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Kool Savas - Star Porträt


Savaş Yurderi ist inzwischen einer der alten Hasen im deutschsprachigen Rapgeschäft. Für den um politische Korrektheit bemühten Teil der Öffentlichkeit macht er sich früh durch sexistische und antischwule Texte unmöglich, während er den Weg für all jene frei räumt, die ihre Popularität ebenfalls auf starken Brüchen des offiziell Gewünschten aufbauen. Seine eigentliche Leistung ist jedoch, so zumindest sehen es 2002 Hannes Löhr und Murat Güngör, die Autoren von „Fear Of A Kanakplanet“, dass er Grenzen einreißt, und zwar jene zwischen „Deutschrap“ und „Migrantenrap“, sein Erfolg beruht zu einem guten Teil darauf, dass er in recht getrennt voneinander existierenden Milieus populär wird. Um die Frage, wer der erste gewesen ist, wird immer gestritten, und so ist auch diese These diskutabel.

 

Sicher ist, dass der Typ macht, wozu er Lust hat, dass er sich nicht vom Hipsein verrückt machen lässt, genau wie es Fatih Akin sich und eigentlich auch ihm in einem Interview einmal empfohlen hat. Oft kooperiert er mit Leuten, mit denen er, sei es, weil sie auf der anderen Seite stehen oder einfach so nicht gehen, eigentlich nicht arbeiten sollte – und geht fast immer als Gewinner vom Platz. Er leitet ein erfolgreiches Unternehmen, was ihm, und da sind Teile der Hip-Hop-Gemeinde manchmal wirklich komisch, als Ausverkauf angelastet wird. Nicht nur ihm, selbstverständlich, auch ist er nicht mehr der schlimmste, schon klar, es erstaunt jedoch, und da sind wir wieder ganz bei Güngör und Löhr, dass es Kreise zwischen den ganzen Hip-Hop-Hörern gibt, die, einem erstaunlich reaktionären Duktus gehorchend, von den Rappern, die von unten kommen, nicht weniger verlangen, als unten zu bleiben.

 

Kool Savas kommt aus Aachen und lebt inzwischen in Heidelberg. Das dürfte nun wirklich für alle in Ordnung sein. Der Weg, den er von der Kaiserpfalz in die Stadt der ältesten Universität Deutschlands nimmt, ist ein verwegener. Wenige Monate nach seiner Geburt im Februar 1975 ziehen die Eltern mit ihm in die Türkei. Die Mutter geht mit dem kleinen Savaş zurück nach Aachen, nachdem der Vater verhaftet wird. Nach der Freilassung folgt seiner Familie und zieht mit ihr nach Kreuzberg. Hier gießt Kool Savas in den 90er Jahren das Fundament seiner Karriere, um dann der Liebe ins beschauliche Heidelberg zu folgen.

 

Ende der 80er beginnt SAV oder King Kool Savas oder KKS zu rappen. Ein Aufenthalt in Kalifornien gilt ihm als einschneidendes Erlebnis, zumindest erkennt er den Wert, in seiner eigenen Sprache zu schreiben. Vom Straßenkampf Comptons inspirierter, deutschsprachiger Battle-Rap muss für Aufsehen sorgen. 1996 gründet Kool Savas mit den Funkfüxen Fumanchu (Johannes Schroth) und Justus Jonas (Erik Keil), mit denen er die Pilgerreise in den tiefen Westen unternimmt, die Masters of Rap, seine Crew, die Ausgangspunkt für das ist, was heute als typisch Berliner Hip-Hop begriffen wird.

 

Kool Savas schlägt erst einmal ordentlich Schaum. Er legt sich mit allem an, was ihm in die Quere kommt, mag es asozial und setzt mit seinem Kompagnon Taktloss (Kingsly Defounga) als Westberlin-Maskulin Maßstäbe. Kool Savas arbeitet wie ein Outlaw, etablierte Hip-Hoppern erreichen schallende Ohrfeigen via Mixtape, lange dauert es, bis er mit eigenen Produkten am Markt vertreten ist. Er ist zwar bei „Put da needle to da record“, also einem Undergroundlabel der späten 90er, irgendwie featured er jedoch vornehmlich seine Kollegen. Im Jahr 2000 verabschiedet er sich mit dem „Track gegen Peter“ Sreckovic, das ist der Labelgründer. Seine dritte und die vierte Soloveröffentlichung, die EP „Warum rappst du?“ und „L.M.S./Schwule Rapper“ aus dem Jahr 2000 landen auf dem Index.

