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Falco - Star Porträt


Ist mal jemandem aufgefallen, wie eng die Karriere Falcos in den USA mit der des vierten weltbekannten Österreichers, Arnold Schwarzenegger, verknüpft zu sein scheint? Auf den ersten Teil von „Terminator“ 1984 folgt ein Jahr später das Album „Falco 3“ und die Single „Rock Me Amadeus“ – gigantische Erfolge in den amerikanischen Charts. Nach dem Unfall Falcos im Februar 1998 in der Dominikanischen Republik schwappt über dem toten Star eine Welle lange entbehrter Aufmerksamkeit zusammen, in die die Entscheidung Schwarzeneggers fällt, die Pferde zu wechseln und in die kalifornische Politik zu gehen.

 

Ein Zufall, sicherlich. Während Schwarzenegger die zunehmende Ablehnung auf dem alten Kontinent egal sein kann, beschränken sich die posthumen Ehrungen Falcos auf Europa. Gemeinsam bilden die beiden höchstens die Spannweite von charmantem (Falco) bis zu bescheuert klingendem (Arnold) österreichischen Englisch. Viel interessanter ist vielleicht, dass Falco als Teil der neuen deutschsprachigen Welle in den 80ern für den (wesentlich älteren) sogenannten Austropop eine enorm wichtige Rolle spielt. Sein Erfolg ist gewaltig, und wie bei einer Sportart, die von einer einzigen Persönlichkeit über Jahre dominiert wird, erstickt er die Mitstreiter förmlich. Rainhard Fendrich schafft es eigentlich nur noch ins Fernsehen, um etwas über Falco zu sagen. Ausnahmen sind vielleicht noch Udo Jürgens, aber der wird erstens nicht als Österreicher wahrgenommen und spielt zweitens in einer anderen Liga. DJ Ötzi könnte man noch erwähnen, sollte man jedoch nicht. Außerdem erlangt er, wie auch Christina Stürmer, in der Post-Falco-Ära grenzenübergreifende Bekanntheit. Georg Danzer und Wolfgang Ambros könnten noch erwähnt werden, die kennt allerdings kaum noch einer. André Heller, Attwenger, Kruder & Dorfmeister, herrje, es sind ja doch einige, die machen nur den schönen Aufbau kaputt.

 

Die herausgehobene Stellung Falcos dürfte unbestritten sein, und zwar nicht nur, weil er kontrovers diskutiert wird und in der UDSSR und den USA Nummer-Eins-Hits hat. Er spielt noch weit nach seinem Tod eine große Rolle, vor allem im Fernsehen. Wir werden ihn so schnell nicht los, das hat er versprochen.

 

Die Suche nach dem Beginn der Geschichte führt uns in sein Geburtsjahr 1957, nach Wien. Johann Hölzel, so sein Geburtsname, wächst im 5. Bezirk auf, im Arbeiterbezirk Margareten. Es ist eine verbaute Gegend, die Mutter bekommt Drillinge, der Hans überlebt als einziger. Der Vater verlässt vor dem angepeilten Schulabschluss des Jungen die Familie, zur Mutter entwickelt Falco ein enges Verhältnis; während seiner Karriere steht sie, als skurriles Phänomen des Boulevard beäugt, im steten Blick der Öffentlichkeit.

 

Früh wird Falco mit Schlagern gefüttert und am Klavier gedrillt, zeitweise gilt er im kleinen Kreis als neues musikalisches Wunderkind. Er spielt Gitarre, bricht die Schule ab, bringt sich das Spiel der Bassgitarre bei und lässt sich in Ermangelung einer besseren Idee zum Grundwehrdienst einziehen. Anschließend geht Falco an das Wiener Jazz-Konservatorion, bricht seine Ausbildung allerdings wieder ab. Unruhige Jahre. Er sieht Bowie, geht nach Berlin, kehrt nach einigen Monaten zurück. Zeitweise Straßenmusiker, wird er vom Rockmusiktheater Hallucination Company aufgenommen. Ein entscheidender Schritt. In dieser Zeit verpasst er sich seinen Künstlernamen nach der Skisprunglegende Falko Weißpflog, Oberwiesenthal, DDR.

