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Oasis - Star Porträt


Oasis Porträt

Das muss man den jungen Leuten heute bereits erklären. Oasis ist eine Gruppe, die eine Weile ausschließlich mit den großen, mit den ganz, ganz Großen der britischen Popmusikgeschichte verglichen werden. Sie gelten als die Retter der Gitarrenmusik, die Ritter, die den Kampf des Guten gegen die elektronische Musik und den Hip-Hop für sich entscheiden; und wahrscheinlich ist der Erfolg der Gruppe in den 90er Jahren letztendlich nicht unwesentlich dafür verantwortlich, dass Rock bzw. Rockpop im neuen Jahrtausend so stark in den britischen Charts vertreten ist, dass ihre Kinder sich zu immer neuen Gruppen formieren und bisher kein Ende in Sicht ist.

 

Andere behaupten, mit der Band, bzw. mit ihrem Ende, einem ihrer vielen Enden, eigentlich dem Ende von The Verve, sei die Popmusik generell an ihr Ende gelangt … denen, diesen Anderen, muss man allerdings keine Beachtung schenken. Auch nicht Oasis. Oasis sind Noel und Liam Gallagher, seitdem sie nur noch pro forma als Oasis existieren, weil mal jemand gesagt hat, sie seien so oder noch besser als irgendwer, hauen sie sich eigentlich nur noch auf die Schnauze. Das machen sie seit Anbeginn ihres gemeinsamen Weges, die zahnlosen unter den Hornbrillenträgern können bei so viel Authentizität und Arbeiterklassenfeeling kaum mehr stillsitzen, irgendwann sind die Konzertabbrüche, die sich ständig wiederholenden, öffentlich ausgetragenen Konflikte und die anderen Eskapaden nur mehr langweiliges Ritual.

 

Dafür ist die Geschichte der Band spannend, die Personen sind es eigentlich auch, der Einfluss ist nicht zu unterschätzen und der Erfolg ist atemberaubend. Liam Gallagher, Jahrgang 1972, ist ein arbeitsloser Schulabbrecher, jüngster von drei Söhnen einer irischen Familie in Manchester. Er ist Fan von Manchester City, hat eine große Schnauze und scheint ein furchtloser Mensch zu sein, immerhin soll er einmal Éric Cantona in einer Waschstraße nass gespritzt haben. Ein geeigneter Frontmann für eine Band, die keinen hat. The Rain ist so eine Band, Paul Arthurs (Gitarre), Paul McGuigan (Bass) und Tony McCaroll (Schlagzeug) haben gerade ihren Sänger Chris Hutton gefeuert und fragen bei Liam an. Der entpuppt sich als begnadeter Sänger.

 

Sein Bruder kehrt 1991 von einer Tour mit Inspiral Carpets heim, für die er, unter seiner Würde, als Techniker mitfahren darf und sieht den Jüngsten der Familie erstaunt bei dessen neuer Berufung zu. Noel, der schon einige eigene Songs in der Tasche hat, übernimmt die Kontrolle über die Gruppe und benennt sie um: die Geburt von Oasis.

 

Oasis tourt durch Clubs in Großbritannien. Bei einem Auftritt in Glasgow 1993 wird der Label-Gründer Alan McGee (Creation Records) auf die Band aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. Viel wird davon geschrieben, dass sich eine Rivalität zwischen Blur und Oasis um die Krone des Britpop entspinnt, diese Rivalität ist jedoch, obwohl sicherlich durch die Musiker befeuert, eine Konstruktion. Die Krone ist mit der ersten Single von Oasis vergeben. Dem würde Noel Gallagher widersprechen: für ihn ist Oasis nicht Teil eines Britpop-Hypes, der schließlich endet, sondern wird mit Britpoppern verglichen, weil sein und deren Erfolg zufällig in dieselbe Zeit fällt. Oasis jedoch ist für die Ewigkeit. Trotzdem kündigt er alle paar Monate an, auszusteigen.

 

Oasis - Definitely Maybe

 

Der Single „Supersonic“ wird im Sommer 1994 das Album „Definitely Maybe“ hinterhergeschickt. Der Veröffentlichung geht diese besondere Form eines stillen Hypes voraus, den es regelmäßig gibt, der jedoch selten wirklich Großes verheißt. Die Fachpresse schwenkt von mutigen, eigenwilligen Rezensionen in einen recht monotonen Gleichklang ein, die Konzerte werden voller, Tapes werden herumgereicht, auf „Supersonic“ folgt noch vor der Debütveröffentlichung die Single „Shakermaker“, kurz darauf mit „Live Forever“ die erste Top-10-Single in England.

