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Massive Attack - Star Porträt


Bristol. Trip-Hop. Massive Attack. Das weiß jeder. Robert Del Naja (3D), Grantley Marshall (Daddy G) und Andrew Vowles (Mushroom) gründen 1988 Massive Attack und sind bereits in den Jahren zuvor in The Wild Bunch aktiv, einem Soundsystem, einem mit vielen Musikgenres werkelnden Künstlerkollektiv, mit dem eine verblüffende Vielzahl heute noch bekannter Musiker arbeitet (Tricky und Nellee Hooper, im weiteren Umfeld Portishead zum Beispiel). Etwa zeitgleich mit Massive Attack (zur Urformation gehört Tricky) wird Smith & Mighty gegründet.

 

Massive Attack produziert eine erste, die Ursingle 1988 mit „Any Love“, 1990 folgen die Single „Daydreaming“ und ein Vertrag mit Virgin Records. Horace Andy ist an „Daydreaming“ beteiligt – wie auch an weiteren Tracks des Debütalbums. Bevor das dem Markt zugeführt wird, erscheinen im Februar 1991 „Unfinished Sympathy“ mit Shara Nelson, damit der große frühe Track, den jede Gruppe von der Bedeutung Massive Attacks haben muss, und im Mai „Safe From Harm“, ebenfalls mit Shara Nelson. Für die an Gitarrenmusik geschulten Ignoranten, die seinerzeit überwiegend noch die Deutungshoheit über das haben, was sie gute Musik nennen, ist es nicht leicht, sich von den eigenen Dogmen zu lösen. Das, was ihnen da mal wieder aus Großbritannien zufliegt, können sie, wenn sie superblind sind, nehmen wir einmal die Lieder, die Massive Attack mit Shara Nelson einspielt, von dem kaum unterscheiden, was sie bereits aus den deutschen Charts kennen. Einige Jahre später, nachdem Portishead mit im Spiel ist, wird Massive Attack zur Trip-Hop-Gruppe, sogar zur bedeutenden Vertreterin des Genres und es passiert etwas, was unseres Wissens nach noch nicht zu Genüge untersucht ist: viele Alternative-Indie-Gitarrenmusikhörer schließen ausgerechnet dieses Genre in ihr Herz.

 

Massive Attack – Blue Lines

 

Egal. Im Juni 1991 wird „Blue Lines“ veröffentlicht, das unglaubliche erste Album, das sich bis heute prima zu verkaufen scheint, damals allerdings in seiner Bedeutung nicht ganz erkannt wird. Jedenfalls muss man das sagen, wenn man glaubt, dass sich so was in Chartplatzierungen widerspiegelt – und Zeitgenossen, also Leute, die sich damals schon mit Musik beschäftigen, erzählen gerne davon, dass Massive Attack eine dieser Gruppen ist, die man über viele Jahre hinweg immer wieder neu entdecken kann, zu denen es ganz besonders viele Fans gibt, die Trends angeschoben haben wollen. Noch im Buch „High Fidelity“ von Nick Hornby (1995) und – noch schlimmer – im Film mit John Cusack 2000 wird Massive Attack als Geheimtipp angepriesen.

 

Erste Vorbotin des nächsten Albums ist im Oktober 2004 „Sly“, eine Single, Nicolette singt, ihre Stimme ist geradezu musterhaft das, was man in jenen Jahren aus Bristol hört. „Protection“, das Album aus dem September 1994, gilt nicht wenigen Musikweisen als eines der besten Musikalben auf irgendwelchen Plätzen und in irgendwelchen Listen. „Protection“ ist gut, „Karmacoma“ und der Titeltrack bleiben unvergessen, besser ist noch die Bearbeitung des Albums durch Mad Professor als „No Protection“.

 

Massive Attack – Mezzanine

 

Wer allerdings das Meisterwerk von Massive Attack sucht, kommt an „Mezzanine“ nicht vorbei. Da reden die richtigen Musikhörer schon nicht mehr von Trip-Hop, ein drittes Album ist nur äußerst selten das entscheidende Werk und das Album mit den besten Chartplatzierungen kann eigentlich nicht das entscheidende Werk einer Musikgruppe sein. Trotzdem sei dem neugierigen Hörer „Mezzanine“ ans Herz gelegt, auch wenn das Album 1999 für fünf BRIT-Awards nominiert wird. Im selben Jahr steigt Andrew „Mushroom“ Vowles aus, er will mehr Hip-Hop im Trip-Hop.

 

Zu vernachlässigen ist „100th Window“, das Album von 2003. Mit Sinéad O´Connor ist diesmal immerhin eine richtig berühmte Gastsängerin dabei, es ist das Werk von Robert „3D“ Del Naja und des Produzenten Neil Davidge, Grantley „Daddy G“ Marshall zieht sich ein wenig zurück, um bei seiner Familie zu sein. Für „Danny The Dog“, einen Film, in dem Jet Li 2005 andeuten darf, was er schauspielerisch leisten kann, produziert Massive Attack den Soundtrack, dem weitere folgen. Anfang 2009 soll es das fünfte Studioalbum geben, Arbeitstitel ist „Weather Underground“.



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