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Eminem - Star Porträt


Klar Hip-Hop gibt es bereits in den 70er Jahre oder so und sicher, da gehört die Musik auch eigentlich hin – so richtig massentauglich machen ihn Jungs in den 90er Jahren und wenn so etwas richtig massentauglich wird, dann braucht es große Stars, die die bestehende Massentauglichkeit nicht intellektuell zu ergänzen und verbessern suchen, sondern authentische Männer, Männer, die wissen, wie es geht und die dies für sich nutzen. Im Hip-Hop gibt es viele dieser superauthentischen Stars. Marshall Bruce Mathers III ist einer von jenen, die ihre Leidenschaft und ihre Fähigkeiten im richtigen Moment einsetzen, um damit weltberühmt zu werden.

 

Wessen es genau Bedarf?

 

Einer schrecklichen Kindheit. Dann kann man darüber rappen. Eminem kommt am 17. Oktober 1972 in Missouri zur Welt und wächst in Detroit auf. Die Mutter ist sehr jung, der Vater, Marshall Bruce Mathers II, verlässt die Familie früh, die Mutter nimmt Drogen und kommt mit dem Bengel nicht zurecht. Ein Onkel wird zur wichtigen Bezugsperson, stirbt jedoch Anfang der 90er Jahre, als er sich versehentlich selbst richtet. Das sind Details der Version Eminems, gegen die seine Mutter noch in den 90er gerichtlich vorgeht – zumindest teilweise erfolgreich – es kommt zu einem Vergleich. Eminem bekommt früh Kinder, kennt früh seine große Liebe, heiratet sie spät, adoptiert Kinder, versucht es besser zu machen und scheitert privat recht häufig, als Künstler allerdings so gut wie nie.

 

Eminem - Musikerleben

 

Das Musikerleben Eminems beginnt etwa im 14. Lebensjahr. Eminem ist nicht allein, seine Gruppe nennt sich Bassmint Productions, Eminem selbst heißt M&M, so was geht, solange man nicht zu berühmt ist. Eminem (na, den Kniff bemerkt? M&M = Eminem) ergreift das Mikro, wo er nur kann, erkämpft sich seinen Platz in der Detroiter Szene, so heißt es, und lernt, sich jedem Wortgefecht erst einmal zu stellen. Bassmint Productions bringt sogar eine selbst produzierte EP namens „Steppin´Onto The Scene“ heraus.

 

Es dauert allerdings noch einige Jahre, sicherlich ebenso viele beschissene Jobs, Gruppenzugehörigkeitswechsel und noch mehr beschissene Erlebnisse, Eminem schmeißt Tapes unter die Leute, bis er 1996 sein erstes kleines Album fertig stellt. „Infinite“ stellt nicht gerade die Hip-Hop-Welt auf den Kopf. In Detroit lernt Eminem den Rapper Proof kennen, der 1997 D12 (Dirty Dozen) gründet – eine Rapperverbindung, in deren Schutz die Mitglieder unter Pseudonymen ihren dreckigen Gedanken freien Lauf lassen können. Hier heißt Marshall Bruce Mathers III Slim Shady. Hier bringt er „The Slim Shady EP“ heraus, und hier liegt eine dicke Wurzel des Erfolges.

 

Eminem - „The Slim Shady LP“

 

Schließlich heißt Eminems großer Durchbruch 1999 „The Slim Shady LP“ und es ist immerhin Dr. Dre, der Eminem unter seine Fittiche nimmt, nachdem er die EP hört. Er ist bei Aftermath unter Vertrag und – ob er es weiß? – auf ihn wartet Großes. Im Underground-Wald raschelt es gewaltig: die Geburt eines unerhört großmäuligen weißen Rappers verkündigt es, die beste und wirkungsvollste Promotion, die sich ein Musiker nur wünschen kann.

 

