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Room 2012 - Star Porträt


Das Ergebnis der 6. Popstarsstaffel in Deutschland ist Room 2012, der heißeste Live-Act Deutschlands. So ist zumindest Plan und Vorgabe des Jurors und Einpeitschers Detlef Soost, der bei der vierten Jurymitgliedschaft endgültig zum Dreh- und Angelpunkt des Sendekonzeptes wird. Er ist die graue Eminenz, das Herz, der Drache, der gute und der böse Cop, er weint herzzerreißend über den Verlust, der mit seinen härtesten Entscheidungen einhergeht, und stampft überhebliche kleine Genies unangespitzt in den Boden.

 

Allerdings geht es nicht um den Tänzer aus Pankow, sondern um die dokumentarisch begleitete Zusammenstellung einer Popgruppe. Die heißt nun Room 2012. Nach dem großen Erfolg der No Angels 2000 und einigen schwächeren Castingergebnissen ist 2006 mit dem Trio Monrose ein klarer Aufwärtstrend zu verzeichnen, den Room 2012 stabilisieren soll. Popstars steht 2007 unter dem Motto „On Stage“, die Gruppe soll in den kommenden Monaten durch ihre Live-Qualitäten überzeugen.

 

Die Fachjury, die Room 2012 zusammensucht, besteht neben Soost in diesem Jahr aus Jane Comerford, Dieter Falk, Nina Hagen und Marusha. Comerford ist Gesangslehrerin und einem breiten Publikum als Mitglied der Band Texas Lightning (mit Olli Dittrich) bekannt. Dieter Falk und Nina Hagen sind die grundmusikalische Kompetenz der 2006er Popstars-Staffel. Falk trägt den Produzenten-Sachverstand in die Runde, Hagen die Erfahrung als Star, der als Exot seit mehr als 30 Jahren immer wieder seinen Weg durch die Medien geht, trotz vieler Widerstände abseits des Mainstreams bleibt und sich vor allem in der vergangenen Staffel als vertrauenswürdige Beraterin der Newcomer hervorgetan hat. Mit Marusha erweitert man 2007 für Room 2012 die fachlichen Qualifikationen der Jury um den elektronischen Bereich. Da man bemüht ist, die Entscheidungen im klassischen Trio zu treffen, wechseln die Jurymitglieder mit den jeweiligen Entscheidungsshows in einem nicht zu entschlüsselnden Modus.

 

Slide

 

2007 soll – wie jedes Mal – ein besonderes Jahr für Popstars werden. Das Sendekonzept produziert inzwischen in jedem Jahr und weltweit neue Stars, ein wichtiges Prinzip hierbei ist der Wechsel der Prinzipien. Häufig werden reine Girlgroups gebildet (nicht so mit Room 2012), mal werden mehrere Gruppen trainiert, die gegeneinander antreten soll (das geht schon eher in Richtung Room 2012), Room 2012 wird aus einer Tänzer- und einer Sängerfraktion zusammengesetzt. Zum einen wird damit der Eindruck verstärkt, dass Detlef Soost als Tanzlehrer und Choreograf in seiner Entscheidungskompetenz gestärkt wird, zudem wird das Konzept auch vom Erfolg der vielen Tanzshows getragen, die inzwischen laufen – und nicht zuletzt vom Erfolg der Pussycat Dolls, die als reine Tanzgruppe die Basis für eine große Anzahl von Live-Acts gewesen ist und in ihrer Zusammenarbeit mit der Sängerin Nicole Scherzinger Weltruhm erlangt hat.

 

So etwas kann man ja auch mit Room 2012 versuchen. Tänzer können, obwohl sie ja traditionell schmuckes Beiwerk sind, im Zentrum des Interesses ungemein interessant wirken. Das hat sich auf dem Weg zu Room 2012 gezeigt. Die Sänger schmieren im Vergleich zu den akrobatischen Tänzern in ihrer Telegenität derart ab, dass die Programmverantwortlichen in Holland ein weiteres Mal auf Sängersuche gehen. Jane Comerford spricht bei Stefan Raab von fehlender Substanz in der Sängerschaft von, diese wird –erfolgreich – etwas ausgebügelt.

