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No Angels - Star Porträt


Die strong>No Angels sind das Ergebnis der ersten Popstars-Staffel, einer Fernseh-Casting-Show, bei der es um die Zusammensetzung einer erfolgreichen Girlgroup nach den üblichen Boy- und Girlgroup-Mustern der 90er Jahre geht. Die Show wird vom Misstrauen der Sittenwächter begleitet, von der Häme der Musikkritiker, in erster Linie jedoch von einer wachsenden Anzahl glühender Verehrer der Sängerinnen. Das Endergebnis, die No Angels, sind durch ihren großen Erfolg maßgebend Vorbild und Ziel einer unübersichtlichen Anzahl ähnlicher Konzepte im deutschsprachigen Fernsehen.

 

Der Name No Angels mag ungeschickt gewählt sein, kommt etwas bemüht flott daher, das Sängerinnen-Quintett scheitert nach großen Kassenerfolgen an der Unmöglichkeit, das Image, mit dem die Entstehung der Gruppe No Angels verbunden ist, irgendwann einmal abzulegen. Es kommt nicht raus aus der Schublade und kann sich nicht von dem unglaublich schlechten wie unglaublich beliebten ersten Hit lösen.

 

Erst die Reunion 2007, zu der sich vier der fünf ehemaligen Mitglieder zusammenfinden, stimmt die Kritik milder. Irgendwie scheint die künstlerische Eigenständigkeit in Verbindung mit dem Erfolg und dem Hype, der natürlich nicht mehr derselbe wie vor einigen Jahren ist, möglich zu sein. Sicher liegt das auch daran, dass man inzwischen sehen konnte, was für schlechte Acts bei solchen Castingshows noch vom Teller rutschen können – außerdem ist 2007 ohnehin das Jahr großer Comebacks. Die No Angels sind lange die erfolgreichste Girlgroup Kontinentaleuropas – und im Vergleich zu ihrem ungleich erfolgreicheren Pendant von der Insel, den Spice Girls, die ebenfalls eine Reunion in Angriff nehmen, die deutlich bessere Wahl.

 

Veranstaltung

 

Es ist natürlich der viel gescholtene, misstrauisch beäugte und verlachte Sender RTL II, der das neuseeländische TV-Programm einkauft und – wie auch Big Brother – zu einem gigantischen Erfolg macht. Etwa 4500 junge Frauen beteiligen sich im Jahr 2000 an den ersten Castings. Der gesamte Verlauf der Show spielt sich bereits in der ersten Staffel genau so ab, wie wir ihn auch heute kennen. Es gibt Gesangs- und Tanzlehrer, 32 Teilnehmerinnen fliegen zu einem Workshop (nach Spanien), es gibt Aufgaben, die den Musikerinnen ein hohes Maß an Eigenständigkeit abverlangen, das sie – so könnte man meinen – als Plastikstars und Befehlsempfänger eigentlich gar nicht benötigen, allerdings auch den allseits bekannten Drill. Die drei Jurymitglieder (Simone Angel, Rainer Moslener und Mario M. Mendrzycki) liefern eine recht gute Arbeit ab, misst man sie an den Zahlen. Sie werden in der Folge nicht mehr für die Show gebucht, dafür avanciert der Tanzlehrer und Choreograf Detlef Soost mit seinem fordernden Stil und dem weichen Herz bis heute zu einem der großen Stars dieses TV-Formats.

 

„Du bist mein Traum“ ist das Motto der Show, etwas phantasielos gewählt, ähnlich wie der Bandname, der von den Zuschauern offiziell gewählt werden darf, da allerdings bereits feststeht – und das erste No Angels Lied „Daylight“.

 

Gewinnerinnen

 

Die Jury entscheidet sich für Nadja Benaissa, Ludmila „Lucy“ Diakowska, Jessica Martina Wahls, Vanessa Anneliese Petruo und Sandy Mölling. Die Frankfurterin Nadja Benaissa ist die Jüngste der Gruppe. Sie hat die wärmste Stimme, sieht am besten aus – trotzdem ist die Entscheidung, sie zu wählen, mutig, da sie Mutter einer 1999 geborenen Tochter ist. Das mag der Grund dafür sein, dass sie – anders als ihre Kolleginnen – nach dem vorläufigen Ende der No Angels ihre anhaltende Popularität nicht sofort für den Versuch einer Solokarriere nutzt. Sie singt bei den Sisters Keepers mit, versucht sich als Schauspielerin und unterschreibt erst 2005 einen Vertrag bei Universal und veröffentlicht 2006 ihr Debüt „Schritt für Schritt“. Dieses kraxelt – wie auch ihre Singles – irgendwo in den Top-100 herum, allerdings verbucht sie immer wieder publikumswirksame Erfolge, etwa eine Nominierung für die 1LIVE-Krone, die Teilnahme am Bundesvision Song Contest von Stefan Raab und mit dem Premieretitel zur Fußball-WM 2006.

