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Mika - Star Porträt
Am 20. Februar 2008 wird Mika bei den Brit Awards als bester Newcomer des Jahres 2007 ausgezeichnet. Der Preis geht an einen merkwürdigen Popinterpreten, einen, der irgendetwas Überdrehtes aus den 70ern und 80ern spielt, ein Kosmopolit, einer, der zwischen vielen Stühlen sitzend großen Erfolg hat und in jedem Fall geht der Preis an den Richtigen.
Mika sieht aus wie der perfekte Popstar, er ist schön, viel makelloser als die ganzen Legenden, mit denen er oft verglichen wird (etwa Freddie Mercury). Seine Stimme ist gewaltig, reicht über einige Oktaven, Mika kann zielsicher quieken. Strenge Kritiker hat er reichlich, den einen ist er zu schwul, den anderen nicht geoutet genug. Mika muss lange nach einem Label für seine Musik suchen, weil kaum einer dem überdrehten, gleichzeitig allerdings geleckten Popwahnsinn traut. Er bastelt seine Musik selbst, gibt den Außenseiter, Mika könnte auch für Miezekatze stehen. Mika ist irgendwie weder dem Mainstream zuzurechnen, noch irgendwas anderem. Zu wichtig ist ihm die aufgeregt weiter getragene Melodie.
Während er in den etablierten Strukturen – als Star – kein Fuß auf den Boden bekommt, steigert sich die Prominenz Mikas durch das ominöse Internet. Zumindest für den Erfolg in den USA gilt der Blogger Perez Hilton als ein wichtiger Förderer. Hilton ist so etwas wie ein Freibeuter in den Weiten des Trashs, einer, der jeden Celebrity-Schwachsinn entert und vorbildlich für sich zu verwerten vermag. Darüber ist er selbst zu so etwas wie ein Celebrity geworden, seine Meinung hat – auch dank des ganzen Ärgers, den er sich eingehandelt hat – Gewicht.
Das alles führt ein wenig zu weit ab vom Pfad Mikas, dem wir Unrecht täten, legten wird ausgerechnet bei ihm den Fokus zu stark auf die Vermarktung und Männer im Hintergrund. Mika ist ein Einzelgänger, wenigsten lassen das Interviews vermuten, in denen er unangemessen zurückhaltend und schüchtern zu wirken pflegt, auch die offiziellen Kurzbios, selbst seine Texte bestätigen das. Musikalisch ist Mika ein Draufgänger, wie dicht er am Rand des für ihn Möglichen entlang schippert, hört man bei vielen der Medleys, die er inzwischen begeisternd gesungen hat, bei denen seine Stimme und Konzentration extrem gefordert sind. Es sind auch nicht die leichtesten Stücke, die er wählt, Mika beherrscht zwar das Generöse klarer Linien britischen Pops, geht dann wiederum waghalsige Nummern ein. So erinnert er immer wieder stark an Mercury – und haut dem dann mitunter sogar ab. Für seinen zu Beginn größten Hit, „Grace Kelly“, bedient er sich bei „Figaros Hochzeit“.
Michael Holbrook Penniman kommt 1983 in Beirut zur Welt. Die Mutter ist Libanesin, der Vater ein amerikanischer Bankier. Da sich das Land im Krieg befindet, zieht die Familie – Mika hat mehrere Geschwister – nach Paris um, wo sie bis Anfang der 90er Jahre lebt. Hier soll der Pianist erste Lieder zu komponieren begonnen haben, inspiriert von Nirvana. Ein Entführungsfall veranlasst die Pennimans, nach England überzusiedeln, Mika besucht hier das Lycée Français Charles de Gaulle, eine Privatschule für die Elite, kommt jedoch nicht zurecht.
Mika hat Schwierigkeiten, sich zu integrieren, er geht, heute ein Klappspaten, durch eine Moppelphase, ist Legastheniker, mit 11 Jahren hat er einen Zusammenbruch und rettet sich in die Musik. Mika erhält professionellen, russischen Gesangsunterricht, ganz offensichtlich sind die Eltern bereit, ihm das nötige Rüstzeug für die Karriere mitzugeben. Seinen Künstlernamen „Mika“ legt er sich zu; eigentlich angetreten, etwas „Vernünftiges“ zu studieren, schreibt er sich recht spontan am Royal College of Music ein, eine gute Zeit, wie er heute betont, er arbeitet zwischen zum Teil wesentlich talentierteren Leuten und wird ernst genommen.