 

Im Übrigen hat die Genese von Room 2012 alles, was so eine Show üblicherweise benötigt. In Füssen gibt es Workshops, in Prag müssen die Sänger und in Brüssel die Tänzer eigene Veranstaltungen planen, koordinieren und durchführen. Einige Tänzer gewinnen einen Auftritt mit Marusha vor vielen hunderttausend Menschen bei der Loveparade, die erstmals in Essen stattfindet. Einige Sänger dürfen vor dem Brandenburger Tor beim „Schau nicht weg“ – Open Air mit Rapsoul auftreten. Die Jury trifft manchmal Entscheidungen, die ungläubige und aufgebrachte Zuschauer hinterlassen, deren Wut in diversen Foren verpufft. Es gibt das richtige Maß an deutschem Alltag, auf das mit politischer Korrektheit reagiert werden kann. Eine Musikerin wird von Familienmitgliedern, die sie gefährdet sehen, zu einer Nutte zu werden, aus ihrem Castingtraum Room 2012 gerissen. Soost zerlegt die Familienmitglieder rhetorisch brillant und lässt das Mädchen ziehen. Ein Tänzer verlässt die Show, weil er sein Abitur nicht gefährden möchte – ihm wird Respekt gezollt, er darf gehen.

 

Natürlich gibt es bei Room 2012 auch die inzwischen übliche Beziehung, die erst verheimlicht wird, dann ausbrechen darf – und am Ende getrennt wird, weil die Tänzerin den Ansprüchen nicht genügt und der Sänger Julian sich wieder um das Wesentliche kümmern soll. Weil so eine Castingsendung zwar auf eine große Zukunft weniger ausgewählter Newcomer hinarbeitet, das Produkt in den allermeisten Fällen jedoch wenige Wochen nach dem Finale seinen Reiz verliert, außerdem jede Menge Musik eingespielt wird, ist es inzwischen üblich, CDs zu produzieren, bevor überhaupt ein Castingergebnis feststeht. Seit dem 19. Oktober 2007 ist das Album „Popstars– Allstars“ zu kaufen. Erstmals ist Musik von Room 2012 zu kaufen, neben einer Vielzahl von Coverversionen bekannter Hits, die ihren Primärwert für die Bewerbungsmappen der gescheiterten Teilnehmer an Popstars 2007 haben, hat sich der Sänger Cristobal mit seiner Komposition „Never Give Up“ eine gute Ausgangsposition im Kampf um einen der wenigen Sängerplätze bei Room 2012 geschaffen. Schließlich muss direkt nach dem Finale am 06. Dezember, auf das die Tour von Room 2012 folgt, an der glaubwürdigen musikalischen Selbständigkeit der Künstler gearbeitet werden. Cristobal wäre zumindest ein Authentizitätsgewinn für Room 2012.

 

PAMPAMPAM

 

Der Weg zu Room 2012 ist lang. Für die Zuschauer beginnt die Show am 14. Juni. Der Name Room 2012 erinnert irgendwie an das zweite Album von Tokio Hotel. Eine Erklärung dafür, was er bedeuten soll, ist es nicht, schließlich versagen auch die Jungens aus Magdeburg regelmäßig bei dem Versuch. Irgendwie erinnert der Name Room 2012 auch an die Agenda 2010, irgendwas zwischen Bedrohung und Aufschwung – Schwachsinn. Man kann allerdings Room 2012 für eine Jahresangabe nehmen, dann stünde Room 2012 für „ungewöhnlich lange Haltbarkeit“ bzw. einen Fünfjahresplan. Obwohl – was passiert 2012? Olympische Spiele in London, Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, Kanada verbietet die herkömmliche Glühbirne…

 

Schwachsinn.

 

Im Bemühen, etwas so interessant Aussehendes und nichts Sagendes wie ein T-Shirt-Aufdruck von Esprit zu finden, hat irgendein Agenturmensch „Room 2012“ für genial gehalten – und dabei seinen latenten Hang für TW (twentytwelve) oder ZW (zwanzigzwölf) Raum gegeben: fertig.

 

Am 8. November stehen bereits die Tänzer von Room 2012 fest, die Teil des heißesten Liveact Deutschlands sein sollen. Dabei sind Aziz aus Mönchengladbach, sicherlich der souveränste Teilnehmer, wenn man den Jurybeurteilungen folgt, der Hip-Hop-Coach Darren und der Tanzlehrer Raik (beide aus Hannover), die Schülerin Vika aus Pforzheim und der Zivi Shorty aus Neukirchen-Vlyn. Letztgenanntem haben die Castingregeln in ihrer ganzen Willkür ganz besonders interessant mitgespielt. Seit Beginn der Show ist er zweimal rausgeflogen – und bei jeder Gelegenheit, die sich bietet, zurückgekommen. Room 2012 bietet zwei Gelegenheiten: in Holland, bei der Suche nach Sängern, revidiert die Jury ihre Entscheidung, holt ihn zurück, um ihn bei der nächsten Gelegenheit wieder rauszuschmeißen. Nachdem Mehdi aus Castrop-Rauxel aufgrund schulischer Ambitionen das Feld räumt, wird Shorty erneut eingeladen – und erhält den Zuschlag für den Platz in Deutschlands heißestem Live-Act „Room 2012“.

