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Led Zeppelin - Star Porträt


Was war das für eine Aufregung Ende 2007, als Led Zeppelin, die legendäre Rockformation aus den 70er Jahren, sich für ein Benefizkonzert in London noch einmal zusammenschließt. 20 Millionen Menschen lassen sich online registrieren, weil nur so die 175 Euro teuren Karten zu erhalten sind. Server brechen zusammen, kaum ein Medium kann es sich leisten, nicht enthusiastisch über das Großereignis zu berichten. Wer es dennoch wagt, nicht zu frohlocken, muss mit der Wut der Anhänger rechnen. Ein schönes Beispiel hierfür ist der Artikel „Mutterschiff des Sexismus“ von Tobias Rapp am 10.12.2007 in der taz. Rapp wundert sich darüber, wie diese Senioren fast 30 Jahre nach dem Ende der Band zum wiederholten Mal aus der Versenkung auftauchen und wie eh und je „den Schwanz als Zentrum des Universums“ feiern können.

 

1,5 kleine Fehler im Text, und in den Leserkommentaren wird nicht nur auf den Autor eingedroschen, sondern auch gleich auf das Organ, für das er schreibt, alle anderen Musiker, die 68er, die Intellektuellen, die Kritiker und was sonst noch so im Weg zu stehen scheint. Eine Wonne! Es scheint eine Verkehrung der Verhältnisse zu sein. Liest man in den Geschichten über Led Zeppelin, erfährt man, dass an sich liberale Radioverantwortliche seinerzeit die Texte der Band ob ihrer Obszönitäten zu spielen weigern, christliche Organisationen satanische Botschaften in der mythologisch aufgeladenen Lyrik zu finden meinen, dem Sänger (Obacht, Rapp!) Robert Plant die Mitgliedschaft in einer obskuren Sekte nachgesagt wird …

 

Diesen Geschichten gegenüber steht Led Zeppelin selbst, eine Band, die sich einigen wichtigen Marktgesetzen nicht unterwirft und trotzdem so erfolgreich ist wie kaum eine andere. Die ersten (die wichtigen!) Alben sind schlicht durchnumeriert, die Lieder von Led Zeppelin haben zumeist Überlänge, sind von einer robusten Aggression bei gleichzeitiger Verspieltheit, der Tod des Schlagzeugers John Bonham im September 1980 markiert das Ende von Led Zeppelin – mit der ulkigen Begründung, es fände sich kein adäquater Ersatz, trennen sich die Musiker.

 

Geschichten, die von der Ablehnung Led Zeppelins handeln, stehen die Fans und unglaubliche Verkaufszahlen gegenüber. Manche sprechen von 200, andere von 300 Millionen Alben, die Led Zeppelin abgesetzt haben soll. Die Messen des 80er-Stadionrocks nimmt die Band in den 70ern bereits vorweg und zwar nicht in einer Art Basisversion, die Konzerte bleiben für nicht wenige Musikfreunde unerreichtes Ideal (wie die Led Zeppelin selbst nach 1980 ist auch das Bildmaterial rar). Einige Lieder von Led Zeppelin finden ihren Weg in die Pubertierenden-Folklore. Ungezählte Mädchen und Jungen haben sich in ihrer Verpuppung den Hits Led Zeppelins hingegeben, die wiederum heute Generationen übergreifend eine große Sehnsucht nach diesem einen Mal, diesem einen Gefühl auslösen.

 

Wenn nun viele der Zuschauer im Dezember von der Erfüllung eines Lebenstraums berichten und entrückt nach Hause schweben, ist ihnen dies ohne weiteres abzunehmen. Und wenn die Band plant, im Laufe des Jahres 2008 weitere Konzerte zu geben, wird Led Zeppelin noch wesentlich mehr Menschen sehr, sehr glücklich machen.

 

Yardbirds – New Yardbirds – lead zeppelin – Led Zeppelin

 

Grundsätzlich eine Hardrock-Formation, die sich allerdings nicht nur (wie oft) im Blues und Folk bedient, sondern immer wieder auf scheinbar genrefremde Elemente zurückgreift, entsteht Led Zeppelin auf den Ruinen der Yardbirds. Es ist die alte Band von Jeff Beck und Eric Clapton, der 1965 aussteigt und an dessen Stelle 1966 Jimmy Page tritt. Seit Anfang der 90er Jahre gibt es die Band um den Schlagzeuger Jim McCarty in einer neuen Anordnung wieder. 1968 lösen sich die Yardbirds auf, nachdem McCarty gemeinsam mit dem Sänger Keith Relf (stirbt 1976 durch den Stromschlag einer nicht geerdeten Gitarre) die Zusammenarbeit beendet. Jimmy Page sucht sich neue Leute. Und er will – das hat er damals betont, davon redet er noch heute – die besten Leute.

