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Juanes - Star Porträt


Juan Esteban Aristizábal Vásquez, besser bekannt als Juanes, ist ein kolumbianischer Schmusesänger, wenn man nicht genau hinhört, ein Latino-Rockmusiker für andere, die Musik generell nicht lieb haben, ein politischer Liedermacher vielleicht mit einem Hang zu einer gehörigen Portion Kitsch und einer Rockerattitüde? Ziemlich kompliziert, diese Sache … Juanes werden die Latin-Grammys im Dutzend hinterher geworfen, die Ehrungen, mit denen sich ihm die Feuilletonisten der Welt vor die Füße werfen, sind ungeheuerlich, da wird sogar – wir kennen das in Deutschland sehr gut – lobend erwähnt, dass es Juanes wagt, in seiner eigenen Sprache zu texten und zu singen.

 

Juanes hat es geschafft, innerhalb sehr kurzer Zeit mit den großen, alten, guten Männern der Popmusik wie Sting, Bono, Paul McCartney oder Bruce Springsteen verglichen zu werden, kleckern macht schließlich keinen Spaß und immerhin engagiert sich Juanes nicht nur energisch und erfolgreich für verschiedene wichtige Sachen, er füllt auch die Stadien in vielen Ländern und er verbindet das hohe Lob der Fachpresse mit Erfolg im Mainstream; ein seltene Eigenschaft.

 

„Mi Sangre“ ist die Organisation von Juanes, mit der er die noch in Kolumbien verstreuten Minen bekämpft bzw. ihre Streuer und mit der er den Opfern verschiedene Hilfen zukommen lässt. Steinmeier, eine Weile so ein dicker Onkel aus dem Auswärtigen Amt der BRD, hat Juanes einmal 200000 Euro zukommen lassen, nach einer Rede vor dem Europäischen Parlament sind ihm 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden, der Paul McCartney zeichnet ihn für sein Engagement bei United for Colombia aus, Juanes organisiert Benefizkonzerte in Los Angeles, wird vom kolumbianischen Präsidenten Uribe geehrt, er arbeitet mit dem UNHCR (das ist das Flüchtlingskommissariat der UN) zusammen, wirbt für das Rote Kreuz (mit diesem für Blutspenden), ist französischer Ritter (kein Scherz) und Botschafter von YouthAIDS.

 

Die musikalische Karriere von Juanes beginnt als Mitglied der kolumbianischen Hardrock-Formation Ekymosis, nach seinem Ausstieg zieht er nach Los Angeles, wo er 2000 sein Solodebüt „Fíjate Bien“ einspielt. Juanes bekommt gerade in den USA rasch große Aufmerksamkeit. Für die Latin Grammy Awards wird er gleich siebenfach nominiert, drei erhält er. 2002 folgt das zweite Album „Un Dia Normal“, mit dem er sich fast zwei Jahre in der Spitze der US-Charts hält. Fünf Singles werden dem Album erfolgreich entnommen, fünf Latin Grammy Awards verdient er sich 2003 redlich. Weitere, kaum weniger bedeutende Preise folgen (z.B. MTV Latin Awards).

 

Juanes spielt bereits in einer Liga mit den ganz Großen in Nordamerika, wenn es um den Publikumserfolg geht, allerdings wird er – vermutlich für alle Zeit – in der Latin-Sparte geführt, einer irgendwie dann doch bescheuerten Aufteilung; immerhin muss man sich fragen, was Dutzende Grammy-, MTV-, BMI-Awards wert sind, wenn die Juroren nicht genötigt sind, zwischen Juanes und denen zu wählen, die mit ihm in einer Liga spielen. Latin ist prima, keine Frage, nur eine komische Einordnung, irgendwie überflüssig, und der Schwergewichtsweltmeistergürtel, die 100-Meter-Krone, der große Pokal wird an den Gewinner des Solokünstler-Grammys vergeben (den Juanes so nicht erhalten kann).

 

„Mi Sangre“ ist das dritte Juanes-Album, kommt Ende 2004 auf den Markt und lässt den Musiker im Laufe des Jahres 2005 auch in Deutschland zum Superstar werden. Er schießt damit in fast allen spanischsprachigen Ländern an die Chart-Spitzen und, nachdem die Single „La Camisa Negra“ im Umlauf ist, auch in etlichen europäischen Ländern, darunter Frankreich, Österreich, Italien, Schweiz – und eben Deutschland. Juanes wird zu den edlen Events eingeladen. Die Auslosung der WM-Gruppen 2006 wird von ihm musikalische begleitet, er spielt bei der Nobelpreis-Verleihung. In 32 Ländern ist Juanes irgendwie an der Spitze irgendwelcher Charts, auch in Japan, einem wichtigen Markt, sahnt er ab. Die Fans schwören auf die Konzerte, die der Künstler reichlich gibt. Seine „Mi Sangre“-Tour etwa beginnt im Februar 2005 und endet im August 2006, geht durch 31 Länder und hat 170 Termine. Juanes füllt den Madison Square Garden und in Medellín, seiner Heimatstadt, feiern ihn 150000 Menschen. Das nächste Album ist „La Vida … Es Un Ratico“ und wird am 19. Oktober 2007 in 77 Ländern gleichzeitig veröffentlicht.

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