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Nirvana - Star PorträtDer Kurt Cobain von Nirvana ist für die, die seinerzeit Grungegedöns hören, sicher der große Tote der 90er Jahre – es gibt natürlich reichlich weitere gute Vorschläge, genauso wie es Leute gibt, die bis heute nicht gerafft haben, was das damals überhaupt gewesen ist mit Grunge und Nirvana und der ganzen Aufregung. Denen wird auch hier nicht geholfen, wir können eine kleine Gedächtnisstütze für all die bieten, die Nirvana und Grunge schlicht nicht mehr oder noch nicht auf dem Schirm haben. Die gibt es nämlich reichlich.
Im Grunde ist die Geschichte von Nirvana in der Popmusik ein ziemlich kurzer Spuk. Ab 1990 spielt die Gruppe in der Besetzung, in der sie weltberühmt wird, im April 1994 erschießt sich Kurt Cobain und beendet die Angelegenheit damit. Man kann es Krist Novoselić und Dave Grohl, den beiden entscheidenden anderen Protagonisten, zugute halten, dass sie nicht irgendeine lächerliche Fortsetzungsnummer starten, sogar auf eine weitere Zusammenarbeit verzichten, obwohl sie – das bekunden beide heute – durchaus Lust dazu gehabt hätten. Sie wären nie aus der Nummer herausgekommen, vielleicht hätte es ohne Kurt Cobain, an dem sich ein Großteil des Hypes in jener Zeit manifestiert, auch schlicht nicht funktioniert. Der stirbt nicht nur in einem Alter, in dem nur die allergrößten Musiker den Löffel abgeben – er hat an den entscheidenden Stellen Duftmarken hinterlassen.
Die Aufregung um seine Person, das Merchandising, das künstlerische Oeuvre sorgen für einen gewaltigen ökonomischen Wert, der Nirvana bis heute ausmacht, seine Gattin Courtney Love beschäftigt viele Jahre lang den journalistischen Boulevard, Grunge ist nicht allein ein musikalischer Weg, er prägt eine Weile die Mode einer Szene, eine Lebenshaltung sogar (was auch immer für eine), über Kurt Cobain werden von durchaus etablierten Filmemachern Filme gedreht, posthum werden wichtige Arbeiten veröffentlicht, William S. Borroughs, der berühmte alte Dichter, kollaboriert mit Kurt – und der rotzt Axl Rose bei den MTV Music Awards aufs Klavier. Für wenige Jahre müssen Freunde alternativer Rockmusik den Eindruck haben, dass die Charts Nordamerikas und Europas nicht allein den Arschgeigen vorbehalten sind. Natürlich ist das Musikfernsehen nicht ganz unbeteiligt an der ganzen Geschichte und Nirvana wird von einem ziemlich großen Label ...
Nirvana – Bleach
Sieben Jahre sind nicht gerade viel, machen wir es kurz: Cobain hat eine Kindheit, die mustergültig sein könnte für einen, der aus Millionen pubertierender Teenies eine enthusiastische Fangemeinde formt. Reichlich Ritalin, eine elterliche Scheidung, familiäre Unglücksfälle und Umzüge hinter sich landet er in den 80ern in Seattle, der Stadt, in der sich bereits eine große alternative Musikszene entwickelt. Denn auch das ist typisch für mediale Hypes: sie kommen nur äußerst selten aus dem Nichts, Kurt Cobain, der seine Gitarre und musikalische Begeisterung bereits viele Jahre mit sich herumschleppt, landet am richtigen Ort, lernt die Melvins kennen, über die Krist Novoselić, der ist Bassist, mit dem arbeitet er an ersten Nirvana-Songs, gründet verschiedene Bands – Novoselić zieht eine Weile weg, kommt dann aber wieder zurück und eine Urformation von Nirvana steht, als der Schlagzeuger Aaron Burckhard zu den beiden stößt.