Eminem löst ein, was sich die Fangemeinde erhofft: brav beginnt Eminem seinen Siegeszug um die Erde auf die einzig ehrenhafte Weise, die unsere Gesellschaft kennt. Er stellt sich vor. Mit „My Name Is“ zeigt er, was von ihm zu erwarten ist, Eminem sprengt einen Kindergeburtstag, beleidigt Lehrer, Mutter und Vater aufs Übelste. Vor allen Dingen in England ist die Single sehr beliebt, in den USA gibt es ein paar gerichtlich eingereichte Änderungswünsche erwähnter lebender Personen. Dafür findet das Album in den Vereinigten Staaten reißenden Absatz. Insgesamt werden 5 Millionen Silberlinge abgesetzt. Das Lustige bei Produktionen wie dieser ist, dass sie je nach Medium und Region, in der sie gespielt wird, den jeweiligen Zensurgepflogenheiten angepasst werden muss. Das zerstört Tracks wie „Guilty Conscience“, in dem es um Handlungsoptionen verschiedener Täter kurz vor bzw. während ihrer Verbrechen geht, zwingt Künstler wie Eminem hingegen, kreativ mit ihrem Werk umzugehen – es ist nicht wie bei einem klassischen Rocksong, der 100 Jahre auf eine und dieselbe Weise heruntergespielt werden kann, die Tracks laden zur Modifikation ein. Eminem hat sich in die Rolle des bösen Buben gespielt. Von den gesellschaftlichen Tugendwächtern leidenschaftlich bekämpft, ist genau das seiner Popularität ungemein zuträglich.

 

Eminem - „The Marshall Mathers LP“

 

Bei Eminems zweiten Album kämpft Eminem mit offenem Visier. Sein bürgerlicher Name tritt an die Stelle seines Pseudonyms bei D12. „The Marshall Mathers LP“ (2000) ist das bis heute erfolgreichste Album des Künstlers, der Durchbruch zu sagenhaften Verkaufszahlen. Schlappe 21 Millionen CDs, Platin bis zum Abwinken, ein Grammy für das beste Album und ein Grammy für den besten Rap, zwei weitere Grammys mit Dr. Dre 2001. Was bei diesem Album noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist die Stimme Didos, die Eminem in das Lied „Stan“ einbaut. Eminem gibt sich empathisch, schreibt aus der Perspektive eines Fans, eines Jungen, der, in einer multiplen Notlage, von seines Idols Hilfe erbittet – und diese zunächst nicht erhält. Eminem belässt es nicht bei der Beschreibung einer Situation, wie sie sich zigfach zuspielt, sondern bietet eine systemkonforme Lösung an: er rät, greift unter die Arme, schafft die Illusion, dass es jeder eigentlich – ein durch und durch kitschiger Track, völlig überflüssig, aber ein Welthit. Eminem gibt sich auf „The Marshall Mathers LP“ eh recht reflektiert, allerdings keinesfalls brav oder so was.

 

Privat läuft es für den neuen Superstar Eminem weniger gut. Die Ehe geht mehrfach beinahe in die Brüche, von reaktionärer Seite wird ihm (neben Marilyn Manson) eine Mitschuld an dem Amoklauf in Littleton gegeben, er schlägt sich, landet beinahe im Knast, seine Frau versucht, sich das Leben zu nehmen.

 

Geschäftlich sieht dies vollkommen anders aus. Eminem ist im Popularitätshoch und gehört zu jenen Künstlern, die besonders offensiv gegen die Tauschbörse Napster zu Felde ziehen. Eminem ist verärgert, dass sein Album „The Eminem Show“ (2002) bereits die Runde macht, bevor es überhaupt käuflich zu erwerben ist. Trotzdem wird auch dieser Wurf ein recht großer, auch wenn die finanziellen Einbußen durch die tauschende Fangemeinde spürbar sind – muss man zumindest vermuten. Versöhnlich sind die wiederum regnenden Grammys und ähnliche Preise.

 

Eminem - „8 Mile“

 

Im selben Jahr gibt Eminem sein Leinwanddebüt. „8 Mile“ heißt der Film, der Rapper spielt im Prinzip sich selbst. Für den Track „Lose Yourself“ erhält er sogar einen Oscar. Eminem ist im Produzentenhimmel angekommen, er gründet Shady Records, nimmt 50 Cent und dessen G Unit unter seine Fittiche, 2001 und 2004 veröffentlicht Eminem gemeinsame Alben mit seinen Jungs aus Detroit, der D12.

 

2004 veröffentlicht Eminem das Album „Encore“ und lehnt sich mit seinem Track und dem Video „Mosh“ weit aus dem Fenster. Es ist der Versuch, die Fans dazu zu bewegen, zur Wahl zu gehen und gegen George W. Bush zu stimmen – hoffnungslos, sicher jedoch gut gemeint.

 

Seitdem hält sich der Mann eher im Hintergrund. Eminem veröffentlicht eine Hitsammlung (“Curtain Call: The Hits”), ein Schmankerl von ihm und seinen Freunden („Eminem Presents The Re-Up“, 2006), im selben Jahr stirbt Proof, einer seiner wichtigsten Wegbegleiter, und nun wartet alles auf „King Mathers“, das Album, das angeblich noch 2007 auf den Markt kommt.

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