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OneRepublic - Star Porträt


Der Erfolg von OneRepublic, der Rock-/Popmusikkapelle aus Amerika, ist einer von der Sorte, an die wir uns langsam gewöhnen müssen. Eine weitgehend unbekannte Gitarrengruppe wird durch das ambitionierte Album eines begnadeten Produzenten (Timbaland) ziemlich plötzlich weltberühmt. Aber so richtig weltberühmt. OneRepublic hängen urplötzlich in etlichen Ländern an den Spitzen der Charts. Ein außergewöhnlicher Erfolg, allerdings einer, der nicht überraschend kommt, betonen Zeitgenossen mit Überblick, immerhin ist OneRepublic bei MySpace Music, dieser netten Internet-Plattform für Newcomer, bereits eine ganze Weile eine große Berühmtheit.

 

Mehr als 20 Millionen Mal wird die OneRepublic-Präsenz seit Sommer 2004 besucht – eine gewaltige Zahl. Sind das die Könige eines neuen Zeitalters? Ganz sicher. OneRepublic ist eine Band, die sich über MySpace einen ungeheuerlich großen Freundeskreis erspielt. Timbaland schlägt zu, nimmt sich das Lied „Apologize“ für „Timbaland Presents Shock Value“, veröffentlicht es als dritte Single (die ersten beiden waren bereits unglaublich erfolgreich) und räumt damit ab. Ebenso OneRepublic natürlich.

 

Die Band hat eine erste Single, eine, auf der zwar eine Remix-Version vor der Album-Version des Liedes steht, aber immerhin einen ersten Superhit. Es ist keiner von den Hits, auf die man aufbauen kann, vielmehr ist es einer dieser Hits, die für sich alleine stehen – und von denen Bands eigentlich überfordert sein müssten. Auf Youtube wird „Apologize“ 50 Millionen Mal abgerufen, außerdem landet das Lied auf dem Soundtrack von „Keinohrhasen“ – zumindest im deutschsprachigen Raum sehr bekannt.

 

Nun könnte man meinen, diese OneRepublic-Geschichte sei kennzeichnend für die neue, prima Medienzeit, in der auf neuen Wegen die handwerklich Begabtesten an die Spitze gespült werden, die Kunst sich aus den Klauen der Major-Labels befreit und vor allen Dingen die Hörer auch. Obacht! Die Geschichte ist nicht ganz so einfach. Das Imperium schlägt zurück:

 

OneRepublic – Ryan Tedders Geschichte

 

Der 1979 in Oklahoma geborene Ryan Tedder ist Chef von OneRepublic. Früh musikalisch geschult, erlernt er das Spiel gleich mehrerer Instrumente, beginnt professionell zu singen, gründet verschiedene Bands und lernt an der High School Zach Filkins kennen, mit dem er später OneRepublic gründet.

 

Tedder schreibt Songs, nimmt mit 21 Jahren an einem Nachwuchs-Wettbewerb teil, den er gewinnt, woraufhin er einen Vertrag mit Free Lance Entertainment erhält. Es ist mehr eine Veranstaltung, mit der Lance Bass, Gründer des Labels und Mitglied von ´N Sync, eine neue Karriere noch vor dem nahenden Ende seiner Boygroup ermöglicht werden soll – ein Schuss in den Ofen. Nicht dieser Weg bringt Tedder nach oben, er geht nach New York, schließlich nach Nashville – und erhält einen Anruf von Timbaland, lange vor der Veröffentlichung von „Shock Value“. Tedder ist fassungslos, ein gemeinsamer Bekannter hat Timbaland eingeredet, er müsse unbedingt mit dem Songwriter arbeiten.