 

Als Mitglied der Rockband Drahdiwaberl (Drehkreisel) hat er seinen ersten lokalen Hit: „Ganz Wien“, 1979 eingespielt und 1981 als „The Scene“ veröffentlicht. Den Fokus auf die Drogenprobleme Wiener Bürger gerichtet, beweist Falco direkt mit seiner ersten wichtigen Produktion ein Händchen für Skandälchen und Provokation.

 

Falco - Einzelhaft

 

Ab 1981 legt Falco eine Karriere hin, wie sie eigentlich nicht vorstellbar ist. Er hat einen Vertrag mit dem österreichischen Label GIG in der Tasche und den österreichischen Produzenten Robert Pronger an seiner Seite. „Der Kommissar“ ist wie für ihn gemacht. (Ist er eigentlich nicht.) Damit hat er eine Single, mit der er sicher sein restliches Leben über die Runden gekommen wäre. „Der Kommissar“ geht um die gesamte Erde, selbst in der New Yorker Hip-Hop-Szene wird das Ding gespielt. Das Album „Einzelhaft“, 1982 erschienen, wird ein beachtlicher Erfolg, vor allem jedoch in Österreich und in Deutschland.

 

Falco muss in jener Zeit wie eine Eintagsfliege wirken. Er ist die Amy oder Britney jener Tage, man kann seinem Verfall zusehen, das nächste Album „Junge Römer“ floppt. Der Wechsel zu den holländischen Produzenten Bolland & Bolland ist eine weise Entscheidung. 1985 erscheint „Falco 3“ mit den Singles „Rock Me Amadeus“, „Vienna Calling“ und „Jeanny“. Rock Me Dingsbums ist der ultimative Welthit, mehr geht nicht, ist jedoch ebenso wie „Vienna Calling“ nur in seiner Zeit zu hören und verstehen. Der erste deutschsprachige Nummer-1-Hit in den USA ist zumindest ordentlich. „Jeanny“ hingegen ist ein Hit für die Ewigkeit. Dick aufgetragen wird im gesamten Album, „Jeanny“ ist noch eine Nummer härter. Mit dem Lied offenbaren sich die Schizophrenie der 80er, die Dekadenz, die vermeintliche Kunstfreiheit und das ganze Gekeife. Während die vermeintlich Toleranten beginnen zu wettern, handeln diejenigen, die gewöhnlich für jeden willkürlichen Aktionismus verantwortlich sind, die Herren der Tat, eben nicht. Das Lied aus der Perspektive eines Stalkers ist toll, ein unglaublich guter Popsong. Mit „Macho Macho“ findet sich auf dem Album ganz nebenbei noch die Steilvorlage für das Comeback Fendrichs 1988.

 

Was soll dann noch kommen? Heiraten, Kinderkriegen, Scheidung – das ist auch das, was Falco macht.

 

Ich hab kein Geld und du hast kein Geld, wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?

 

Mit „Emotional“ erscheint 1986 das letzte Nummer-1-Album in Deutschland, in Österreich hält man auch noch in den schwierigen 90ern zu ihm. Es ist klar, dass sich mit dem Vergangenen vergleichbare Triumphzüge nicht verwirklichen lassen. Falco steckt mit seinem doch sehr speziellen Sprechgesang, seinem Denglisch, in einer Sackgasse, aus der er nicht mehr herauskommt.

 

Durch die 90er produziert er gegen dieses Problem an. Er hat starke Drogenprobleme, ist depressiv, muss dann auch noch feststellen, dass seine Tochter nicht seine leibliche ist. „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ verdeutlicht 1995 mehr die Probleme, die Falco hat, als dass das Lied, unter dem Pseudonym T<<MA veröffentlicht, ein Erfolg ist.

 

1996 zieht Falco in die Dominikanische Republik. Das lang angestrebte Comeback gelingt nur befeuert durch den Tod des Künstlers. Es gäbe eine Reihe von Sprichwörtern, die an dieser Stelle passten, jedoch anderen überlassen sein sollen. Den Erfolg des Hits „Out Of The Dark (Into The Light)“ erlebt er nicht mehr. Es ist zu bezweifeln, dass es ein vergleichbarer Erfolg mit einem lebenden Falco geworden wäre, zu emotional und übertrieben sind Feierlichkeiten und Ehrungen. Die dauern an.

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