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Paul Van Dyk - Star Porträt


Paul Van Dyk ist ein sehr berühmter DJ und Produzent elektronischer Musik, muss man vermutlich noch immer jenen erzählen, denen Techno bzw. Trance und so als dubiose Subkultur gilt, deren dauerhaften Fortbestand sie anzweifeln. Als Star, und das ist er einfach, hat Paul Van Dyk eine interessante Sonderposition. Obwohl Paul Van Dyk sehr bekannt ist und sich nicht scheut, für den sogenannten Mainstream zu produzieren, scheint er vergleichsweise unbehelligt von den alles überstrahlenden Massenmedien zu bleiben. Paul Van Dyk kann Privates von sich preisgeben, das verrückte Leben, das er führt, ist zum Teil von ihm selbst – etwa in der Zeit – dokumentiert und trotzdem sieht es so aus, als hätte dies keine sein Leben einschränkende Folgen.

 

Die ewige Suche nach der deutschen Weltbedeutung, den Weltstars, den Weltklassespielern findet eigentlich in Paul Van Dyk ihre Erfüllung – allein in den entsprechenden Shows ist er kaum zu sehen. Paul Van Dyk wäre ideal, von seriöser Gestalt, ein attraktiver Mann, ein Kind der DDR, ein Flüchtling gar, ein getriebener seines Genies, der, schaut man sich allein das Frühjahr 2008 an, in Jakarta, Mumbai, Riga, Berlin, Kapstadt, Johannesburg, Atlanta, New York, Mexico City, Miami, Dortmund und Madrid gebucht ist, ein wahrer Weltstar, nicht so ein Zweikontinentefreak. Paul Van Dyk ist ferner ein streitbarer Geist, ein politisch denkender Mensch, der sich gerne öffentlich mit den sogenannten Linken anlegt, um dann als politisch handelnder Mensch vorzumachen, welchen Weg Paul Van Dyk für den richtigen hält, indem er etwa für Greenpeace, Amnesty International, UNICEF, Akanksha, Pro Asyl wirbt und sich mit seiner Initiative Rückenwind (gemeinsam mit dem DRK Berlin Süd-West) für benachteiligte Jugendliche in Berlin einsetzt.

 

Einzig der Moment, in dem er 2004 mit Peter Heppner das Lied „Wir sind wir“ veröffentlicht, bringt Paul Van Dyk einen kurzen Moment medialer Aufgeregtheit. Das Lied über „uns“, die Deutschen, ist rhetorisch feinste Knopp-Geschichtsschreibung, also etwas, was viele zum Kotzen finden, gleichzeitig mit großer Begeisterung verfolgt, seinen festen Platz in der deutschen Fernsehlandschaft hat und nun auch in Popmusikform funktioniert. In der Folge ätzen die einen reflexartig in Richtung Paul Van Dyk, mehr noch in die Heppners, während andere feststellen, dass sie sich in ihren nationalen Bedürfnissen unterdrückt fühlen, die Fähnchen schwenken und ihre Legenden lieben möchten und moppern, weil geätzt wird, anstatt sich zu wundern, warum sie sich unterdrückt fühlen lassen.

 

Paul Van Dyk ist hoch dekoriert. Er wird immer wieder als bester globaler, internationaler oder europäischer DJ ausgezeichnet, auch für seine Produzententätigkeit und einzelne Remixes. Klaus Wowereit verleiht ihm im Oktober 2006 mit dem Verdienstorden des Landes Berlin die höchste Auszeichnung, die dem Bürgermeister zur Verleihung zur Verfügung steht. Die Tätigkeitsfelder eines Musikers wie Paul Van Dyk sind nicht ganz so leicht zu übersehen wie die anderer Rockstars, die der traditionellen Reihe Single, Album, Singles, Tour folgen. DJs wie Paul Van Dyk produzieren zwar Alben, hierbei handelt es sich jedoch nicht unbedingt um den Kern ihrer Leistung. Neben Singles, die meistens länger sind, als die, die man sonst gewöhnt ist, bringen sie DJ-Compilations auf den Markt, ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeit ist die Weiterentwicklung bestehenden Materials zu Remixes und sie haben in der Regel so etwas wie eine Basis, sie sind in einem Club Chef-DJ, eine Art Gastgeber und prägen dort, wenn es gut läuft, eine Epoche, während sie die Wünsche und wunden Punkte ihres Publikums kennen lernen. Ein ziemlich fuchsiges, wenn auch nicht neues System – das im Berlin der frühen 90er eine seiner vielen Blütezeiten hat.

