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Christina Aguilera - Star Porträt


Christina Aguilera, feste Größe auf dem europäischen und nordamerikanischen Markt der Populärmusik, wird am 18. Dezember 1980 als Tochter eines ecuadorianischstämmigen Vaters und einer kanadischen Mutter mit irischen Wurzeln geboren. Gerade um die Jahrtausendwende sammelt Christina Aguilera Preise und Nummer-1-Hits: einen Grammy erhält Christina Aguilera 2000 als beste Künstlerin, einen zweiten im folgenden Jahr für die beste Kollaboration im Bereich Popmusik mit dem Titel „Lady Marmalade“ gemeinsam mit Lil´Kim, Mya und Pink. Die Singles „Genie In A Bottle“ (1999), “What A Girl Wants” (1999), „Come On Over Baby“ (2000) und “Lady Marmalade (2001) landen samt und sonders auf Platz eins der Billboard Hot 100 Charts.

 

Neben dem beeindruckenden Organ, bei MTVs „The 22 Greatest Voices in Music“ im Jahr 2003 belegt Christina Aguilera als dritte Frau Platz fünf hinter Whitney Houston und Mariah Carey, fällt bereits bei diesen vier Titeln der massive stilistische Unterschied von „What A Girl Wants“ etwa und „Lady Marmalade“ auf – das eine Stück mädchenmäßig, das andere ziemlich - - - -anders, naja, es ist der Titelsong für den Film Moulin Rouge!, ein Musical über ein ziemlich verruchtes Etablissement im Paris der vorletzten Jahrhundertwende.

 

Es ist allerdings nicht allein dieser Titel, Christina Aguilera arbeitet früh an einem massiven Imagewechsel. In einer der erfolgreichsten Castingoperationen groß geworden, dem Mickey Mouse Club, erkämpft sie sich neben Britney Spears, Justin Timberlake und (mit Abstrichen) Ryan Gosling, Keri Russell, sicher auch Joshua Scott (JC) Chasez einen der raren Plätze amerikanischer Teenie-Idole; hervorgetreten aus den engen, strengen Vorgaben des Disney Channels, muss jeder für sich seinen Weg zum authentischen, selbständigen Künstler machen. Während bei Britney die Entwicklung entweder nicht abgeschlossen ist oder in einem Absturz endet, scheint es Justin Timberlake wesentlich leichter zu fallen: erst (wie die Mädels) ein Teenieidol, allerdings in einer Gruppe (u.a. mit JC Chasez) namens *NSYNC, scheint seine Entwicklung zum glaubwürdigen Künstler bereits damit abgeschlossen zu sein, dass Spears ihm den Laufpass gibt, er aus dem Kollektiv der Boygroup tritt und die richtigen Kollegen kennenlernt. Ryan Gosling sammelt als Schauspieler mit mutigen Rollen Anerkennung.

 

Bei Christina Aguilera ist die Wandlung noch einen Tick spannender. Während am Talent ihrer Kollegen durchaus häufig gezweifelt wird (woran wir uns nicht beteiligen), stellt kaum jemand die Größe ihrer Stimme und ihre Musikalität in Abrede. 1994 wird der Mickey Mouse Club eingestellt, 1998 erscheint in den USA „Reflections“ auf dem Soundtrack zum Disneyfilm „Mulan“. Britney räumt mit „… Baby One More Time“ fast weltweit ab, dagegen sind Aguileras Platz 15 in den Adult Contemporary Charts und die Nominierung für den Golden Globe geradezu bescheiden. Und während Britney verkündet, eine Jungfrau zu sein und bleiben zu wollen, bis…, verkündet Christina Aguilera, wo sie sich überall hat piercen lassen. Die Rollen sind eigentlich gut aufgeteilt, können allerdings nicht auf ewig so bestehen bleiben.

 

Christina Aguilera

Das Debütalbum wird ein Megaerfolg. Achtfach Platin und der erste Platz in den USA und Kanada, „Christina Aguilera“ geht 13 Millionen Mal über die physischen und virtuellen Ladentische. Ihr nächstes Projekt allerdings führt auf ein Terrain, auf das Britney, ihr nicht folgen kann: das spanischsprachige „Mi Reflejo“ enthält einige Titel des Debüts und einige Schmankerl speziell für die spanischsprachige große Minderheit im Norden Amerikas. Aufgrund ihres Vaters wirkt Christina auch auf diesem Gebiet authentisch, das Projekt endet auf Platz eins der Latin Album Charts.