Früh bereits verdient er Geld mit seiner Stimme, singt Werbejingles und hat sogar kleine Opernauftritte. Während der Studienzeit lebt er nicht mehr im elterlichen Heim, zeitweise zieht Mika durch die USA, er arbeitet akribisch an seinen Liedern, spielt auf Partys. Erste Scouts werden auf ihn aufmerksam. Die Verständigung mit den dienstbaren Geistern der Musikindustrie ist offensichtlich nicht einfach, „Grace Kelly“ ist Mikas wunderbar ätzende Kritik an den Versuchen anderer, ihn marktgerecht zu verbiegen. Genauso lässt es sich als Schilderung des Teils seiner Persönlichkeit lesen, die in der Kindheit durch mehrere Länder geschleift wurde oder als einfache Antwort auf die immer wiederkehrende Frage nach seiner „sexuellen Orientierung“.
Es ist, typisch für eine derart verworrene Geschichte, ausgerechnet ein Majorlabel, das ihm freie Hand gibt. Universal setzt ein I-Tüpfelchen auf die Schwierigkeiten, die man mit Mika hat, wenn man die straighten, einfachen Geschichten liebt, die mit den alten Feindbildern. Ihn kann man nämlich auch sehr gut überhaupt nicht mögen. Wer eine herzliche Abneigung gegen die quietschbunte, von Bildern überladene Disko der 70er hegt, der ist bei Mika falsch. Auch sein Falsett kann nicht jedermanns Sache sein. Für ihn gibt es bisher kein Stammpublikum, keines, dem man Mika als die Zukunft und vielleicht Wichsvorlage verkaufen kann, er arbeitet permanent mit Übertreibungen, karikiert die Stile, die er nutzt, fast schon aggressiv – und das macht den Erfolg des Musikers so wunderbar.
Mika - Life in Cartoon Motion
2006 erscheint in England die spätere Single „Relax, Take It Easy“ als limitierte 7“ Vinyl und zum Download natürlich; eine Kombination, die heute Kennzeichen für den ambitionierten Newcomer ist, einige würden sagen, für die Indies. Im September 2006 ist er erstmals in der BBC zu hören, im folgenden Januar wird er von BBC-News in der jährlichen Vorschau oben auf die Liste der potentiellen Newcomer gesetzt. Von den Engländern kann man sich in Sachen Nachwuchsförderung eine Menge abschauen.
„Grace Kelly” erscheint im Januar 2007, landet in England direkt auf Platz eins der Charts, Mika schiebt Anfang Februar das Debüt „Life in Cartoon Motion“ nach. Das in Los Angeles produzierte Album verblüfft durch die hohe Anzahl tauglicher Singleauskopplungen – und Mika kann nahezu das komplette Album mehrfach auf den Markt werfen. Von elf Tracks landen allein vier in England in den Top 10: „Grace Kelly“, „Love Today“, „Big Girl (You Are Beautiful)” und „Happy Ending”. In französischen Talkshows parliert er gewandt, schwingt sich an den Flügel und begeistert die Menschen – so oder so ähnlich schlägt er in etlichen Ländern ein.
Im März 2007 ist er mit Amy Winehouse in Deutschland unterwegs, etwas später kommt er erneut für eigene Konzerte nach Berlin und München. Im Sommer geht es für Mika in die USA und nach Kanada. Aus der Verleihung der World Music Awards 2007 geht er als großer Sieger hervor, er wird als „Best-Selling New Artist“, „Best-Selling Male Pop/Rock Artist“ und „Best-Selling British Artist“ ausgezeichnet, alles Preise, bei denen einige der Qualitätswächter unter den Kritikern die Nase rümpfen.
Am Ende des unglaublichen Jahres schmeißt Mika mit der DVD „Live in Cartoon Motion“ das verfügbare Bildmaterial vor die Füße. Im Februar 2008 erhält er die Preise, die wichtig sind: die Brit Awards. Das Schönste an dem Abend jedoch ist seine überwältigende Performance und dabei dieser viel zu kurze Moment, in dem Beth Ditto, die allergrößte Sängerin zurzeit, zu ihm auf die Bühne kommt und sich die Stimmen der beiden, die nie zueinander passen dürften, zu einem Orkan vereinen. Mika TOP NEWSMika - Tour im März 2010Mika - The Boy Who Knew Too MuchMika - We Are GoldenMika - Songs For SorrowMika - Stalker>> Alle News zu Mika Mika Fotogalerie![]() CD Reviews von Mika findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von Mika bietet lyrix.at
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