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James Brown - Star Porträt


Was für ein Kerl. Der Musiker James Brown sucht, was Einfluss, Sendeweite und Größe (generell) angeht, im 20. Jahrhundert seinesgleichen, das Leben des Musikers ist einfach unglaublich. James Brown begeht Fehler, die weder in Hollywood noch in Babelsberg glaubhaft in irgendein moralisches Korsett gezwängt werden könnten, durchschreitet Täler, die tiefer sind als die irgendeines anderen Musikers und ist in seinen großen Momenten schillernder, größer, überragender als jeder andere – egal ob „at the Apollo“, als Leiter seiner Band, einer sensationellen Ansammlung von Musikern, vorm „Rumble in the Jungle“, als Prediger im Film oder bei der Grammy-Verleihung wenige Monate vor seinem Tod, bei der er den jungen Usher mal eben als Tänzer vernascht.

 

In die Popmusikexpertengeschichte hat sich James Brown ebenfalls eingebrannt, er ist der Godfather of Soul, aber auch eigentlich of Funk, of R&B, of Rock und eine wichtige Inspiration für viele Hip-Hop-Produzenten. James Joseph Brown, Jr. kommt 1933 in einem kleinen Ort in South Carolina zur Welt. Das allerdings macht die Geschichte wundervoll verfilmbar: er kommt von ganz, ganz unten, noch nicht einmal in einem richtigen Haus zur Welt, hat keine richtige Familie, gehört Kindergangs an, verdient sich als Schuhputzer und Tänzer in Bordellen und mit Diebstählen sein erstes Geld und erarbeitet sich prunkvollen Reichtum.

 

James Brown erschafft seine Rolle, seinen Platz in der Geschichte, selbst. Und sein Lebenswerk ist groß genug, um völlig widersprüchlich gelesen zu werden. Den einen ist er – politisch gesehen – ein reaktionärer Arsch, anderen ein wichtiger Poet der Black-Power-Bewegungen, anderen wiederum ist das musikalische Werk purer Sex, den er dann wiederum, etwa für Apollo Creed mit „Living In America“ in „Rocky IV“ zu einem der grandiosesten Beiträge der westlichen Seite im kalten Medienkrieg bündelt. An dieser Stelle, 1985, hat James Brown eins seiner Comebacks – drei Jahre später verprügelt er seine Frau, schießt auf sie und liefert sich dann eine Verfolgungsjagd mit der Polizei.

 

Für die Veröffentlichungsgeschichte des Musikers James Brown werden Musikinstitute eines Tages eigene Lehrstühle einrichten, so lang ist die. Die Betonung der Eins im Takt, das lernt jeder, der zu James Brown liest, geht auf ihn zurück, der Weg zum Funk, auch wenn derjenige keine Ahnung hat, was das nun wieder bedeutet. Vielleicht sollte man einfach nicht viel drüber erzählen, sondern empfehlen, reinzuhören oder noch besser zuzuschauen, wie dieser irgendwie wahnsinnig wirkende Musiker sich, die Musik, seine Bewegungen und den Text in Einklang und alles zusammen zur Explosion bringt. Zurück, noch mal zurück: James Brown wächst in so bitterer Armut auf, dass er bisweilen von der Schule nach Hause geschickt wird, weil er keine vernünftigen Klamotten am Leib hat und dass es für ihn ein sozialer Aufstieg ist, als er mit sechs Jahren zu seiner Tante in ein Bordell in Georgia geschickt wird.

 

James Brown – The Flames

 

Die Musikerkarriere James Browns (der zwar bereits einige Instrumente spielt, doch sich zunächst als Baseball-Pitcher, Boxer und Truppenunterhalter versucht) nimmt Fahrt auf, nachdem er von der Familie Bobby Byrds (mit dem schreibt er später „Sex Machine“) aus dem Jugendknast geholt wird. Er sitzt wegen Raubes ein, schindet als Sänger im Gospel-Chor Eindruck – Byrd sieht ihn dabei. Die Byrds und James Brown bilden zunächst eine Gospel-, dann eine Gesangsgruppe, die The Avons heißt, daraus wird eine Rhythm & Blues-Formation The Flames. Und The Flames haben 1956 mit „Please, Please, Please“ einen ersten kleinen Charthit.

