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Eko Fresh - Star Porträt


Die Meisten, Rapper wie Nichtrapper, reiben sich verdutzt die Augen, als 2003 plötzlich ein Bübchen mit einer Attitüde wie aus besten „Die Da!“-Zeiten seine Version von „König Von Deutschland“ bei den damals noch recht gut funktionierenden deutschsprachigen Musik-TV-Sendern zum Besten geben darf, und zu allem Überfluss so tut, als müsste man ihn kennen. In dem Moment, in dem der von DSDS bekannte Musikmanager Thomas Stein (gemeinsam mit Roberto Blanco) auftaucht, ist klar, dass da mal wieder eine Riesenverarschung im Gange ist, mit der kurz die Blödheit der Hörer und Zuschauer angetestet wird, die dann jedoch ganz schnell wieder fallengelassen werden würde.

 

Nur der Name Eko Fresh ist irgendwie geblieben. Das liegt vielleicht weniger an seiner Musik, die war in den Jahren zwischen heute und damals nicht besonders prägnant, den meisten wird das Video von seiner Beerdigung durch Kool Savas in Erinnerung sein, sicherlich ein wichtiger Schritt in der deutschsprachigen Diss-Kultur. Aber Musik von Eko? Gut, mit viel Mühe lassen sich Hits von ihm in Erinnerung rufen. Nein, eigentlich nicht.

 

Zur Jahreswende 2007/2008 kündigt der Mann an, das Mikrofon auszustöpseln, weil er zwar einen Namen habe, mit der Musik hingegen nicht anständig Geld verdiene. Vollkommen schlüssig, wenn man denkt, wie die meisten (lächelnd): „Der Eko…“ Eko Fresh ist für die, denen es gelungen ist, das komplette Oeuvre des Rappers zu übersehen, nicht der richtige Typ für die Rolle, die er sich ausgesucht hat. Die ganzen Typen aus Berlin und Frankfurt und Stuttgart und dem richtigen Pott sind in ihrem Auftreten so dermaßen gewachsen, so professionell gangstermäßig geworden, dass dieser Steinverschnitt einfach vorsintflutlich wirkt. Auch wenn er predigt, dass er und die anderen Rapper und nicht Gangster seien, geht es doch – wenigstens manchmal – weiterhin darum, den Gangster zu mimen.

 

Eigentlich. Genauso geht Eko Fresh sprachlich wesentlich gewitzter als die meisten seiner Kollegen zur Sache, er hat sich immer wieder sehr hohe Ziele gesetzt und diese ambitioniert voran getrieben: von der Gewichtszunahme, über das Ziel, ein Bravorapper zu sein bis zum Versuch, ein sehr eigenes Tupac-Tribute zu schnüren, sind kuriose, immer jedoch auch sehr ehrliche Vorhaben an der Tagesordnung, die mit seinem ganz eigenen Drang zur Perfektion vorangetrieben werden.

 

Ekrem Bora kommt aus Mönchengladbach, allerdings 1983 in Köln zur Welt. Er wächst bei seiner Mutter auf, geht bis zur zehnten Klasse in die Schule und rappt, seitdem er 15 Jahre alt ist. Als er Kool Savas trifft (einige sagen, dass er das Treffen arrangiert), nutzt er die Gelegenheit und präsentiert ihm, was er hat. Die Sprünge, die Eko Fresh macht, sind gewaltig: es ist Kool Savas, der ihn auf die Füße stellt, dem er den Rücken zudreht, weil ihm eine Einzelvermarktung durch Sony BMG angeboten wird. In der „Szene“ wird es immer ambivalente Verhältnisse zu solchen Geschichten geben, schließlich sind viele der Idole intellektuelle Outlaws, die sich nicht vom System … Andererseits kann man erst wirklich subversiv sein, wenn man als Teil des Systems – das führt zu weit.

 

Eko verabschiedet sich mit einem Paukenschlag von Kool Savas, der leidenschaftlich zurückschlägt. Ab 2004 gründet Eko das Label German Dream Entertainment und seine eigene Crew, arbeitet eine ganze Weile mit Bushido zusammen und betätigt sich als Produzent und Songschreiber.

 

Eko Fresh - Bei Optic, nach Optic

 

2001 hat Eko die Gelegenheit, die EP „Jetzt kommen wir auf die Sachen“ auf Royal Bunker zu veröffentlichen. Der Einstieg ist geglückt, mit Kool Savas und Konsorten, sowie Ekos Freundin Valezka (Klett), die bereits auf der EP „Haus + Boot“ mitarbeiten dürfen, formiert sich ein vor allen Dingen auch sprachlich gewitztes Team, das in erster Linie unter die Gürtellinie zielt.

