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Scooter - Star Porträt


Scooter, erste Techno-Gruppe, die einen Rocksong covert, die erste deutsche Gruppe, die zum Album eine Extra-CD herausgibt, vielleicht die erfolgreichste deutsche Gruppe um die Jahrtausendwende herum, wenn man diese entsprechend bemisst, Scooter produziert die erste Techno-Ballade der Geschichte, füttert den ersten Techno-Track mit einem Metal-Gitarrenriff, dokumentiert die eigene Tour als eine der ersten Bands online, Scooter wird als erster internationaler Act vom ukrainischen Vizepräsidenten durch die Gegend geflogen …

 

Es sind dies die Lorbeeren, mit denen man sich offiziell zu schmücken pflegt. Niemand möchte ernsthaft die einzelnen Punkte abarbeiten, um sie evtl. zu widerlegen, es ist interessanter, die Liste zu ergänzen, und zwar um das, was Scooter wirklich ausmacht. Natürlich muss da zunächst H.P. Baxxter genannt werden, der charismatische Frontmann und (mit Rick J. Jordan) Kern des Urprojektes, an dem sämtliche Kontroversen um die Band (als solches wird Scooter offiziell bezeichnet) entbrennen. Ein Typ, der nicht akzentfrei Englisch beherrscht, obwohl er aus Deutschland kommt und der nur Nonsenstexte zu bieten hat, obwohl die Geschichte des Techno doch in einer superpolitischen Bewegung wurzelt.

 

Eigentlich muss man den Scooter-Kopf mögen. Er gibt sich noch heute ehrlich überrascht über den sagenhaften Erfolg, den Scooter hat und wirkt noch heute, satt in der zweiten Dekade der Band, auf der Bühne ein wenig unbeholfen. Er ist der Junge, der vorm Spiegel steht, mit sich allein ist und davon träumt, der Megastecher zu sein. Nur dass der Spiegel ein Stadion voller durchdrehender Menschen ist …

 

Scooter sind die alten Männer des Kirmestechno, diejenigen, die den Techno in die Charts tragen und damit in die ganzen Kontroversen darum, ob das jetzt noch gut ist oder der Ausverkauf, ob es billig ist, ein Imitat vielleicht und ob man das noch mögen darf, wenn es so viele lieben. Dem ganzen Gestöhne über den Eurovision Song Contest, die Geschmäcker Europas und seiner Bürger, die vermeintlichen Seilschaften, könnte Scooter mit einer Teilnahme ein Ende machen, soviel scheint sicher. Einmal bereits sind sie angetreten, allerdings im Vorentscheid knapp mit „Jigga Jigga“ an Max Mutzke gescheitert.

 

Aus einer merkwürdigen, zwar öffentlich nur selten bemerkbaren, jedoch enorm großen Szene hervorgegangen, wird Scooter noch häufig mit einer herzlichen Abneigung begegnet, die sowohl von arrivierten Musikrechthabern als auch „aus der Szene“ heraus gepflegt wird. Dass Scooter eigentlich eine ziemlich lustige Angelegenheit ist, ist nicht gerade eine originelle Erkenntnis. Scooter ist bereits hoffähig. Schon Das Bo hat in Interviews nach den ersten Soloveröffentlichungen erklärt, dass er sich von dem Erlebnis eines Scooter-Konzertes inspirieren ließ. Spannend, wie ewig unbeantwortet bleibt die Frage, was gute Musik ausmacht. Ist es eher die Einzigartigkeit, die individuelle Fingerfertigkeit oder kommt es doch eher auf die Größe der Boxen und die Massen an, die feiern? Das kann natürlich im Rahmen eines kleinen Scooter-Porträts nicht beantwortet werden. Ganz sicher ist, dass wir von Elixic uns aus dieser ganzen verbissenen Debatte natürlich nicht gänzlich raushalten, sondern einfach an anderen Stellen kotzen. Die Grenzen sind lediglich verschiebbar. Eine enthusiastische Masse eignet sich ebenfalls nicht allein als Qualitätsmerkmal, sonst müsste man seinen eigenen Geschmack am Ende allein an den Charts orientieren.