 

Aus The Flames wird James Brown and The Famous Flames, die Gruppe nimmt 1957 die Termine der Tour von Little Richard wahr, der sich aus der Popmusik zurückzieht, um Prediger zu werden. Mit James Brown ziehen nun einige Musiker aus Little Richards Gruppe, „Try Me“ wird zum ersten ersten Platz in den R&B-Single-Charts 1958. Der endgültige Durchbruch gelingt James Brown, nachdem dieser die Aufnahmen zum Album „Live At The Apollo“ selbst finanziert. Auf seinem Weg zum Funk ziehen die Musikindustriellen nicht konsequent mit, der Musiker wird wiederholt zu Labelwechseln gezwungen, 1964 wird „Out Of Sight“ zum Hit, 1965 folgen „Papa´s Got A Brand New Bag“ (dafür gibt es einen Grammy-Award) und „I Got You (I Feel Good)“, 1996 „It´s A Man´s Man´s Man´s World“.

 

James Brown – Cold Sweat

 

Für einige Experten ist „Cold Sweat“ (1967) der erste richtige Funk-Hit überhaupt. James Brown erarbeitet sich zunehmend seinen unnachahmlich eigenen Gesangsstil, der einige Jahre später starken Einfluss auf den Hip-Hop ausüben wird, kombiniert Rock & Roll, Polyrhythmen, Bläsersektionen, Improvisation, scharfe Breaks, den so wichtigen Bass, löst allmählich das klassische Blues-Schema auf und reiht einen Hit an den nächsten. Michael Jackson schaut bei James Brown ganz genau hin und kaum jemand wird so oft gesampelt worden sein wie der Musiker bzw. seine Lieder. Legendär sind seine Fähigkeiten als Bandleader, immer wieder sucht er sich sensationelle Teams zusammen. Pee Wee Ellis, Maceo und Melvin Parker, Jimmy Nolen, Fred Wesley, Bernard Odum, Clyde Stubblefield und John Starks gehören zu seinen Männern, die zum Teil wesentlich in das Songwriting eingebunden sind.

 

Nebenbei wird James Brown selbst zum Medienunternehmer, führt Radiostationen und produziert in die Breite, veröffentlicht Arbeiten mit anderen Bands, Balladen, Weihnachtslieder oder Jazz-Standards.

 

James Brown – J.B.´s

 

Um 1970 verlassen die meisten Musiker unter James Brown das Ensemble, ein neues Team muss her. Die neue Band hinter dem Meister wird The J.B.´s genannt, eine Weile gehören die Collins-Brüder Bootsy und Catfish dazu, „Get Up (I Feel Like Being A) Sex Machine“, „Funky Drummer“ und „Super Bad“ entstehen, Polydor übernimmt, James Brown etabliert People Records als Sublabel, über das alte Weggefährten eigene Arbeiten veröffentlichen. 1973 produziert James Brown den Soundtrack zu „Black Caesar“, einem Blaxploitation-Film, im Jahr darauf geht es mit Muhammad Ali und George Foreman zum WM-Kampf nach Zaire. Aus den Mainstream-Charts verabschiedet sich James Brown in den 70ern allmählich. Manch einer vermutet, dass es an dem für nicht wenige Amerikaner unerträglichen Bekenntnis „Say It Loud – I´m Black And I´m Proud“ von 1968 liegt, wobei man sehen muss, dass der allmähliche Abstieg aus den Charts erst drei Jahre später beginnt und 1976 beendet ist.

 

Und in der Zeit etabliert sich Disco und James Brown versucht, mit der Zeit zu gehen; noch enscheidender ist, dass sich wichtige Musiker aus seinen Reihen Parliament bzw. Funkadelic anschließen. Er gehört zu einer Vielzahl alter Helden, die in den 80ern von den eigenen Anhängern ordentlich Prügel beziehen, weil sie sich verändern – gleichzeitig gelingen James Brown einige Auftritte, etwa bei den „Blues Brothers“, „Miami Vice“ oder eben „Rocky IV“, die sich unauslöschbar in das kollektive Gedächtnis der Menschheit einbrennen. Auch arbeitet er viel mit Hip-Hop-Säulen, -Elementen und -Meistern wie beispielsweise Afrika Bambaataa und wird dafür wiederum von den richtigen Leuten gelobt.

 

Nach seinem Knastaufenthalt in den späten 80ern verbringt James Brown die restliche Lebenszeit als Legende. Er bringt zwar einige Studioalben heraus, die muss man allerdings zwischen den Werkschauen suchen, tritt im Video von MC Hammer auf, auf Sportgroßveranstaltungen, bei Benefiz-Konzerten, Award-Verleihungen, wird für Dokumentarfilme porträtiert, spielt kleine Rollen in Filmen, nimmt einige Duetts auf (darunter „Vengeance“ für und mit Annie Lennox) und stirbt Ende 2006, kurz nachdem er beim Oxegen-Festival in Irland vor 80.000 Menschen aufgetreten und in die UK Music Hall of Fame aufgenommen worden ist.

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