 

Optic Records wird gegründet, die Basis für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft, so stellt es sich Savas ganz offensichtlich vor. Auch er arbeitet am „König von Deutschland“, während Stein bereits an dem Solokünstler Eko Fresh feilt. Während letzterer seinem Lehrmeister später vorwirft, ihn zu stark unter die Optic-Knute gezwungen zu haben, fühlt Kool Savas sich von dem Emporkömmling hintergangen. Eko verlässt noch 2002 das Label und macht, was ihm Stein vorschlägt.

 

Es gibt eine Hübsche kurze Werbedoku, die im Privatfernsehen läuft, in der sich junge Rapper von einem Stab von BMG-Leuten zuquatschen lässt, woraufhin er seinen Boss in einem „Szeneladen“ einkleiden darf. Eko Fresh ist der neue Superstar bei BMG, wenigstens gibt man ihm das Gefühl, neue Zielgruppen sollen dem Haus erschlossen werden, dafür muss Eko bei den einschlägigen Jugendmagazinen vorsprechen. Es zeichnet ihn aus, dass er zu seinem erklärten Ziel macht, ein Bravo-Rapper zu werden. Aus der Sicht von Kool Savas verbietet sich das, es kommt zwangsläufig zum Ende der fruchtbar begonnenen gemeinsamen Zeit.

 

Das Debütalbum ist noch 2003 fertig, „Ich bin jung und brauche das Geld“ ist eigentlich bereits die fällige Entschuldigung, Eko beschwört den Erfolg, das reicht jedoch nicht. Das Album ist langweilig, grenzwertige Beleidigungen und Provokationen gibt es nicht, die Texte sind eine einzige Nabelschau, allein, es interessiert niemanden – sieht man von der Bravo-Fraktion ab. Und so will er es haben, daher kann man das Album, aus dieser Warte, in Anbetracht einer recht guten Platzierung in den deutschen Charts mit der Single „Ich bin jung und brauche das Geld“, sicherlich auch als Erfolg lesen. Vermutlich überlegen er und Valezka, dass man etwas aus ihrer Beziehung machen kann, erst werden Gerüchte gestreut, 2004 folgt das gemeinsame Album „L.O.V.E.“. Eko strotzt vor Selbstbewusstsein, das sieht man ihm an, und es macht ihn auch irgendwie sympathisch. Ebenfalls 2004 bringt er mit Azra „Dünya Dönüyor – die Welt dreht sich“, mit vielen folkloristischen, sogar Reggae-Elementen gefüttert, bei Royal Bunker heraus.

 

Es folgt der Track „Die Abrechnung“, die Kool Savas zur Weißglut bringt, jedoch nicht nur gegen ihn gerichtet ist. Während die Antwort von Savas die bekannteste und auch beste ist, sind die Fluchtiraden in Richtung Eko kaum noch zu zählen. Von Illmatic über Caput und Ercandize – bis hin zu dem alles übertreffenden 90 Albaner-Diss sind Schmähungen in allen Facetten zu haben. Eigentlich kann er sich darauf etwas einbilden.

 

Er stellt sein eigenes Team auf, gründet in Köln German Dream Records. Beim Signing seiner Kollegen kann man ihm nicht gerade ein glückliches Händchen nachsagen, keiner ist dabei, der ihm (bisher) auch nur annähernd das Wasser reichen kann, nette Namen haben sie allerdings. Die Mixtapes und Labelsampler sind nicht zu gebrauchen. Dafür schreibt Eko den Text zu „Du hast mein Herz gebrochen“, mit dem Lied singt sich Yvonne Catterfeld zum zweiten Mal auf Platz eins der deutschen Charts. Er versöhnt sich mit Bushido (Eko hat mal Bushido zu beleidigen versucht, der manchmal über solchen Sachen zu stehen scheint) und gemeinsam schießen sich die beiden auf Fler ein. Das ist nicht die schlechteste Wahl.

 

2005 erscheint Hart(z) IV. Berlin ist (wieder) hart, das Leben ist (wieder) hart, Eko ist jetzt (wieder) hart. Es ist bis hierhin das rundeste Produkt, das Eko auf den Markt bringt, deutlich ist der Einfluss seines neuen Förderers Bushido zu hören – Eko hat Witz, und genau diesen seinem Kollegen voraus. „Ekaveli“, das Album von 2007, ist hoch ambitioniert, Eko Fresh versucht, wie Tupac zu klingen – und schafft es auch. Für viele ist der Versuch lächerlich, manche regen sich auf, andere schütteln einfach nur den Kopf, kaum einer scheint sich darüber freuen zu können, Tupac zu hören, der sagt: „Et kütt wie et kütt.“

 

Eko macht das erste Mal richtig Spaß – und verkündet dann, mit dem Rappen aufzuhören. Ein guter Entschluss, schließlich ist „Ekaveli“ kein Weg, den man einschlagen kann, sondern eher ein einmaliges Projekt. Ein weiterer Schritt ist schwierig – und wird mit Sicherheit folgen.

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