 

Und Paul Van Dyk ist dabei. Zuvor kommt er in Eisenhüttenstadt zur Welt (1971), zieht nach Berlin, wird Zimmermann und ist genau im richtigen Alter, um die schöne Zeit des neuen Berlins, von der man uns wahrscheinlich noch 40 Jahre die Ohren vollquatschen wird, nicht nur mitzuerleben, sondern selbst etwas zu bewegen.

 

Paul Van Dyk - Perfect Day

 

Einer der Clubs in Berlin, der vielen geläufig sein dürfte, ist der Tresor, in dem Paul Van Dyk im ersten Jahr seines Bestehens, 1991, bereits auflegen darf. Paul Van Dyk legt zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Jahre, zunächst an selbst zusammen gebastelten Plattenspielern. Er beginnt, eigene Tracks zu produzieren und 1992 folgt die erste Veröffentlichung gemeinsam mit Harald Blüchel (Cosmic Baby) unter dem Namen Visions of Shiva: „Perfect Day“. Im Jahr darauf hat er mit seinem Remix von Humates „Love Simulation“ einen Clubhit und 1994 folgt das Debütalbum „45 RPM“, das 1998, inzwischen hat Paul Van Dyk sich einen Namen gemacht, international veröffentlicht wird.

 

Etliche Remixes folgen, bevor er 1996 sein zweiten Album „Seven Ways“ über MFS veröffentlicht. Er ist Resident-, also Chef-DJ im Berliner Club E-Werk, die internationale Karriere beginnt. „For An Angel“, ein Track auf seinem Debütalbum, kommt 1998 in die deutschen, UK- und vielen weiteren Dance-Charts. 1999 gründet Paul Van Dyk sein Label Vandit Records. Noch ist er vornehmlich in der „Szene“ bekannt, auch durch die großen Veranstaltungen, die im Begleitprogramm der rasend wachsenden Love Parade stattfinden und weitere Aktivitäten seines Labels wächst die Popularität des DJs.

 

Im Juni 2000 erscheint das nächste Album von Paul Van Dyk „Out There And Back“, auf dem Sarah Cracknell von St. Etienne „Tell Me Why (The Riddle)“ singt. Paul Van Dyk will und kann nicht so einfach einem Genre zugeordnet werden. Wer nicht ohne kann, ist mit Trance recht gut bedient. 2001 und 2005 veröffentlicht der DJ seine Compitations „The Politics Of Dancing“ und „The Politics Of Dancing 2“, 2003 das bislang in Deutschland erfolgreichste Album „Reflections”. „Nothing But You“ landet auf den Soundtracks von „Need For Speed: Underground 2” und „FIFA 2004”, „Time of Our Lives/Connected” entsteht gemeinsam mit der englischen Band Vega 4.

 

2004 wird Paul Van Dyk Repräsentant der US-Kampagne „Rock The Vote“, er versucht, junge Amerikaner zum Gang zur Wahlurne zu animieren. Paul Van Dyk gründet das Portal vonyc, ein Internetradio und Musikportal, das Anfang 2008 in neuem Gewandt erscheint und bringt im August 2007 sein Album „In Between“ heraus, für das er unter anderem mit David Byrne von den Talking Heads und Jessica Sutta von den Pussycat Dolls arbeitet.

 

Richtig verrückt wird die ungeheuerliche Anzahl von Publikationen, Tätigkeiten und Projekten, wenn man bedenkt, dass der Mann Paul Van Dyk auch im Radio als DJ tätig ist: montags auf vonyc, Mittwochs die Sendung Soundgarden bei Radio Fritz, donnerstags auf den Sat-Sender SIRIUS und sonntags alle vier Wochen die Sendung Rocker auf 1LIVE.



Paul Van Dyk Fotogalerie

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