 

Auch weil es immerhin bis auf den 27. Rang in den Billboard Charts klettert, wird Christina Aguilera 2000 mit dem ALMA-Award ausgezeichnet – und das ist ein Preis, dessen Bedeutung über künstlerische Aspekte und Verkaufszahlen hinausreicht: mit dem American Latino Media Arts Award werden Künstler und Künstlerinnen ausgezeichnet, die „Latinität“ einmal etwas positiver Vermitteln und damit den stereotypen Bildern von Säufern, Verlierern, Gangs und Gangstern etwas entgegensetzen. 2001 folgen ein Latin Grammy und ein Duett mit Ricky Martin: „Nobody Wants To Be Lonely“. Das war´s dann allerdings mit Latin und Christina Aguilera. Ähnlich wie Jennifer Lopez kann Christina Aguilera unterschiedlichen Zielgruppen entsprechend gewinnbringend vermarktet werden, und dabei beschränkt sie sich nicht auf das Bild der amerikanischen, patriotischen Göre und das der Latina mit gesamtgesellschaftlichem Auftrag – das „Irish American Magazin“ kürt sie 2001 zu den restlichen 99 „Top 100 Irish in America“. Ganz offensichtlich kann sich Christina Aguilera ihre Lieblingsethnizität aussuchen – ist allerdings gut beraten, die Entscheidung nicht öffentlich kundzutun – verletzte Herzen sind sehr gefährlich.

 

Christina Aguilera - Lady Marmalade

„Lady Marmalade“, ein Cover des 1975er Disco-Krachers von Patti LaBelle, ist, wie bereits angesprochen, Grundstein eines weiteren (nicht ethnisch motivierten) Wandels der Christina Aguilera. Während Christina Aguilera bis zu diesem Zeitpunkt vornehmlich in den Teeniezeitschriften zuhause ist, steht Christina Aguilera nun im Video in Strapsen und Korsett neben ihren Kolleginnen in einer Bordellkulisse. Und sie will genau dort hin. Nicht ins Bordell, aber sie möchte offensiv eine von ihr gewählte Erotik vertreten.

 

Christina Aguilera - Stripped

2002 veröffentlicht Christina Aguilera das Album „Stripped“. Die erste Single ist „Dirrty“. Der Kinderstar ist vergessen, als letzter Ausdruck für die Loslösung muss Christina Aguileras blonde Mähne nach dem Videodreh dran glauben. Ihre Haare sind nun schwarz. Im Video von David LaChapelle, ist sie (noch blond) in einer Boxhallenruine von einer tanzenden Menschenmasse umgeben. Ziemlich dünn bekleidet reibt Christina Aguilera sich an eingeölten Männer- und Frauenkörpern verschiedener Hautfarben. In den USA wird die – nun ja – erotisch aufgeladene Atmosphäre des Videos zurechtzensiert. Ähnlich wie Madonna viele Jahre zuvor schafft es Christina Aguilera mit recht simplen Mitteln, die Wächter der Tugenden gegen sich aufzubringen und als „All-American Girl“ zu sündigen.

 

Nicht ganz so erfolgreich wie sein Vorgänger gilt das Album „Stripped“ als großer Schritt und Weiterentwicklung der Musikerin. Die Musikerin zieht sich dafür in einer Hand voll Magazinen aus, ohne dabei jedoch die Grenzen marktüblicher Prüderie zu überschreiten. Mit „Beautiful“, der zweiten und erfolgreichsten Single des Albums, heimst Aguilera einen weiteren Grammy ein (Best Female Pop Vocal Performance). Die Verkaufszahlen sind nicht mehr ganz so hoch, der Markt für Tonträger ist eingebrochen – Christina Aguilera hat ihren Status als Popstar ausgebaut.

 

Bei den MTV Music Awards 2003 erhält Christina Aguilera gemeinsam mit der weiterhin blonden Britney Spears bei einem gemeinsamen Auftritt mit Madonna von Madonna den Ritterkuss. Ein kalkuliertes Skandälchen, fast schon öde. Zu diesem Zeitpunkt sind die drei Damen unglaublich im Geschäft, Britney rutscht einige Monate später in die Klatschspalten der Revolverblätter, Christina Aguilera wird vernünftig: Werbung für Mercedes Benz, sie engagiert sich politisch für eine der zwei Seiten, tauft ein Parfum und fährt Anfang 2005 in den Hafen der – in den Hafen der – in den Hafen der Verlobungen ein. Jordan Bratman heißt der Kerl, ist Musikproduzent – und das kann nun wirklich jeder von sich behaupten.

 

Christina Aguilera - Back To Basics

Eine Reihe von Kooperationen endet im August 2006 mit der Veröffentlichung von „Back To Basics“. Ein Spaziergang durch die Geschichte der Popmusik, ein Doppelalbum mit einem hervorragenden zweiten Teil, Christina Aguilera hat sich wieder blondiert, was auch immer das signalisieren soll. Linda Perry, DJ Premier, Puff Daddy, Steve Winwood und andere sorgen für Abwechslung. In 17 Ländern landet das Teil auf Platz eins, „Ain´t No Other Man“, „Hurt“, „Candyman“ und „Slow Down Baby“ werden die meisten Musikradiohörer und-fernseher gewollt oder ungewollt bis 2008 noch begleiten.

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