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Genesis - Star PorträtFrüher war alles besser und Tony Banks ist der eigentliche Kopf von Genesis. Wenige Fakten muss dringend wissen, wer sich mit einem Genesis-Experten unterhält. Diese beiden Informationen gehören nicht dazu, sie sind allerdings hilfreich, da sie, Mantras gleich, fortwährend wiederholt werden, wenn es Neuigkeiten rund um die Band gibt. Für viele ist gerade die lange vergangene Zeit, in der Peter Gabriel am Mikro steht, die entscheidende. Der Band wird zugesprochen, stilbildend für ein Musikgenre mit dem niedlichen Namen „Progressive Rock“ zu sein; den meisten Musikhörern sind indes Lieder der Gruppe aus einer späteren Zeit präsent, einer, in der der Schlagzeuger Phil Collins den Sänger gibt, und die gemeinhin als weniger visionär gilt, dafür jedoch als erfolgreicher.
An kaum einer Band lassen sich Legenden, die Frage nach dem Verlust von Qualität durch das Erreichen einer gigantischen Zuhörerschaft, die Folgen des Abschieds von einem eingeschworenen Hörerkreis etwas elitär denkender Musikliebhaber und die Frage nach dem Recht auf selbstbestimmte Fortentwicklung untersuchen, wie an der Band Genesis. Einerseits ist sie uralt, ihre Geburt als Stadionrockgruppe erfolgt indes in den 80er Jahren, einer hierfür ganz offensichtlich prädestinierten Zeit. Genesis-Freunde, von denen es eindeutig mehrere scharf voneinander trennbare Fraktionen gibt, kennen zu einem übergroßen Teil lediglich Genesis mit dem Sänger Collins, bedauern zu einem kleineren Teil mehr als 30 Jahre nach der Demission Gabriels dieselbe noch immer, und dieser Teil ist verblüffend sendungsbewusst.
Ihm soll hier nicht ins Wort geredet werden, hier steht nicht, dass jene, die auf Collins setzen (und da gibt es eine vergleichsweise stille Fraktion, die beide Seiten kennt und Collins favorisiert), irgendwie origineller wären. Eigentlich handelt es sich ausschließlich um Geschmacksfragen, die Sache führt schlussendlich zur ulkigen Feststellung, dass man sich nach progressivem Rock zurücksehnen kann, das Signum des Fortschrittlichen für alle Zeiten eingeschrieben zu bleiben vermag. Dabei drängt sich natürlich die Frage auf, ob die Band eher so spielen soll wie damals oder mit Peter Gabriel progressiv arbeiten – was niemals wäre wie damals … Und was hat das ganze mit Tony Banks zu tun, dem eigentlichen Kopf der Band, wo sich die ganze Debatte so eindeutig an den Sängern festmacht? Das sind alles Fragen, die unbeantwortet bleiben müssen.
Die Sache mit Tony Banks ist eine Insiderinformation, von Collins fortwährend gepredigt erlangt sie den Status eines gültigen Fakts, ohne dass sich jemand darum scheren muss, wie die Berichterstattung zu zwei zeitlich nah beieinander liegenden Konzerten von Genesis (im Regen) und Peter Gabriel (bei Sonnenschein) im sommerlichen Hamburg 2007 belegt. Die sieht ungefähr so aus: Genesis, also Phil Collins, füllt ein Stadion mit alten Blödis, während Peter Gabriel sich ein waches Akademikerpublikum bewahrt hat, das der Kunst zuliebe, und eben nicht wegen irgendwelcher alter Liebesschnulzen, seinem Meister die Aufwartung macht. Im Promotratsch der Wochen zuvor gesteht Banks zu allem Überfluss noch, dass ihm die alten Stücke zu spielen sehr mühsam sei, Collins belegt, dass ihn Gabriel einen feuchten Kehricht interessiert – gerissener kann ein Band nicht sein, begründeter die Akademikerseite auch nicht.
Fassen wir einmal zusammen: wir haben etwas Wertvolles, das keiner kennt und etwas, das jeder kennt, allerdings nur Blödis interessiert. Mit den Liedern von Phil Collins wird oft härter ins Gericht gegangen als mit vergleichbar erfolgreichen Schmusesängern, nicht selten wird hierbei sein Publikum direkt mit abgewatscht. Der Grund hierfür ist allein der Bruch, den die Band irgendwann in den 70er Jahren mit ihrer Vergangenheit macht, indem sie von aufwändig arrangierten Poprocksongs in die Ohrwurmfraktion wechselt, in die Welt der bösen, sich eben nicht allein genügenden Unterhaltungsmusik. Schmerzhaft muss für alte Fans sein, dass dieser Bruch aus ihrer Sicht völlig zwanglos geschieht, zumindest nicht des Geldes wegen, denn den internationalen Durchbruch, das Berühmtwerden, hat die Band spätestens mit ihrem Bühnenepos „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) hinter sich, auf der anderen Seite ist die Berühmtheit nicht mit der Popularität zu vergleichen, die sie sich in der Folge erarbeitet.
Auch muss angemerkt werden, dass der Wechsel zu neuen Songs kein scharfer Bruch mit der Vergangenheit ist. „I know What I Like (In Your Wardrobe)”, eine HITSINGLE aus dem Album „Selling England By The Pound” (1973), gehört noch lange zum Live-Repertoir der Band. Gesellschaftskritische und schwer ironische Inhalte, immer gerne (und idiotisch) als Qualitätsmerkmal für gute Musik herangezogen, stehen nicht nur bei den frühen Genesis gelegentlich auf der Agenda, das Album „Invisible Touch“ (1986) ist in Teilen ein schöner Beleg hierfür und wird darüber hinaus als Versuch gelesen, die alten Fans mit dem neuen Weg zu versöhnen.