 

Ohne ihn würde Room 2012 nicht funktionieren. Während die Show von tränenreichen Sequenzen durchsetzt ist, gibt es nur wenige Stellen, an denen man Jane Comerford die Rührung ansehen kann. Bei seinem ersten Auftritt vor der Jury tanzt er gemeinsam mit einem Kollegen beeindruckend. Der Aufforderung, etwas Gesangliches zu bieten, begegnet er mutig – und obwohl er schlecht ist, blamiert er sich nicht. Mit dem Gespür, es nicht vollends in die Binsen gehauen zu haben, hilft er in der Folge seinem Kollegen über dessen disharmonisches Desaster in die nächste Runde. Traumhaft!

 

Mit dem Bandhaus ist der Wettbewerb für die Tänzer von Room 2012 beendet. Nun wird bis in den frühen Dezember regelmäßig ein Sänger nach Hause geschickt. Wer wird bleiben? Schafft es Cristobal zu Room 2012, der Musiker, vielleicht Julian, ein erfahrener Castingshow-Teilnehmer, Timberlake-Imitator und männlicher Part der obligatorischen Liebesgeschichte?  Vielleicht schafft es auch Marcella zu Room 2012, die Tochter von George „Rock Your Baby“ McCrae, auf dessen Disko-Lorbeeren sie nicht ruhen möchte, weshalb sie ihre Abstammung zuallererst in die Waagschale wirft; oder Sascha aus Dortmund, der nicht aussieht wie ein Popstar sonder eher wie ein Sascha aus Dortmund, der ungeheuerlich ehrgeizig ist, genau der Richtige für Room 2012. Von den Holländern sind noch zwei dabei. Die sind so gut und gut aussehend, dass es wieder Alarm in den Foren gibt, sobald der hübsche Norman oder die hübsche Tialda gehen muss. Die Begründung wird Folgende sein (Detlef D! Soost mit strengem, aber bedauerndem Blick): „Tialda (Norman), du bist technisch gut und siehst gut aus, hast aber die Vorgaben für Room 2012 nicht erfüllt und Deutsch gelernt. Da wir den heißesten deutschen Liveact suchen, bist du leider nicht dabei.“

Wieder quatsch. Am 6. Dezember ist die große Room 2012-Entscheidungsshow. Früh hat sich die Jury darauf festgelegt, die Room 2012 aus drei Jungens und einem Mädel zusammenzusetzen. Die Entscheidung gegen einen der Sänger behält sich die Jury vor, den Verbleib von Marcella oder Tialda lässt man das Publikum telefonisch klären. Dramatisch ist der Abend allemal. Es wird wenig geweint, ungewöhnlich angespannt und konzentriert wirken die Kandidaten, die zu Room 2012 werden wollen. In den letzten Wochen gewinnt Sascha ungemein an Charme, er wirkt wie ausgewechselt, sein Platz in der Gruppe ist am Ende zwingend. Damit ist kein Platz für Norman bei Room 2012, da Cristobal und Julian sichere Besetzungen sind. Die Zuschauer entscheiden sich für die Sängerin Tialda, die Entscheidung, nur eine Sängerin mitzunehmen, ist das bedauerlichste Ergebnis des Finales, denn Marcella hat - wie auch ihre Kontrahentin, die es zu Room 2012 schafft, unglaubliche Live-Qualitäten.

Wir werden die Karriere von Room 2012 genau verfolgen. Das Album "Elevator" erscheint am 14. Dezember, Amazon hat sich mit der Veröffentlichung von Bildern dieses Mal zurückgehalten. Schnell wird klar, dass Room nicht so in den Charts einschlägt, wie man es bei ähnlichen Castingshows gewohnt ist. Vielleicht ist dies eine Chance für Room 2012. Die Gruppe hat die Chance, das Debüt zu übertreffen ...



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Kostenlose Songtexte von Room 2012 bietet lyrix.at

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