 

Lucy ist gebürtige Bulgarin und die Granddame der No Angels . Jahrgang 1976 ist sie satte sechs Jahre älter als Nadja und eine Bank während der Show. Sie stammt aus einer erfolgreichen Musikerfamilie und kommt zum Casting, während sie in Hamburg noch eine Musicalausbildung absolviert. Lucy hat nach dem Ende der No Angels die vielleicht größte Präsenz auf dem Bildschirm, ist in vielen Fernsehproduktionen zu sehen, gründet ein Label, liefert den Titelsong zu einem Kinofilm und ist selbst Jurorin bei Shibuya auf Viva.

 

Sandy aus Wuppertal ist vor dem Casting Jeansverkäuferin in Koblenz. Sie veröffentlicht nach 2003 zwei Alben, fünf Singles, wird von der Zeitschrift Maxim zur Frau des Jahres 2004 gekürt, spielt in zwei Filmen mit, erhält eine Echo-Nominierung, ist in vielen Shows zu sehen und mehrfach auch als Jurorin tätig – zum Beispiel bei der vierten Popstars-Staffel, aus der Nu Pagadi hervorgeht, um direkt abzuschmieren. Wenn nicht Lucy das Rennen um die längste Sendezeit gewinnt, dann ist es Sandy.

 

Jessica hat einen dramatischen Einstieg in die No Angels. Der Entschluss, der Gruppe beizutreten, ist zeitgleich der Verzicht auf die Abschlussprüfung ihrer Berufsausbildung. Sie ist die Geri Halliwell der Popformation, steigt bereits ein Jahr vor dem Ende der No Angels aus und leitet es somit ein. Allerdings sind es bei ihr weniger Sologelüste, die sie dazu bewegen, vielmehr ist es ihre Schwangerschaft, die sie dazu zwingt. Wie alle Mitglieder von No Angels kann auch sie auf eine Vielzahl von Fernsehengagements zurückblicken. Ihre Solokarriere beginnt bereits im Jahr der offiziellen Trennung der No Angels, geht allerdings nicht über eine Hand voll Singles hinaus.

 

Vanessa ist die Einzige, die es 2007 nicht zu den No Angels zurückzieht. Die Berlinerin legt viel Wert auf ihre Selbständigkeit auch als Songschreiberin. Zeitweilig im Filmgeschäft tätig, scheint ihre Musikerinnentätigkeit nicht wie erwünscht zu verlaufen. Mehrfach trennt sie sich von ihren Labels, ihr Album „Mama Lilla Would“ schafft es nicht einmal in die TOP 100. Lobenswert ist gerade deshalb ihr Entschluss, nicht in den schützenden Schoß der Gruppe zurückzukehren – und stattdessen an einem zweiten Album zu arbeiten. Schade ist ihr Fehlen für die No Angels Fans sicherlich, da sie mit „Something About Us“ einen der einprägsamsten Stücke der No Angels mitgeschrieben hat.

 

No Angels Alben

 

Die No Angels landen in der kurzen Zeit ihres Bestehens vier Nummer-1-Hits, von den vier No Angels Alben erobern drei den ersten Platz, fünf Millionen Alben werden verkauft. Lediglich das von Till Brönner produzierte Swingalbum bleibt auf Platz neun hängen, was anbetracht des Mutes und der Musik beachtlich bleibt. Der komische Roger Cicero kommt diesbezüglich einfach zu spät – und erntet die Lorbeeren. Zwischen 2001 und 2003 erhalten die No Angels so ziemlich jede Auszeichnung, die man im Popgeschäft in Deutschland erhalten kann. Wenn man sich die No Angels Alben im Nachhinein anhört, fällt auf, wie groß das Bemühen war, sich von dem Image, das hierzulande ein Castingprodukt nun einmal hat, zu lösen. Der Kampf muss kräftezehrend und zeitraubend gewesen sein – und erst heute, mit der eigenständigen Entscheidung noch einmal zusammenzukommen, sind die Kritiker milder gestimmt. Wesentlich milder. Das liegt sicherlich an den Castingprodukten, die nach den No Angels entstanden sind. „Daylight“ hat damals wirklich wehgetan, ist heute längst verziehen. „There Must Be An Angel“ allerdings niemals.

 

No Angels - Goodbye To Yesterday

 

Das No Angels Album „Destiny“ kündigt sich mit dem hoffnungsfroh vorgetragenen Titel „Goodbye To Yesterday“ an. Es macht Spaß, die No Angels singen zu hören – und gerade in den durch den Wolf gedrehten Versionen gibt es einige Sachen, die im Vollrausch richtig Spaß machen können. „Destiny“ erreicht Platz vier der deutschen Charts. Ist das jetzt gut genug um weiterzumachen? Man wird sehen.



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