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GenrelexikonReggae
Reggae ist der einflussreichste Kulturexport Jamaikas – so einflussreich, dass er allumfassend ist – und schon mal für sämtliche Kulturexporte der Insel gilt.
Reggae Geografie Reggae entsteht in den 60er Jahren im Inselstaat, vornehmlich aus den bestehenden Musiktraditionen, aus dem Ska und dem Rocksteady – angeblich ist eine Hitzeperiode nicht ganz unbeteiligt daran, die die Musiker zum langsameren, bzw. bedachteren Spiel zwingt. Auf Jamaika entwickelt sich zuvor bereits eine recht aktive, eigenständige Musikindustrie, die sich dadurch auszeichnet, dass Neuentwicklungen direkt auf der Straße, in einer Art Straßendisko, dem Soundsystem, an den Hörern getestet werden. Frühe, noch heute bekannte Interpreten sind Desmond Dekker und Lee „Scratch“ Perry, zu Beginn der 70er folgt die Gruppe The Wailers, mit Bob Marley, Bunny Wailer und Peter Tosh, die bis heute wichtigste Formation des Reggae. In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit von England (1962) entstanden, ist Reggae Ausdruck eben dieser Unabhängigkeit, aus den Ruinen kolonialer Liegenschaften geboren, in der Armut (durch europäische Ausbeuterei entstanden), spricht Reggae eine deutliche, politische Sprache, eine Ansprache, die, ungewohnt für Europäer, die sich am Nabel der Welt wähnen, sich nicht an Europa wendet, sondern gegen die europäische, alles vereinnahmende und nivillierende Kultur und sich gen Afrika richtet, wo sich (gerade in und um Senegal herum und im ostafrikanischen Äthiopien, aber auch in Südafrika) große Reggae-Szenen entwickeln. Auch in Deutschland entsteht eine Reggae-Szene, mit inzwischen traditionellen Festivals und seit einigen Jahren auch mit großen, ernstzunehmenden Acts, die ihren jeweils eigenen, recht speziellen Zugang zur jamaikanischen Vorlage finden (denkt man an Patrice, Gentleman oder Seed, finden sich Roots-Reggae-, Ragga- und Dancehall-Elemente). Reggae Galaxie Die ursprüngliche, erste Form des Reggae wird heute als Roots-Reggae bezeichnet. Außerdem kann die jamaikanische Musik auf eine ausgefeilte Remixtradition bauen, bereits früh werden bestehende Tracks von anderen Künstlern zu tanzbareren Stücken verarbeitet, über die Instrumentalspuren werden hierbei neue Texte gegeben – man nennt diese Technik Dubbing. Desweiteren spricht man bei härterem, eher an Rap erinnerndem Raggae von Ragga – und speziell auf die Tanzfläche wirkende, modernere Versionen des Reggae nennt man heute Dancehall. Innerhalb des populären Reggae entwickelt sich eine – ähnlich beim Hiphop – sexistische, inhaltlich belanglose Reggae-Form, der sogenannte Slackness Reggae, dem entgegen steht seit den 90er Jahren der vielfache Versuch, inhaltlich zu den sozialkritischen, politischen und religiösen Wurzeln mit dem Conscious Reggae zurückzukehren. Reggae Geräte Reggae hat einen hohen Wiedererkennungswert. Das liegt an der ungewöhnlich deutlichen Betonung des Offbeats, dem recht eigenwillige Bassläufe entgegengesetzt sind. Zum Beispiel. Außerdem ist es beim Reggae nicht unüblich, dass sich komplette Fußballmannschaften von Musikern auf der Bühne einfinden, E-Gitarren, die zur Unterstützung des Basslaufes eingesetzt werden, aufwändige Rhythmusgruppen, Orgeln, Blechbläser und Keyboards können zum Equipment gehören, müssen sie aber nicht. Soli sind angenehm selten Thema. Reggae Götter Reggae bringt im Laufe seines Bestehens eine ungemein große Anzahl von Legenden hervor. Die bekannteste ist sicherlich Bob Marley, der 1981 in Florida stirbt. Eine Ikone des Reggae ist Herrscher, kein Musiker: der äthiopische Kaiser Haile Selassi, bis in die 70er Jahre Staatschef des einzigen Landes auf dem afrikanischen Kontinent, das nie in die Hände europäischer Imperialmächte fällt. Da Äthiopien eine Weile zur Zuflucht vieler Rastafaris Jamaikas wird, gibt es eine enge Verbindung des jamaikanischen Reggae zur afrikanischen Ostküste. Die Rastafari, eine stark christlich geprägte Kultur Jamaikas, die ihre Wurzeln in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hat, bilden mit ihren Rastahaaren und den bunten Klamotten das typische Bild des Reggae-Musikers. Weitere wichtige Musiker sind natürlich Lee Perry und Peter Tosh, Burning Spear, Dennis Brown, mit einem gewaltigen Output an Alben, Toots & the Maytals sind so etwas wie die Grönemeyers der Insel, nur etwas erfolgreicher, Black Uhuru (Schwarze Freiheit) sind Riesen im Geschäft, die wichtigste Reggae-Stimme Westafrikas ist zweifellos Alpha Blondy. Reggae Gegenwart und Zukunft Reggae kann hiezulande aussterben, das interessiert die Welt nicht. Alledings besteht keine Gefahr, denn jährlich (eine Empfehlung) kannst Du Dir Reggae an mehreren Wochenenden in Deiner direkten Umgebung anhören, zum Beipiel auf dem Summerjam in Köln oder auf dem Chiemsee Reggae Summer.
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