 

Der nimmt den Künstler unter seine Fittiche, will ihn als Musiker herausbringen und schult ihn als Produzent – so ganz genau lässt sich das auch nicht immer trennen. Zwischen 2002 und 2004 geht Tedder bei Timbaland in die Lehre, die ihm heute sehr hilft: seit 2006 platziert er immer wieder als Produzent eigene Arbeiten in den Charts. Jennifer Lopez gehört zu seinen Kundinnen, Natasha Bedingfield – und der Superhit von Leona Lewis, „Bleeding Love“, entsteht mit seiner Hilfe. Etliche weitere Berühmtheiten gehören zu seinen Kunden, 2008 arbeitet er mit Kelly Clarkson und daran, die deutschen Casting-Puppen von Monrose zu internationalen Stars zu machen.

 

OneRepublic – Apologize

 

Zuvor bereits, also bevor Tedder die Produzentenjobs nur so zuflattern, löst er sich aus dem Umfeld Timbalands, um der Verpflichtung seiner eigenen künstlerischen Ambitionen nachzukommen – er sucht sich eine Band und gründet OneRepublic. Vielleicht ist es nur romantischer Mythos, aber das ist völlig in Ordnung: nachdem er 2003 mit seinem alten Sportsfreund Zach Filkins OneRepublic in Colorado Springs gegründet hat, zieht er mit seinem Kollegen nach Kalifornien, wo er erst einmal von der Hand in den Mund lebt.

 

Die Eltern der Musiker machen sich Vorwürfe, da sie glauben, ihre Söhne zu sehr dazu animiert zu haben, ihren eigenen Träumen nachzustolpern. Filkins hat eine Weile in Barcelona gelebt und ist an der klassischen Gitarre geschult, nach einigen Umbesetzungen, meist dadurch bedingt, dass die Fliehenden das permanente Scheitern nicht verkraften, bleiben neben Tedder und Filkins der Schlagzeuger Eddie Fisher, der Gitarrist Drew Brown und der junge Brent Kutzle am Bass und Cello.

 

Ab Juni 2004 ist OneRepublic auf MySpace zu hören und erspielt sich so einen rasant wachsenden Hörerkreis, durch den die Band in dem Netzwerk zwei Jahre später zu einer der beliebtesten Acts überhaupt wird. Columbia Records, ein großer Name, nimmt die Band unter Vertrag, entlässt sie jedoch rasch wieder. Es kommt zu Umbesetzungen bei den Verantwortlichen, die neuen sind nicht gewillt, die Entscheidungen ihrer Vorgänger zu tragen und haben dadurch nun vermutlich ziemlich großen Ärger (oder keinen Job mehr). Schließlich holt Timbaland die Gruppe zu Interscope Records.

 

OneRepublic – Dreaming Out Loud

 

Kurz bevor MySpace verrückt spielt, Fans sich schriftlich melden und sich bei OneRepublic dafür bedanken, dass ihnen die Musik einen teil des Lebens rettet, und bevor Interscope zugreift, sind Tedder und seine Freunde im Begriff, das komplette Projekt zu beerdigen. Eine wundervolle Geschichte. Es folgt die bereits erzählte Version, Timbaland krallt sich „Apologize“ und bastelt daraus einen Hit, der Rekorde aufstellt. Er wird zwei Millionen Mal online gekauft und innerhalb einer Woche 10000 Mal im Radio gespielt. In Deutschland steht die Single acht Wochen auf Platz eins der Media Control Charts.

 

Greg Wells produziert das Debütalbum von OneRepublic. „Dreaming Out Loud“ erscheint in Deutschland im März 2008 und besticht durch solides Handwerk, Lieder, die – soweit es möglich ist – an „Apologize“ anknüpfen. „Stop And Stare“, die zweite Single, steht ebenfalls recht weit oben in vielen Charts, in Deutschland reicht es immerhin für die Top 10. Der Erfolg, den OneRepublic hat, ist keiner, den die Band aus dem Stand erreicht hat (auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als sei alles sehr plötzlich geschehen). Will man der Geschichte Glauben schenken, steckt viel Herzblut dahinter. Wir wollen.

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