Zwei abschließend zu erwähnende, aber ungemein wichtige Vorraussetzungen für eine legendäre Band: es gibt ein (fast) vergessenes Mitglied, eins, das aussteigt, bevor die Band richtig berühmt wird. Und das ist im Fall Nirvana Aaron Burckhard, die Medienmehrheit nimmt Nirvana ausschließlich in der Besetzung mit dem großen Schlagzeuger Dave Grohl wahr (der später die Foo Fighters gründet, dort nicht hinterm Schlagzeug sitzt, immer dann jedoch, wenn er für irgendeine Studioarbeit zu seiner eigentlichen Profession zurückkehrt, Unglaubliches leistet). Zur zweiten Vorraussetzung: eine wirklich große Band muss die Musikhörer bedienen, die das Musikhören als Wissenschaft betreiben und die die Band zuallererst entdeckt haben müssen, möglichst noch bevor die Band überhaupt weiß, dass sie existiert – an einem Scheideweg, während die Musiker abgebrannt eigentlich mit ganz anderen Sachen beschäftigt sind, gut eignet sich ein Debütalbum, eines, das wesentlich besser ist als das, mit dem die Band letztendlich superberühmt wird und in den Mainstream einbricht.
Nirvana kann so ein Album vorweisen, in Seattle gibt es das Label Sub Pop (das seit der Compilation „Sub Pop 100“ 1986 auch in einschlägigen Kreisen Europas bekannt ist), Burckhard ist bereits ausgestiegen, Cobain und Novoselić spielen mit dem Produzenten Jack Endino und dem Schlagzeuger Dale Crover von den Melvins, teilweise auch mit Chad Channing, der eine Weile offizieller Trommler ist, zur Jahreswende 1988/89 „Bleach“ ein, ein – ehrlich gesagt – großartiges wie sperriges Ding. Die Indiefraktion Europas steigt nach der Veröffentlichung im Sommer 1989 relativ rasch ein, in den USA sind dafür College-Radios zuständig. Channing steigt aus, Dan Peters (Mudhoney) kurzzeitig ein – im selben Jahr (1990) wird Dave Grohl Nirvana zugespielt.
Nirvana – Nevermind
Nirvana füllt bereits recht große Säle, die Band unterschreibt bei Geffen Records (seinerzeit Warner Music Group), tourt durch Europa und veröffentlicht im Herbst 1991 „Nevermind“, das zweite Album mit dem schwimmenden Baby auf dem Cover, „Smells Like Teen Spirit“, der Single, und dem Video dazu. Von da an stimmt vieles nicht mehr, es lässt sich nicht mehr ganz so einfach auf Charts und Majors schimpfen (lässt es sich natürlich trotzdem), die Musiker sind Popstars, zerstören fleißig Bühnenequipment und Studioeinrichtungen, und vor allen Dingen Cobain gibt äußerst plausibel den drogenabhängigen, alles verachtenden Künstler. Ende 1992 wird, weil sich kaum einer Hoffnung macht, dass sich der Musiker noch einmal in einen Zustand überführen lässt, in dem es ihm möglich sein würde, irgendwie kreativ zu sein, „Incesticide“ veröffentlicht – Resteessen, aber sehr lecker.
Nevermind – In Utero
Der Produzent Steve Albini wird kurz darauf angefragt, er soll sein Meisterstück mit Nirvana einspielen, ab Februar 1993 geht es erneut ins Studio. „In Utero“ wird zur abschließenden Studioarbeit Nirvanas und im September 1993 veröffentlicht – und wer es gut mit Nirvana meint, der hält den Musikern zugute, dass sie eine kluge Fortsetzung ihrer Arbeit finden, während sie gleichzeitig keine gut brauchbare Single für die Fernsehstationen und die Charts bieten, obwohl man bei MTV in jener Zeit vermutlich alles als großen neuen Hit verkauft hätte. Nirvana nutzt – bewusst oder unbewusst – eine winzigkleine Nische. Eher unbewusst vermutlich, der Gitarrist Pat Smear wird zum vierten Mitglied, Kurt Cobain packt das einfach nicht mehr allein, im November 1993 gibt die Band ihr MTV-Unplugged-Konzert, sicher eines der schönsten dieser Reihe.
Kurt Cobain droht erst, sich umzubringen, dann macht er es auch. Eine allerletzte, äußerst wichtige Bedingung für eine große Popmusikgeschichte: die Verschwörung, die das Ende begleitet. Im Gegensatz zu Elvis Presley ist Kurt Cobain unzweifelhaft tot, dafür gibt es einige feine Mordtheorien – und der Teil der Asche, den Courtney nicht an wichtigen Orten verstreut hat, wird im Mai 2008 als gestohlen gemeldet. Nirvana TOP NEWSNirvana - BleachNirvana - Streit um Gedenktafel in AberdeenNirvana - Cobain vor 15 Jahren gestorben>> Alle News zu Nirvana Nirvana Fotogalerie![]() CD Reviews von Nirvana findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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