 

Zunächst fragt er den Yardbird-Bassisten Chris Dreja, der erst mitmacht, dann jedoch aussteigt. Jimmy Page lernt Robert Plant auf einem Konzert kennen, der Sänger aus West Bromwich spielt bis zu diesem Zeitpunkt in weniger bekannten Coverbands. Er bringt den Schlagzeuger John Bonham mit, dessen Erbrochenes bzw. Ersticken daran das Ende von Led Zeppelin bedeutet. Der Bassist John Paul Jones, ein Studiomusiker, wird von seiner Gattin dazu gedrängt, Jimmy Page nach der vakanten Bassisten-Position zu fragen.

 

Die ersten gemeinsamen Studioaufnahmen spielt Led Zeppelin, noch The New Yardbirds, für den Westerndarsteller und Singer-/Songwriter P.J. Proby. Die Band spielt eine Weile unter der neuen alten Flagge, bis sie sich in Led Zeppelin umbenennt. Lead Zeppelin bedeutet bleierner Zeppelin, aus Lead wird Led, um die Amis davon abzuhalten, lead wie leed auszusprechen.

 

Led Zeppelin für Atlantic Records

 

Ende 1968 greift Atlantic Records zu und nimmt die Band für ungeheuerliche 200000 $ unter Vertrag. Das Debütalbum „Led Zeppelin“ wird Gerüchten zufolge gerade einmal in 30 Stunden aufgenommen, im Januar 1969 ist es auf dem Markt. Im Nachhinein wird über solche Debütalben, die noch nicht repräsentativ für eine Band auf der Höhe ihres Leistungsvermögens sind, mehr geredet, als notwendig ist. Sowohl zuhause in England als auch in den USA springen immerhin hohe Chartplatzierungen heraus.

 

Mit „Whole Lotta Love“ steigt Led Zeppelin in der Popularität, zieht sich gleichzeitig allerdings aus der Fernsehöffentlichkeit zurück. „Led Zeppelin II“ (Oktober 1969) beinhaltet diesen ersten absoluten Klassiker der Band, mit „Heartbreaker“ noch einen zweiten; vielleicht ist es der hohen Produktivität Led Zeppelins in den wenigen Jahren der Band verschuldet, dass nicht mehr Lieder der jeweiligen Alben dem Weltkulturerbe zuzuschlagen sind – „Bring It On Home“, „Ramble On“ oder „Thank You“ hätten es sicher verdient.

 

Mit „Led Zeppelin III“ (Oktober 1970) steigern sich die Musiker noch einmal, der „Immigrant Song“ ist legendär, wieder handelt es sich um ein Album, das sich glänzend für Autofahrten eignet, „Led Zeppelin III“ ist mehr von Folkelementen bestimmt. Auf dem vierten Album von Led Zeppelin (November 1971) befinden sich schließlich „Rock and Roll“, „Black Dog“ und „Stairway To Heaven“. Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob die Band ähnlich populär wäre, wenn sie beharrlich weiterproduziert hätte, es folgt auch noch einiges, die Behauptung, dass Led Zeppelin mit diesem vierten Album die Essenz dessen, was heute die Begeisterung hält, bereits geschaffen hat, ist nicht besonders originell.

 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Led Zeppelin-Film „The Song Remains The Same“ (1976), die ersten Aufnahmen entstehen im Rahmen der Tour zum nächsten Album „House Of The Holy“ (März 1973). Die Band ändert Maßgebliches, die Alben bekommen richtige Namen, 1974 wird Swan Song Records, das eigene Label im Hause Atlantic Records, gegründet. Mit „Physical Graffiti“ feiert Led Zeppelin 1975 die vollkommene künstlerische Freiheit. „Kashmir“ wird etliche Jahre später von P. Diddy für den Godzilla-Soundtrack verarbeitet. Wir sind satt in der zweiten Hälfte der Bandgeschichte, die von Auftritten vor gigantischen Kulissen, dem Led Zeppelin-Film, exzessivem Drogenkonsum und einigen Schicksalsschlägen geprägt ist. 1980 ist Feierabend.

 

Punktuell kommt es immer wieder zu Zusammenschlüssen, etwa mit Phil Collins am Schlagzeug zum Live Aid oder 1988 ersetzt Jason seinen Vater John Bonham erstmals live, sobald Led Zeppelin sich meldet, sind die Hörer da. Das erleben wir 2008 …



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