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Marianne Faithfull - Star PorträtEine unglaubliche Geschichte ist die von Marianne Faithfull, eine vielfältig aktive Künstlerin, bei der man den Eindruck haben kann, dass sie, wie viele ihrer Kollegen aus den 60er Jahren, nur die Sache mit den Drogen überstehen musste, um heute als Legende gehandelt zu werden. Es gehört natürlich mehr dazu. Marianne Faithfull brilliert als Musikerin und Schauspielerin, verschwindet zwar gelegentlich in Versenkungen, feiert dann aber unglaubliche Comebacks – und sie hat derart viele andere Legenden getroffen, begleitet und geliebt, dass man beim Verfassen eines Textes über sie Gefahr läuft, einfach Name an Name zu reihen.
Marianne Faithfull kommt aus Hampstead, entstammt einer Familie, wie man sie sich nur zusammengesetzt wünschen kann. Der Vater ist Militär und Psychologe, die Mutter entstammt dem Habsburger Adel, mit einer bürgerlich-jüdischen Linie. Die Mutter Eva Hermine von Sacher-Masoch ist Tänzerin, arbeitet unter Max Reinhardt und an Produktionen von Bertold Brecht und Kurt Weill. Leopold von Sacher-Masoch, Autor von „Venus Im Pelz“, ist ein Verwandter Marianne Faithfulls, die Venus ist ein in der Popkultur recht relevantes Erotikbüchlein, völlig harmlos, das in der jungen Bundesrepublik verboten wird.
Marianne Faithfull – As Tears Go By
Marianne Faithfull wächst in der Nähe von Liverpool und in Reading auf und wird an eine von Nonnen geleitete Mädchenschule geschickt. 1964 ist sie in London als Folksängerin unterwegs, lernt den Manager der Stones kennen, die ihr „As Tears Go By“ schreiben. Das Lied wird innerhalb weniger Monate sowohl von Marianne Faithfull veröffentlicht als auch von The Rolling Stones (als B-Seite von „19th Nervous Breakdown“), für letztere ist es eine ganz frühe Eigenkomposition und die erste populäre Ballade, Marianne Faithfull kann 1965 noch weitere Charterfolge nachlegen (schreibt „Sister Morphine“ und revanchiert sich damit bei den Stones). Sie heiratet John Dunbar, führt Beziehungen mit Mick Jagger, Brian Jones und Anita Pallenberg, die wiederum mit Keith Richards eine Beziehung – das ist alles herrlich kompliziert. Und das ist die Sache mit den Namen, die mühelos fortgesetzt werden könnte. Ihre inspirierende Wirkung auf das Werk der Rolling Stones gilt als belegt, Marianne Faithfulls Drogenkonsum ist vielfach thematisiert worden, nach etlichen Veröffentlichungen bis 1969 passiert ihr etwas, was ausschließlich Frauen in einer solchen Situation passiert: ihr wird 1970 die Tochter abgenommen.
Seit Mitte der 60er Jahre ist Marianne Faithfull regelmäßig als Schauspielerin tätig, in der ersten Hälfte der 70er Jahre fast ausschließlich. Sie spielt für Jean-Luc Godard und Kenneth Anger, an der Seite von Orson Welles und Anthony Hopkins, tritt in „The Rolling Stones Rock and Roll Circus“ auf und tritt, eine Ausnahme, neben David Bowie 1973 in einer NBC-Sendung auf, um „I Got You Babe“ zu singen. Marianne Faithfull lebt Mitte der 70er Jahre in besetzten Häusern, soll sich die Stimme ruiniert haben, ist an den Wurzeln der britischen Punkzeit aktiv – durch einige Medien geistert die Behauptung, Marianne Faithfull sei es gewesen, die Jim Morrison den goldenen Schuss … kurz: heute macht das Amy Winehouse. Ein Unterschied: es entstehen in jenen Jahren mehrere Produktionen, die auch für besessene Sammler schwer zu bekommen sind.