Das gelingt vielleicht eine Weile. Unverzeihlich für wirkliche Fans ist indes, dass das letzte Album von Genesis 1991 auf den Markt kommt – „I Can´t Dance“ ist ein riesiger Erfolg, Collins steigt 1996 aus, um sich anspruchsvolleren Musikthemen zu widmen und 2006 bei einer staatsmännisch vorbereiteten und im Internet übertragenen Pressekonferenz, gemeinsam mit Banks und dem Bassisten Mike Rutherford (den beiden einzigen, die permanent Mitglieder von Genesis sind) die Reunion verkündend, wieder ein. Es sind zwei Helden aus den 70ern, die sich viele Fans hinzusehnen, nicht nur Gabriel. Der zweite ist der Gitarrist Steve Hackett, der von 1970 bis 1977 entscheidenden Anteil an der legendären Zeit der Gruppe hat. Beide sind in erste Treffen zur Absprache der Reunion involviert, am Ende allerdings nicht dabei. Es geht dass Gerücht um, und jetzt wird es wirklich verrückt, dass Progressive-Garant Gabriel bei den Überlegungen zur Neuaufführung von „The Lamb Lies Down On Broadway“ einen Rückzieher gemacht hat.
Es stimmt nicht ganz, dass „I Can´t Dance“ 1991 das letzte Studioalbum der Band gewesen ist: Banks und Rutherford floppen gemeinsam mit dem Ray Wilson, zuvor Sänger des One-Hit-Wonders Stiltskin („Inside“), 1997 mit dem Album „Calling All Stations“. Das dürfte Beleg genug dafür sein, dass nicht Banks, sondern Collins und natürlich Gabriel die wahren Köpfe der Band sind. Sieht man von diesem kleinen Unfall ab, lebt die Band, und das allein ist kritikwürdig, seit etlichen Jahren ausschließlich von Best-Of-Compilations, CD-Boxes und Neuauflagen alter Schinken.
„I Can´t Dance“ ist der furiose Abschluss einer sagenhaft erfolgreichen Epoche von Alben und Touren, die über „Invisible Touch“ (1986), „Genesis“ (1983), das erste Nummer-eins-Album in Deutschland, „Abacab“ (1981), „Duke“ (1980) und „And Then There Were Three“ (1978) bis in die späten 70er Jahre zurückreicht, einem Zeitpunkt, an dem die heutige Besetzung erstmals allein als Genesis auftritt. Jedes einzelne dieser Alben wird weltweit wenigstens acht Millionen Mal abgesetzt, mit dem 78er Album schwenkt die Band endgültig und ganz offensichtlich bewusst hin zu einem Stil, der als mainstreamtauglich bezeichnet werden kann.
Zuvor gibt es eine Art Zwischenphase, an der Hackett beteiligt ist, der sehr wohl die Bezeichnung „Progressive Rock“ zugebilligt und die durch Collins am Mikrofon bestimmt wird: „Wind And Wuthering“ (1977) und „A Trick Of The Tail“ (1976) heißen die Studioproduktionen jener Jahre. Mit dem Sänger Gabriel geht es zurück in die produktivste Zeit der Band, nicht zu vergleichen mit den unregelmäßigen, teil schleppenden Veröffentlichungen der Folgezeit. Von 1974 bis 1969 schafft es Genesis, in jedem Jahr den noch etwas kleinen Reigen der Fans zu beglücken. „The Lamb Lies Down On Broadway“ (1974) erzählt die Geschichte eines puertoricanischen Punkers in New York, „Selling England By The Pound“ (1973) gilt vielen als Höhepunkt des symphonischen Schaffens der Band. Einige Monate zuvor erscheint „Foxtrott“ mit dem Lied „Supper´s Ready“, ebenso wie „Harold The Barrel“ auf „Nursery Cryme“ (1971) ein guter Anspieltipp für alle, die endlich mal wissen wollen, was das nun ist, dieses Progressive Rock. „Nursery Cryme“ ist gleichzeitig der Einstieg von Phil Collins in die Band, dem Schmusesänger, dem bis zu dem heutigen Tag von vielen passionierten Schlagzeugern die Treue gehalten wird, weil er sich immer wieder erlaubt, auch in (für ungeübte Ohren) trägen Schnulzen kleine Schmankerl für seine Freunde einzubauen.
Die Wurzeln der Band reichen bis in die frühen 60er zurück, als an einer Privatschule in der englischen Kleinstadt Godalming zunächst Peter Gabriel und Tony Banks, später Mike Rutherford, Anthony Phillips, ein weiterer Gitarrist und der Schlagzeuger Chris Stewart eine Urversion der Band gründen. 1967 geht es erstmals ins Studio, die erste Single folgt im Jahr darauf und 1969 das Debüt „From Genesis To Revelation“, das, ein Popmusikscheibchen, völlig untergeht. Die Geschichte von Genesis, der Progressive Rock-Band beginnt 1971 mit „Trespass“ und die wird nicht wiederholt, geht auch nicht. Wer als Hörer heute neu einsteigen will, der muss entweder viel Geld mitbringen oder sich beim illegalen Musiktausch schwer strafbar machen. Da es inzwischen wesentlich besserer Bands gibt, die mit ähnlichen Konzepten zu Werke gehen, bleibt die Musik dieser Phase vermutlich den Kassettendecks in teuren Oldtimers vorbehalten; zumindest bis zu dem Tag der ersten wirklich kompletten CD-Box in einem erschwinglichen Rahmen … Genesis TOP NEWSGenesis - Abschied von Esther und DanielGenesis - Neue CommunityGenesis - Ich Tarzan, Du Jane>> Alle News zu Genesis Genesis Fotogalerie![]() CD Reviews von Genesis findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von Genesis bietet lyrix.at |
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