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Genrelexikon


HipHop


Die wichtigste Hiphop-Szene der Welt ist die von Leipzig (Sächsische Schule). Eigentlich erfindet sich Hiphop genau hier von ganz alleine. Der Ruf nach Freiheit eilt von hier aus nach Berlin, wo sich verschiedene Styles entwickeln (Westberlin und Eastberlin), die sich aufgrund der musikalischen Ansätzen weniger untertscheiden als in der inhaltlich-textlichen Motivation. In Westberlin ist Hiphop Lebensgefühl, in Ostberlin ist es der Neid darauf. (Das sieht man an einseitig bemalten Mauern). Eißfeldt liegt bei Bitterfeld. Es gibt aber auch Leute, die die Geschichte anders erzählen. Und zwar so:


Hiphop Geografie

Es heißt, er sei inspiriert vom Toasting jamaikanischer Dub-Djs, die wiederum mit Toasting das Zuprosten der englischen Imperialisten verballhornen. Ähnlich wie auf Jamaika die Soundsystems finden in den 70er Jahren Block Parties in New York statt. Kool DJ Herc (Clive Campbell), geborener Jamaikaner, in New York aufgewachsen, ist einer der frühen Gastgeber solcher Parties auf der Straße oder in Abbruchhäusern und eine Säule der Hiphop-Kultur.

Gewöhnlich läuft das in den Popgeschichten der letzten Jahrzehnte ja folgendermaßen: in den USA erfindet sich eine Szene selbst, das erfährt dann jemand in England, der wiederum in den USA mit der Musik dieser Szene zum Superstar wird. Nicht so in der Hiphop-Kultur, dem Mainstream der Jugend, der sich so unglaublich stark lokal färbt. Hiphop macht zunächst eine Blitzkarriere innerhalb der USA, um dann weltweit zum Standard eines Teiles der Jugend zu werden.


Hiphop Galaxie

Zunächst ist Hiphop Ausdruck eines politischen Statements. Die New Yorker machen es vor: genau die Leute, die keine Stimme haben, denen die Journalisten eben nicht zuprosten, stellen sich ein Mikrofon vor das Haus, stellen ein paar Boxen auf, nehmen die Plattensammlung vom Nachbarn und den Nachbarn auch und quatschen dann die Straße so dermaßen voll, dass es zum Zuhören zwingt. Es entsteht eine ganze Kultur des Andersseins: es wird komisch akrobatisch und individuell getanzt, die Mauern der Häuser werden bunt gesprüht und es entwickelt sich eine komplett eigene Ästhetik.

Schnell geht die Sache um die Erde. Es werden Filme gedreht, das Ghetto wird cool, in good old Germany gibt es erste Breakdancer, Skater und Rapper. Die Jungs hinter den Plattentellern erarbeiten sich mit der Zeit überragende Fingerfertigkeiten und eine neue Galaxie rhythmischer und klanglicher Erfahrungen öffnet sich den meist jugendlichen Zuhörern. Hiphop ist auch hier häufig Kultur derjenigen, die sich ausgestoßen fühlen (müssen), Migranten, die nie migriert sind, dabei bleibt es allerdings nicht.

Im Funk und Soul gestartet, übt Hiphop seinen eigenen Einfluss auf die elektronische Musik, es gibt spezielle Drumsequenzen, Kooperationen mit anderen Musikgenres, Falco/" target="_self">Falco rappt den Kommissar, Hiphop kann hoch politisch, banal oder einfach nur dreckig. Die amerikanische Westküste gebiert das bekannteste Beispiel für dreckig: den Gangsta Rap.

Die 90er Jahre sind die Zeit, in der Hiphop sich weltweit durchsetzt. Innerhalb der USA führt ein – zunächst vor allem medialer – Kampf verschiedener Hiphop-Gruppierungen im Osten und Westen des Kontinents zu ersten legendären Toten, Hiphop hat mit Tupac Shakur und Notorious B.I.G. seine ersten Märtyrer, was zu einer Reihe gerappter Balladen und posthumer Zusammenarbeiten führt.

International bekannte Hiphop-Szenen gibt es in Frankreich – und auch die Engländer mausern sich langsam mit recht eigenwilligen Interpreten zu einer ernstzunehmenden Hiphop-Nation. In Deutschland ist es Torch (Frederik Hahn) aus Heidelberg, der auf die Idee kommt, deutschsprachig zu rappen – und zwar bereits in den 80er Jahren. In den 90er Jahren gelingt es schließlich sehr unterschiedlichen Interpreten, sogar die Charts in Deutschland aus Deutschland heraus mit Hiphop zu erobern. Dabei sind die Schmuserapper aus Rödelheim, die Kasper „Fanta 4“ aus Stuttgart und eine Reihe von Hamburgern. Populären Ghetto-Hiphop gibt es seit den späten 90er Jahren aus der neuen alten Bundeshauptstadt Berlin, mit dem kompletten Bierernst, der dazugehört.


Hiphop Geräte

Für ordentlichen Hiphop benötigt man eigentlich nur ein ordentliches Organ und zwei Plattenteller (klassisch) – natürlich auch ein paar Platten, die möglichst auch kaputtgehen dürfen. Da es zwei Plattenteller sind und ein Mikrofon, sollten es mindestens zwei Leute sein, denn niemand hat drei Hände.


Hiphop Götter

Die wichtigsten Namen der Zunft sind in der Frühzeit Grandmaster Flash, Cool DJ Herc und Afrika Bambaataa, der – und das ehrt ihn besonders – bereits früh auf Torch aufmerksam wird.


Hiphop Gegenwart und Zukunft

Eine Kultur! Eine Kultur! Hiphop ist eine komplette Kultur! Und zwar die einzige, die weltweit die Vatis um den Schlaf bringt. Keine Sorge, weiter so!


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