Marianne Faithfull – Broken English
Das erste große Comeback hat Marianne Faithfull mit „Broken English“. Das Album wird im Oktober 1979 veröffentlicht und passt in die Zeit. Man kann „Broken English“ noch heute gut hören, Marianne Faithfulls Stimme passt zum düsteren, gebrochenen Grundtenor des Albums, die Musikerin covert „The Ballad Of Lucy Jordan“ von Shel Silverstein (Platz fünf in den deutschen Charts), „Working Class Hero“ von John Lennon und kombiniert New Wave mit Reggae-Elementen für „Why´d Ya Do It“ (Text von Heathcote Williams); so was ist superpopulär seinerzeit. Marianne Faithfull ist für eine Weile zurück. Der Gitarrist Barry Reynolds und Steve Winwood arbeiten an ihrer Seite, nach tollen Charterfolgen in Skandinavien, Mitteleuropa, Großbritannien, Kanada und Australien legt Marianne Faithfull 1981 „Dangerous Acquaintances“ nach.
Während sich die Arbeiten zwar nicht überragend, doch recht anständig verkaufen (das gilt auch noch für „A Child´s Adventure“ von 1983), ist die Musikerin weiterhin schwer drogenabhängig, erst 1985 beendet sie ihre Heroinkarriere. Im selben Jahr ist sie auf einem Kurt-Weill-Tribut-Album, produziert von Hal Willner, zu hören, und Willner ist es auch, der mit ihr an ihrem nächsten Soloalbum „Strange Weather“ arbeitet, das 1987 veröffentlicht wird und Howard Tose gewidmet wird, einer kurzen Liebe, die sich 1985 das Leben genommen hat. „Strange Weather“ ist zeitlos, getragen, Marianne Faithfull ist in diesem Fall mal Jazz-, mal Bluessängerin, meist beides, singt unter anderem Lieder von Lead Belly, Sid Feller, Bob Dylan, Dr. John, Tom Waits und spielt die schönste Version von „As Tears Go By“ ein.
Marianne Faithfull – Before The Poison
Marianne Faithfull nimmt im Sommer 1990 an der Aufführung von „The Wall“ von Roger Waters in Berlin teil, „Blazing Away“ wird im selben Jahr als eine Art autobiografisches Album von Faithfull und einigen Weggefährten in Brooklyn eingespielt. Sie arbeitet mit Weill/Brecht-Liedern, und beginnt in den frühen 90ern, wieder verstärkt in Kinofilmen mitzuspielen. 1994 beispielsweise ist sie als Bev in „Shopping“ zu sehen, Jude Law hat seine erste große Rolle, sie tritt bei den Salzburger Festspielen auf, bis 2007 spielt sie noch in „Intimicy“ (2001), „Paris, je t´aime“ (2006), „Marie Antoinette“ (2006) und „Irina Palm“ (2006) mit.
In den 90ern entstehen noch weitere Alben, Marianne Faithfull hat 1996 sogar einen richtig großen Hit mit Metallica (andersrum ist es richtiger), man kann trotzdem behaupten, dass sie um die Jahrtausendwende wiederentdeckt wird. 1999 wird die DVD „Dreaming My Dreams“ veröffentlicht, eine hübsche Dokumentation, bekommt man inzwischen hinterher geworfen. Bei all den Rückblicken sollte nicht unterschlagen werden, dass nun die gelungensten Werke von Marianne Faithfull entstehen. Das beginnt mit „Vagabond Ways”, der Kanadier Daniel Lanois ist der Produzent, Faithfull covert Leonard Cohen (das hätte sie öfter machen sollen), Elton John und Bernie Taupin steuern ein Lied bei, Roger Waters macht mit, ebenso mal wieder alte Weggefährten …
… im Februar 2004 erscheint „Kissin´ Time“, Marianne Faithfull versammelt Billy Corgan, Beck, Dave Stewart, Blur, Pulp und etliche andere um sich, für das unglaubliche Album „Before The Poison“, das Anfang 2005 veröffentlicht wird, arbeitet sie erneut mit Damon Albarn zusammen, interessanter ist noch die Beteiligung von PJ Harvey und Nick Cave und 2008 gibt es dann „Easy Come, Easy Go“ – gemeinsam mit Jarvis Cocker, Antony Hegarty, Cat Power, Keith Richards, Rufus Wainwright, Nick Cave unter anderem covert sie auf zwei CDs Werke ganz unterschiedlicher berühmter Kollegen. Marianne Faithfull Fotogalerie![]() CD Reviews von Marianne Faithfull findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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