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Jan Delay - Star Porträt


Jan Delay hat sich wirklich gemausert in den letzten Jahren. Einer von vielen, die in den 90ern in Deutschland eine recht eigenständige Variante des Hip-Hops etablieren, zumindest eine, die auf ein eigenes Selbstverständnis blickt, wird er, ein Wandler zwischen den Genrewelten, Hamburger Lokalpatriot, Verfechter eines recht elitären Bildes von guter Musik und semierfolgreicher Labelgründer zu einem der umtriebigen erfolgreichen Solokünstler der Republik, der sich vor politisch kontroversen Themenbesetzungen nicht scheut und trotzdem gehört wird, wenn man ihm auch allzu oft lauscht, ohne genau zuzuhören.

 

1976 als Jan Phillip Eißfeldt auf die Welt gekommen, versteht er das Jahrzehnt seiner Geburt und das seiner Kindheit als das, auf das sich musikalisch aufbauen, in dem sich neugierig stöbern lässt. Da gibt es diese Milieus, die nur äußerst unzureichend als Krautrock über das Knie gebrochen zusammengefasst werden, die Deutschrocker, deren Gemeinsamkeit vorwiegend die Erkenntnis ist, dass sich auf Deutsch rocken lässt, den Punk, der so schnell weg zu sein scheint und dann doch irgendwie bleibt, Reggae, dessen Rezeptionsgeschichte auch ganz ohne Deutschland funktioniert und der doch so wichtig für vieles ist, was in den 90ern passiert – und eben Hip-Hop.

 

Jan Delay ist etwa 10 Jahre alt, als ihn das Fernsehen näher über Run DMC informiert, der Junge wird Schlagzeuger, Plattensammler und beschnuppert in der Ruhmeshalle und daheim und auf der Straße alle Säulen der neuen Kultur. Ein ganz früher, gründet Eißfeldt mit ein paar anderen Kollegen die Absoluten Beginners, später nur noch Beginner. Das Label Buback in Hamburg nimmt sich der jungen Musiker an, 1993 wird eine erste EP veröffentlicht. Eizi Eiz, wie sich Eißfeldt nennt (er hat noch mehrere Dutzend weiterer Pseudonyme), der mit einer unnachahmlichen nasa – herrje – mit einer unnachahmlichen Stimme halt gesegnet ist, ist mit seinen Freunden bei den Guten gelandet, bei denen, die auf der richtigen Seite stehen, und so bleibt den Musikern nichts anderes übrig, als über Tellerränder zu schauen und Musik nicht nachzuahmen, sondern einfach zu machen – und so was wird mit einer La-Ola-Welle im Rat der Weisen (Spex) bejubelt.

 

Begeistert wird 1996 das Debütalbum „Flashnizm“ aufgenommen, Denyo, die zweite Berühmtheit der Formation, DJ Mad, die dritte, und Jan Delay gehen mit den Beginnern zu Universal Music – das ist seinerzeit keine Selbstverständlichkeit. „Bambule“ ist das Album, mit dem die Charts angegangen werden und weil man auch in Übersee hört, dass da was passiert in Hamburg, kommt irgendwer mit der Idee, das ganze noch mal mit großer Besetzung einzuspielen, worauf der Entschluss gefasst wird, genau das zu tun, allerdings in Eigenregie. Für „Boombule“ gibt es bereits jede Menge Verrückte, die mitmachen wollen, das Ergebnis ist ein phänomenales Remix-Album. Das beste. Jan Delay versucht sich als Produzent, und weil seine Entdeckung Samy Deluxe keinen anständigen Vertrag bekommt, gründet er Eimsbush Entertainment, ein Unternehmen, das den üblichen Geschäftsgepflogenheiten und –hierarchien zu trotzen sucht und 2003 eingestellt wird, weil solche Alternativen mächtige Kraftanstrengungen vieler erzwingen. Einer muss halt die Rechnungen abheften … Aber es entsteht was, und daher ist sehr bedauerlich, dass es ein Ende gibt. Die Mongo-Clikke, die Style-Liga, die Kollaborationen und Veröffentlichungen, die den Anschein erwecken, als gäbe es Musik neben der Musik für die Charts – all das fehlt an dieser Stelle nach Eimsbush.

 

Jan Delay – Irgendwie, irgendwo, irgendwann

 

Als Sänger und in den Charts, im offenen Cabriolet und auf der Veranda bei Kaffee und Kuchen tritt Jan Delay auf den Plan, nachdem er Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ in der ab diesem Zeitpunkt einzig gültigen Version eingesungen hat. Jan Delay hat der Öffentlichkeit ein neues Gesicht von sich gezeigt, mehrere unangenehme Teile der Öffentlichkeit zeigen sich interessiert, Jan Delay macht ein bisschen mit, schließt sich ein, gründet mit alten Wegbegleitern (darunter Matthias Arfmann) die Sam Ragga Band und betritt die Bühne erneut mit „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“, das ist das erste Lied aus dem Album „Searching For The Jan Soul Rebels“.

 

Anschließend ist wieder Zeit für die Beginner und „Blast Action Heroes“, DJ Mad, Denyo und Jan Delay erobern im Herbst 2003 die Spitze der deutschen Popcharts … Drei Jahre später, von denen er eineinhalb Jahre im Studio verbringt, wird „Mercedes-Dance“ veröffentlicht, das nächste Album von Jan Delay, seine Band heißt Disko No 1, immer wieder finden sich alte Bekannte in seinem Umfeld, Tropf etwa und Arfmann, gleichzeitig schmückt Eißfeldt aus, ergänzt und erfindet sich einmal mehr neu. Zu wenigen musikalischen Arbeiten aus Hamburg haben so sehr gut gepflegte Anzüge gepasst wie zu diesem, Funk ist die große Klammer, aber es steckt so viel mehr drin. Zum Beispiel Udo Lindenberg, Lieven Brunckhorst und irgendwie auch Rio Reiser.

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