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M.I.A. - Star Porträt


… und noch ´ne Popsensation: M.I.A. ist Mathangi „Maya“ Arulpragasam aus London, Tochter eines unter anderem von der Fatah im Libanon militärisch unterwiesenen tamilischen politischen Kämpfers? Aktivisten? Terroristen? Keine Ahnung, wir finden das authentisch, und Schwester der Schmuckdesignerin Kali Arulpragasam – M.I.A. ist 2005 in Europa eine Weile der neue große Superstar, ein bisschen zu wahnsinnig für die Charts und auf Dauer, aber das, was man gemeinhin als Gesamtkunstwerk bezeichnet, Dancehall, Hip-Hop, Popmusik, durchschossen von etwas, was wir mit Indien assoziieren. Hinzu kommt ein spektakulär zusammengestelltes Outfit, dazu passende Bilder auf Cover und als Kulisse, eine Karriere als Grafikerin. Fertig, wir sind verzückt.

 

Etwas zeitversetzt setzen Begeisterungsstürme in den USA ein, gipfelnd in einem spektakulären Auftritt der schwangeren M.I.A. bei irgendeiner großen Award-Verleihung Anfang 2009, und zwar gemeinsam mit der US-Hip-Hop-Elite der zwölf Monate zuvor, ausgenommen jene, die im Knast sitzen. Natürlich ist das komplette Scheiße, europäische Kritiker mögen so was nicht, M.I.A. gehört und wird großzügig verrissen, um ausgleichend herzlich von anderen bejubelt zu … M.I.A.s Kritiker sind in dem immerwährenden Kreislauf aus Jubel, Esalserstergesehenhaben, Esschonimmergewussthaben, JetztplötzlichenttäuschtseinundsichdiealteMIAzurückwünschen und wieder Jubel gefangen, wir wollen mitmachen.

 

M.I.A. wird am Central Saint Martins College of Art and Design in London ausgebildet, einer Hochschule, die bereits von PJ Harvey, Sade, Jarvis Cocker und Paul Simonon von The Clash besucht worden ist, mit ihren grafischen bzw. Graffiti-Arbeiten, bei der sie tamilische Straßenkunst mit Londoner Straßenszenen verknüpft, hat sie zu Beginn des neuen Jahrtausends und damit eine Weile vor ihrer musikalischen Karriere einigen Erfolg. M.I.A. arbeitet multidisziplinär, versucht, zum Film zu kommen, schneidert an einer eigenen Modelinie und entwirft das Cover für ein Album von Elastica.

 

M.I.A. – Arular

 

Für Elastica, die britische Popgruppe, wird sie, M.I.A. soll eine Dokumentation drehen, auf die US-Tour mitgenommen, lernt dabei Peaches kennen und darüber den Umgang mit dem Roland MC-505, das ist eine sogenannte Groovebox. Die Geschichte klingt wie erfunden, wer sich ein bisschen was über Legenden der elektronischen Tanzmusik anliest, stolpert unweigerlich über die Roland-Produktpalette, mit Elastica und Justine Frischmann lässt sich eine Verbindung zu Damon Albarn, eine Art Halbgott, herstellen, Peaches steht kurz vor ihrem großen Durchbruch (in erlauchten Kreisen) und M.I.A. stellt der musikalischen eine anderweitig künstlerische Karriere vorweg, gleichzeitig ist sie ein Typ, zu dem 80jährigen deutschen Schriftstellern, die sich in ihre Altersgeilheit flüchten, bestimmt eklige Sachen einfallen.

 

Jedenfalls ist M.I.A. von dieser elektronischen Liedmaschine ganz angetan und produziert ihre ersten Tracks. Elastica löst sich 2001 auf, es kann nicht viel später sein, als das sehr markante „Galang“, ihr „M.I.A.“ usw. in Rohfassung stehen. „Galang“ wird vom Label Showbiz Records in einer kleinen Vinylserie (ganz wichtig) 2003 erstmals veröffentlicht, das Lied findet sich schnell auf mehr Computern wieder als – aber das kennt ihr ja. M.I.A. unterschreibt einen Vertrag bei XL Recordings. DJ Diplo aus Philadelphia, ein Spezialist für Baile Funk aus Brasilien, gesellt sich zu einer Hand voll erlesener Produzenten, ebenso Steve Mackey, der Bassist von Pulp und Ross Orton, ein Kollege von ihm, Dave „Switch“ Taylor, dessen Karriere als unglaublich gefragter Remixer anschließend beginnt und Richard X.

 

„Arular“, das Album, wird im März 2005 veröffentlicht und M.I.A. begeistert aufgenommen. Es kommt nicht oft vor, dass eine Popsängerin vor Panzern, Zäunen und wie Blut fließender Farbe herumtanzt, „Arular“ ist ein unglaublich abwechslungsreiches, auch mit einigem Abstand kaum zu fassendes Ding.

 

M.I.A. – Kala

 

Die Arbeit an dem zweiten Studioalbum führt M.I.A. um die Erde. Sie arbeitet in Indien, in Nordamerika und in der Karibik, in Europa, in Japan und Australien. Das führt natürlich dazu, dass M.I.A. noch mehr von dem durcheinanderwirft, was wir nicht durcheinandergeworfen zu sehen gewohnt sind. Die Herren Switch und Diplo machen erneut mit, außerdem Timbaland, der es eigentlich gewohnt ist, Unruhe in eingeschlafene Strukturen zu bringen und in diesem Fall eher nivellierend, glättend wirkt – vielleicht war dafür auch ein anderer zuständig. Jedenfalls zeichnet sich „Arular“ gegenüber „Kala“ durch eine konsequente Absage dem entspannten Hörgenuss aus, bei „Kala“, nach der Mutter M.I.A.s benannt, muss man sich nicht zwangsläufig fragen, worum es geht. Dass M.I.A. Probleme hat, in die USA zu reisen, weil sie von Sicherheitskräften für eine terroristische Gefährdung gehalten wird und so ihre Weltproduktionsreise ausgerechnet beim Plan, mit Timbaland im Land der Freien zu arbeiten, stoppt, ist allerdings erwähnenswert, genauso, dass Jay-Z mit ihr arbeitet und M.I.A. auf dem Soundtrack von „Slumdog Millionaire“ vertreten ist – Fortsetzung muss folgen.

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M.I.A. Fotogalerie

fotostrecke
M.I.A. Bild 3770  M.I.A. Bild 3771  
2 Bilder



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