ihm verbunden fühlen.

 

In der NDR Talkshow hingegen gibt Bushido den eloquenten Gesprächspartner, verteidigt seine Position, die Härte seiner Texte und verkauft sich als Sprachrohr der neuen Straße sehr glaubwürdig. Die regelmäßig aufkochende Diskussionssuppe um die Härte seiner Texte, die Folgen für „die Jugend“ löffelt er in einer Engelsgeduld aus. Indizierung und Initiation liegen dicht beieinander. Das eine ist gut für das Geschäft, das andere gut für das ganze Leben.

 

Bushidos Arbeit ist ja nicht einfach authentisch, die Straße ist viel größer als dieser kleine Bereich der Hobbydiktatoren im Ghetto. Eigentlich ist die Arbeit schizophren. Er gibt den alleingelassenen Sohn, den Mann, der seine Traumfrau sucht und nicht findet, den treusorgenden Familienvater, den seine Umwelt fickt, niemals allerdings den Abiturienten – seine Hörer sind fein säuberlich selektiert – es sind jene, die alle Frauen zu Schlampen erklären und die glauben, dass Heroinabhängigkeit und Prostitution zusammenhängen.

 

Bushidos Album „7“ ist ein gutes Beispiel. Er pflegt den Gangster in sich, betont allerdings, seinen Wohlstand ehrlich erarbeitet zu haben; er besteht darauf, ausgestoßen zu sein, beschwört hingegen, ganz Deutschland habe auf sein Comeback gewartet – in sage und schreibe drei Tracks, die als Opener fungieren und der Feststellung dienen, dass Bushido wieder da ist.

 

Immer wieder taucht das Abituriententum als ihm entgegengesetzter Lebensentwurf auf. Er scheint beratungsresistent zu sein, und es gilt als ausgemacht, dass kein Deusch-Leistungskursler in seinem Umfeld arbeitet: zu sehr ist die Sonne am scheinen bei ihm – und mancher glaubt gehört zu haben, dass er sich frägt, ob das Leben nicht manchmal ein bisschen mehr am Lachen sein könnte. Bushido vertritt, und das mit Nachdruck, eben das Ghetto, und lauert auf die Klugscheißer, die ihn nicht wollen und es besser zu wissen glauben – die Bushido sich dann in seinem Ghetto vorzustellen pflegt, wo sie ordentlich gewemmst würden.

 

Und an dieser Stelle ist klar, welches Ross Bushido zur reiten gedenkt. Er spielt den Harry Potter, den ungewollten Spross mit den magischen Kräften, die Sehnsucht eines jeden Frühpubertierenden. Schlampen, Abi, Harry Potter – das ist die Bushido-Formel.

 

Bushido Musik

 

Das – liebe heilige Indizierung – soll gefährlich sein? Musik muss ein legitimes Mittel bleiben, seiner Wut freien Lauf zu lassen. Ein klares Bekenntnis gegen Verbote an dieser Stelle!

 

Bushido nimmt Ende des letzten Jahrtausends erste Demotapes auf und bildet mit King Orgasmus One und Bass Sultan Hengzt die Underground-Rap-Formation „Berlin Most Wanted“. Die Jungs werden viel Spaß gehabt haben. 2001 veröffentlicht Bushido sein erstes Album. „King of Kingz“ heißt es bescheiden. Bis 2004 müssen die Käufer schnell sein – viel wird indiziiert.

 

Bushido macht es den Ordnungshütern aber auch leicht. Die Texte sind gewaltverherrlichend, seine Einstellung gegenüber Frauen, Schwulen und Außenseitern ist übel, aufgeschreckt reagieren Medien und Pädagogen auf den zunehmenden Erfolg vieler Rapper aus Berlin. 2007 bringt es Rap aus Berlin sogar zum Titelthema des altehrwürdigen Konkret-Magazins. Das, was Bushido von sich gibt, wird als äußerst reaktionär und rückschrittig, sogar faschistisch gelesen.

 

Mit dem Erfolg kommen jedoch auch die Auszeichnungen. Ab 2005 heimst er Bravo Ottos, einen Echo-Award, den MTV Europe Music Award „Best German Act“ und viele mehr ein. Das Verhalten, das die zuständigen Organe gegenüber Bushido an den Tag legen, muss als äußerst schizophren gebranntmarkt werden. Der Weg des Rappers hat sich bewährt.

 

Den geht er konsequent. Heißt es 2003 „Vom Bordstein bis zur Skyline“, 2005 „Staatsfeind Nr. 1“, geht es 2006 „Von der Skyline zum Bordstein zurück“ – das erste Platin-Album. Das Spiel mit dem Bösen ist einfach nicht alles. Bushido hat auch Humor, wie er mit „Sonnenbank Flavour“ beweist.

 

Seine aufsteigende Tendenz unterstreicht er 2007 mit „7“. Seine Texte werden epischer, inhaltlich behält er die für viele empörende Linie bei. Mit der Single „Alles verloren“ verzeichnet er seinen ersten, bestimmt nicht letzten Top-10-Eintrag.

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