 

Scooter bzw. Celebrate The Nun

 

1986 lernen sich Hans Peter Geerdes (H.P. Baxxter) aus Leer und Hendrik Stedler (Rick J. Jordan) in Hannover, der Heimatstadt Stedlers kennen. Sie gründen die Synthiepop-Gruppe Celebrate The Nun, die bis 1991 zwei Alben auf den Markt bingt und sogar mit einer der fünf Singles in den US-Dance-Charts landet. Anfang der 90er Jahre jobbt Baxxter in Hamburg bei edel-records als Promoter. Die Loveparade 1993 ist Anlass für ihn, mit seiner neuen Bekanntschaft Jens Thele und Jordan, der sich in Hannover ein Tonstudio eingerichtet hat, The Loop, ein Remix-Team zu gründen.

 

Mit Sören Bühler (Ferris Bueller), einem Cousin Baxxters aus Freiburg, basteln H.P. und Rick an einem kleinen Nebenprojekt, das sie Scooter taufen. Erste Auftritte als Scooter gibt es ab April 1994, die Legende besagt, dass es eine spontane Eingebung Baxxters gewesen sei, das Mikro zu ergreifen und den großen DJ-Vorbildern zu huldigen. „Hyper Hyper“ ist das Ergebnis, Baxxter ist von nun an MC. Nachdem sich „Hyper Hyper“ bereits prächtig verkauft, wird das Pferd noch einmal aufgezäumt, mit einem neuen Mix geht es in die deutschen Singlecharts. Platz zwei im Sommer 1994 ist ein ungeheuerlicher Erfolg.

 

Es ist die Zeit hoher Chartplatzierungen elektronischer Tanzmusik. Unter dem ebenfalls unterschätzten Dancefloor leiden die Gitarrenliebhaber enorm. Scooter landet einen Hit nach dem anderen. Bereits 1995 wird die Band in Irland frenetisch gefeiert. „Move Your Ass“ wird ein internationaler Hit. Scooter richtet sich in Hamburg ein, „Back In The UK“ knackt die britischen Top 20.

 

Scooter – Our Happy Hardcore

 

Mit „Our Happy Hardcore“ (1996), dem zweiten Album, startet Scooter eine unvergleichliche Serie von Top-10-Platzierungen in Finnland, bis auf 2002 und 2006 gibt es für die Fans jährlich mindestens einen Longplayer, Scooter vergreift sich an allem, was der Band in die Hände kommt: „Rebel Yell“ (der erwähnte Rocksong) ist ein gutes Beispiel, „Break It Up“ (die erwähnte Ballade) ein anderes, „Fire“ (der erwähnte Metal-Riff) ein drittes. Mit Axel Coon ergänzt ab 1997 ein weiterer DJ das Team.

 

Im Mai 1998 steigt Ferris Bueller aus, „How Much Is The Fish“ erscheint. Das Album „No Time To Chill“ landet auf Platz vier in Deutschland, in Moskau und St. Petersburg kommen jeweils mehr als 10000 Menschen zu Konzerten, selbst in Kasachstan finden sich 3500 ein. „Fuck The Millenium“ ist der einzig geistreiche Beitrag zur Jahrtausendwende.

 

Eine Weile bereits variiert die Band schon mal das Tempo. „Sheffield“ (2000), das Album, präsentiert sich geradezu als Spielwiese Scooters. Im Video zu „Aiii Shot The DJ“ lässt Scooter den toten DJ Helge Schneider eine Party schmeißen. Ohnehin ist ein Spaziergang durch das Oeuvre der Scooter-Musikvideos eine äußerst vergnügliche Abendbeschäftigung.

 

Bereits 2002 gibt es das erste Best-of-Album, es ist Zeit für einen Umbruch. Coon verlässt die Formation schon wieder und wird durch Jürgen Frosch (Jay Frog) aus Ludwigshafen ersetzt, der bis 2006 bleibt. Er wiederum wird durch Michael Simon ersetzt, der bereits einige Jahre im Umfeld von Scooter tätig ist. Scooter ist auch für Kinder. „Nessaja“, eine Adaption des Tabaluga-Musical-Titels, ist der erste erste Platz aus dem Stand.

 

2003 wird Japan erobert, H.P. liest Thomas-Bernhardt-Geschichten für ein Hörbuch ein. Scooter hat bis heute dutzende von Singles veröffentlicht, etliche Alben, ist mit Echos und Cometen ausgezeichnet worden und hält sich ungemein beständig in Spitzenpositionen diverser Charts. Und Scooter ist zu Gülcans Hochzeit gekommen.

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