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Keane - Star Porträt


Keane Porträt

Grundsätzlich scheint zwei Sorten Rockbands zu geben: die Pimperer, die zuerst auf die Bühne springen und dabei beginnen, ihre Instrumente zu beherrschen, und die Professoren, denen man nach jahrelangem Training in Abgeschiedenheit erklären muss, dass es eine ganz gute Idee wäre, die erworbenen Fähigkeiten vor Publikum zu präsentieren. Keane gehört zur zweiten Gruppe. Etwa Mitte der 90er Jahre wird die Band (noch unter anderem Namen) von Dominic Scott, Richard Hughes und Tim Rice-Oxley gegründet. Die drei kommen vom Land, sind aber fast alle bereits im Studentenalter, als Herkunftsort der Band wird Battle angegeben, ein winziges Kaff an der Stelle, an der vor etwa 1000 Jahren die Schlacht von Hastings stattfand.

 

Die Jungs wollen covern, spielen U2 und Oasis, werden die ersten Rezensenten einige Jahre später allerdings überwiegend an Coldplay erinnern (das Piano, das Piano von Tim Rice-Oxley …Chris Martin höchstpersönlich soll ihn 1997 gebeten haben, bei Coldplay mitzumachen). Tom Chaplin stößt im selben Jahr als Sänger zur Gruppe, die ihren Namen Keane erhält, nach einem Auslandsjahr in Südafrika von Chaplin formiert sich Keane 1998 zu einem ersten Gig Mitte 1998. Bis zur Jahrtausendwende wird London bespielt.

 

„Call Me What You Like“, eine erste Single, wird 1999 noch ohne Labelunterstützung aufgenommen, diese und die folgenden Aufnahmen sind inzwischen Raritäten, von denen einige extrem hoch gehandelt werden. 2001 verlässt Dominic Scott die Band, er will lieber studieren, dabei war die Band gerade von James Sanger nach Frankreich geladen worden, um in seinem Studio einige Aufnahmen in Angriff zu nehmen. Ende 2002, wiederum mehr als ein Jahr später, wird Simon Williams von Fierce Panda Records auf Keane während eines Auftritts auf die Band aufmerksam. Und der arbeitet mit Keane, bis die Band irgendwann 2003 bei Island Records den ersten großen Vertrag unterzeichnet.

 

Keane – Hopes And Fears

 

Und ab da geht es eigentlich relativ flott. Die BBC prognostiziert in ihrem berühmten Sound of … Poll für das Jahr 2004, dass es Keane sein wird; also Keane ist die Band, der eine besonders große Zukunft prognostiziert wird. Einige kleine Veröffentlichungen haben die Musiker bereits über Fierce Panda auf dem Markt, darunter findet sich beispielsweise „This Is The Last Time“, die erste Island-Single „Somewhere Only We Know“ erobert dann Anfang 2004 gleich Platz drei der UK-Single-Charts. Im Mai wird das Debütalbum „Hopes And Fears“ nachgeschoben, ein legendäres Ding und eins von der Sorte, die auch noch kommerziell wahnsinnig erfolgreich ist. Keane geht auf Welttournee, steht auf dem ersten Platz der UK-Charts, wird in Frankreich verehrt und mit Ehrungen überhäuft.

 

Keane ist berühmt – und nutzt die Popularität gleich, um anderen zu helfen. Die Band unterstützt die internationale „Deine Stimme gegen Armut“-Aktion, warnt vor globaler Erwärmung, macht beim Live 8 mit und bei der War-Child-Organisation, auch beim „Do They Know It´s Christmas“-Remake sind Keane-Mitglieder zugegen.

 

Keane – Under The Iron Sea

 

Mitte 2005 beginnt die Arbeit am zweiten großen Album. Erneut produziert Andy Green mit der Band, erst im Juni 2006 wird „Under The Iron Sea“ veröffentlicht. Die Musiker sind schlau, setzen fort, was sie begonnen haben und verändern dabei so viel, dass ihnen nicht Stillstand unterstellt wird. Sie schaffen es, gleichzeitig ihre bereits gewonnenen Freunde vor eine Hörherausforderung zu stellen und neue Fans abzuholen, ohne die zu überfordern. Auch wenn sie kleinteiliger, vertrackter arbeiten, bewahren die Lieder von Keane ihre symphonische Größe. „Under The Iron Sea“ ist, was die Chartplatzierungen angeht, ein noch größerer Erfolg als das Debüt. Die deutschen Hörer heben das Album bis auf Platz drei der Charts.

 

Die folgende Tour verläuft nicht gerade reibungslos: Tom Chaplin beansprucht mehrere Auszeiten für sich, mindestens eine davon verbringt er in einer Klinik, die sich aufs Aufpäppeln drogenabhängiger Prominenter spezialisiert hat.

 

Keane – Perfect Symmetry

 

2008 schlagen die Perfektionisten von Keane erneut zu. Man produziert mit Jon Brion und Stuart Price (das ist der Typ von Zoot Woman, bei dem immer betont wird, dass er von Madonna angerufen wird, wenn die mal wieder ratlos ist). Keane hat erneut viel verändert, diesmal gehen viele Fans aber nicht mit. Sie können nicht. Andere halten „Perfect Symmetrie“ für einen folgerichtigen nächsten Schritt, aber über solche Schritte lässt sich immer streiten. In England haben die Fans offensichtlich mit der neuen Aufgeräumtheit und klinischen Klarheit (nennt man das Purismus?) weniger Problem als in Deutschland und Frankreich, wo viele von ihnen vom Keane-Zug springen. Stuart Price hat ganze Arbeit geleistet, das gilt auch für Jon Brion, der direkt davor mit Spoon und Kanye West produziert hat – im Ergebnis kann man Keane alles Mögliche vorwerfen, nicht aber Mutlosigkeit.

 

Und es dürfte nicht wenige Fans geben, die dem Album, das für 2010 angekündigt ist, mit einer Mischung aus Neugierde und Furcht entgegenblicken.



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