 

Kool Savas - Der beste Tag meines Lebens

 

Die Masters of Rap veröffentlichen 2001 ihr Crewdebüt, ein Album namens „N.L.P“, neurolinguistische Programmierung. Melbeatz (Melanie Wilhelm) ist bereits seit 1996 das wandelnde Technikverständnis im Team, die Queen of Beats produziert „N.L.P.“ Lange sind sie und Kool Savas ein Paar, musikalisch sind sie bis heute verbandet. Die EP „Haus + Boot“, im Juli 2001 auf dem Markt, ist ein Meilenstein in der Veröffentlichungsgeschichte des Kool Savas.

 

2002 ist ein entscheidendes Jahr für Kool Savas, der erste eigene Longplayer, „Der Beste Tag Meines Lebens“ kommt im November heraus, komplett produziert von seiner Crew seines frisch im Mai gegründeten Labels Optic Records – mit dem Nazar-Boncuk-Logo. Er hat Eko Fresh für sich entdeckt, Valezka ist dabei – und Melbeatz wird immer besser. Das Album geht bis auf Platz sechs der deutschen Charts, und damit verlässt der König der Crewproduktionen, indizierten Singles, dreckigen Features und Beleidigungen den Underground, wird vielen Zeitgenossen suspekt. Ein Nazar Boncuk wehrt den bösen Blick ab, der Meister hat vorgesorgt. 2003 verleiht ihm VIVA den Comet.

 

Der Output von Optic Records ist beachtlich. Kool Savas baut Caput auf, Soner Duman aus Iserlohn, Ercandize gehört zur Optic-Crew, ebenso Franky Kubrick und natürlich Melbeatz, inzwischen wird über die Optic-Youngstarz – vorwiegend aus dem familiären Umfeld der Familie Yurderi – Nachwuchsförderung betrieben. Eko Fresh und seine Freundin Valezka nehmen das erste Angebot eines großen Labels an, um mit Thomas Stein, dem Onkel neben Dieter Bohlen bei DSDS, Großes zu leisten; eine Kränkung, auf die Eko mit „Die Abrechnung“ noch einige Unverschämtheiten folgen lässt – worauf Kool Savas mit ungewöhnlicher Härte reagiert. In einem Video zu seiner Antwort „Das Urteil“, einem einzigen Fluch, beerdigt er ein Eko-Double und prophezeit ihm das Ende seiner Karriere nach dem kurzen Höheflug, den er erlebt.

 

Der Geschäftsmann Kool Savas, (auch Optic liegt in einem warmen Schoß), auch das ist nicht ganz unwichtig, positioniert sich in Zeiten des Kampfes gegen illegale Downloads nicht auf der Seite irgendwelcher Kämpfenden. Er hat erkannt, dass seine Klientel ihm eher seine Produkte abkauft, wenn er nicht verteufelt, was sie eh zu einem übergroßen Teil macht. So ist „Das Urteil“, sein nachhaltigster Erfolg, sogar zum freien Download freigegeben – zumindest das gewünschte Signal ist unzweideutig: ihm ist die Nachricht wichtig.

 

Kool Savas kollaboriert mit etlichen Kollegen, mit Lumidee, Samy Deluxe, mit dem es einige Zeit zuvor künstlerisch sehr fruchtbare Konflikte gibt, die nun in einem ungemein harmonischen Miteinander gemeinsam mit Melbeatz und mit dem Titel OK! münden, mit Moses Pelham, dem alten Mann aus Frankfurt, Cassandra Steen und Illmatic, mit letzterem 2003 bereits unter dem Namen Freunde der Sonne ein ganzes Album; die erfolgreichste Zusammenarbeit dürfte indes jene mit Azad aus dem Jahr 2005 sein. Die beiden bringen gemeinsam drei Singles in die Charts, „All 4 One“ ist einige Wochen in den deutschen Top 10, das Album „ONE“ landet auf Platz fünf.

 

Es folgen Mixtapes, „Die John Bello Story“, wieder mal eine extrem dreckige Geschichte, und „No Money No Problem“, zum kostenfreien Herunterladen offeriert. Im November 2007 erscheint das zweite Soloalbum des Rappers.



Kool Savas Fotogalerie

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