 

Mit Freude nehmen die Gallaghers jeden Steilpass auf. Die elenden Beatles-Vergleiche stammen letztendlich wahrscheinlich von ihnen selbst, in jedem Album stecken überdeutlich Referenzen, die Klatschpresse übernimmt, nachdem Noel erstmals mit dem Ausstieg droht, Sony mit dem eigens hierfür gegründeten Label Helter Skelter die internationale Vermarktung. Das Album bricht Verkaufsrekorde, in England eine sichere Nummer 1, steigt es in Deutschland immerhin bis auf Platz 33.

 

Oasis - (What´s The Story) Morning Glory?

 

Belohnt mit den ersten NME- und Brit Awards, bringt Oasis noch 1995 das nächste Album heraus – der „weltweite“ Durchbruch. Immerhin weite Teile Europas und Nordamerikas scheinen plötzlich besessen von Britpop. Plötzlich kaufen die Amis wieder britische Musik und die beliebten zweiten Radioprogramme des öffentlich-rechtlichen Gemeinwesens entdecken „Wanderwall“, „Don´t Look Back In Anger“ und zu allem Überfluss die Repeat-Funktion der frisch eingeführten CD-Spieler.

 

Noel wird als ewiger Miesepeter verachtet, die Eskapaden der Brüder erinnern an gute alte Zeiten, eigentlich ist alles in bester Ordnung. Da macht es auch nichts, dass Oasis direkt mit dem zweiten Album jede Unbändigkeit und Unbezähmbarkeit missen lässt. Das ist der Preis für den Thron.

 

Wie stabil der steht, merkt man daran, dass zwar der Jubel der Kritiker nachlässt, nicht aber die Verkaufszahlen sinken. Die Nerds sind gelangweilt, die Fans bekommen genau das, was sie sich wünschen. Mit Alan White ist inzwischen ein neuer Schlagzeuger an Bord, der genau wie die eigentlichen Gründungsväter der Gruppe keine nennenswerte Rolle spielt. Johnny Depp versucht sich an der Gitarre („Fade In-Out“), spielt auch keine Rolle. 1998 werden die „B-Sides“ als „The Masterplan“ an den Mann gebracht, ein besseres Best-Of-Album von der Sorte, die dem richtigen Sammler immer ordentlich wehtut.

 

Oasis - Standing On The Shoulder Of Giants

 

Erst 2000 erscheint das nächste Album. Vielleicht sind es die Drogen der Gallaghers oder ihre langen Schatten, vielleicht sind sie satt, selbst abhängig oder dem ständigen Gezicke überdrüssig, mit McGuigan und Arthurs verlassen die letzten Gründungsmitglieder die Formation offiziell aus familiären Gründen. Der Gitarrist Gem Archer, zuvor bei Heavy Stereo und der Bassist Andy Bell, zuvor bei Hurricane #1, ersetzen die beiden. „Standing On The Shoulder Of Giants“ ist noch ohne die neuen Mitglieder konzipiert, allerdings zeichnet sich der Trend ab, dass der Oberstänkerer Noel Gallagher ein wenig von seiner absolutistischen Macht einbüßt; er ist nicht weiter allein für das Songwriting verantwortlich.

 

Auf „Heathen Chemistry“ im Jahr 2002 wird diese Entwicklung sehr deutlich. Ihren Status hat die Gruppe etwas eingebüßt, trotzdem finden sich die Veröffentlichungen auch außerhalb Englands weiter in schöner Regelmäßig in den oberen Regionen der Charts wieder. Das nächste Album erscheint 2005 unter dem schönen Titel „Don´t Believe The Truth“. Ein bisschen Aufregung entsteht, nachdem Zak Starkey, der Sohn von Ringo Starr, die inzwischen vakante Stelle des Schlagzeugers besetzt. Die bis hierhin plumpste Anbiederung an die inzwischen zur Hälfte toten Beatles.

 

2007 wird verkündet, dass ein nächstes Album bereits so gut wie vollkommen fertig ist, allerdings noch nicht ganz und gar fertig gestellt wird, weil die Familie Noel Gallaghers vorgeht, die Veröffentlichung wird Mitte 2008 angepeilt. Im Oktober 2007 erscheint immerhin mit „Lords Don´t Let Me Down“ eine Doppel-DVD für alle, die es nicht abwarten können; ein reichhaltig bestücktes Ding, mit einem Dokumentarfilm, Konzertmitschnitten (ein Heimspiel), Videos und exklusiven Interviews der Männer aus Manchester.



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