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The Game - Star Porträt


Wer heute Jahrgang 1979 ist, hatte Zeit, in eine Gang einzutreten, auszutreten, hingerichtet zu werden, wieder aufzustehen, aus seinem Leben in ein anderes gerettet zu werden und sich mit seinen Rettern zu überwerfen. Das zumindest beweist Layceon Terrell Taylor, genannt The Game, der ist im November 1979 in Los Angeles geboren – und wächst in Compton auf. Compton ist das Musterghetto Kaliforniens, legendär für seine hohe Sterberate, die Jugendbanden und die Rapper des Westens, die sich daraus zu einem nicht unerheblichen Teil rekrutieren.

 

The Game gehört früh Gangs an, sammelt Lebenserfahrung, lernt, was es heißt, der Feind zu sein, denn eine Gangmitgliedschaft macht ein paar Freunde und viele Feinde, er dealt mit Crack und macht 2001 Bekanntschaft mit dem Tod: vor einem seiner Domizile, einem Umschlagplatz, wird er beschossen und mehrfach getroffen. Während seiner Genesung – diese Passage könnt ihr auch dem Lebensweg von 50 Cent entnehmen – nimmt er sich vor, ein anderer Mensch zu werden. In den Mythen um viele der heute berühmten Rapper gibt es diesen retardierenden Moment im Krankenhaus, der oft als Wende verklärt wird, an der eine Entscheidung getroffen werden muss. Über die Gründe kann man sich trefflich streiten, wir nehmen es für etwas Religiöses, es ist eine Art von Waschung, Taufe, auf jeden Fall eine Läuterung, die einen Neuanfang erlaubt.

 

So wahnsinnig geläutert ist The Game allerdings nicht, seine Popularität beruht zu einem satten Teil darauf, dass er den Gangsta Rap, für den er steht, authentisch lebt. Bis heute gerät er regelmäßig mit den Gesetzgebern in Konflikt, legt sich an, mit wem er kann, muss trotz seiner Berühmtheit immer wieder in den Bau – und findet sich diesbezüglich in guter Gesellschaft. Seine Familiengeschichte wünscht man keinem, die Eltern sollen bereits kriminell sein, die Familie zerbricht, Layceon Terrell Taylor wird bei Fremden untergebracht, er wird zurückgeschickt ... In Compton geht er zur High School, ist sogar ein hoffnungsvoller Basketballer, verbaut sich allerdings – die elenden Drogen – bereits die Anfänge.

 

Der Typ, den seine Oma Game getauft haben soll, landet schlussendlich auf der Straße, in einem hochkriminellen Milieu, ist vermutlich weniger Opfer als Mitgestalter dieser Welt und 2001 erwischt es ihn – fast. In den üblichen Kurzporträts zum Künstler The Game steht meist etwas rätselhaft knapp, dass er sich einfach entschließt, einer zu werden, manchmal noch, dass er das, ganz offensichtlich bewahrt er sich seine Geschäftstüchtigkeit, recht systematisch angeht, indem er sich zunächst den Markt und die großen Würfe des Genres seiner Wahl anschaut. Das zeigt eine der schönsten Seiten des Hip-Hops, der oft gänzlich ohne dieses blöde Gefasel von der natürlichen Begabung und dem jungen Genius auskommt. Der Typ will einfach ins Geschäft kommen, also handelt er entsprechend.

 

Er gründet ein Label, das ist ein kluger erster Schritt, der Name The Black Wall Street Records impliziert, wohin die Reise gehen soll. Er schart Gleichgesinnte um sich und bringt ein Mixtape auf den Markt. Die Luft schwirrt seit vielen Jahren vor Mixtapes, wenn man damit auf sich aufmerksam machen möchte, ist das die Stelle, an der man ein gutes Dutzend Fähigkeiten gleichzeitig unter Beweis stellen muss. Wer dann mehrere größere Labels damit auf sich aufmerksam macht, wie The Game, der darf sich kurz freuen, in keinem Fall allerdings nachlassen.

 

The Game bastelt ein bisschen was für Get Low Recordz, bringt „Untold Story“ auf den Markt, sein inoffizielles Debüt, vermarktet selbst ein weiteres Mixtape, während ihn eigentlich bereits Dr. Dre mit Aftermath Entertainment an der Angel hat.

 

The Game - The Documentary

 

Es soll eine Managemententscheidung gewesen sein, die The Game mit der G-Unit um 50 Cent zusammenbringt. The Game wird als neues Crew-Mitglied geführt, zunächst sieht man ihn in den Videos seiner neuen Kollegen, seine Textbeiträge sind geringfügig – die eigene Produktion, sein Majordebüt folgt jedoch rasch. Noch 2004 wird seine erste Single, „West Side Story“, auf den Markt gebracht, ein kleiner Vorgeschmack auf das Album.

 

„The Documentary“ erscheint im Januar 2005, es ist erstaunlich, wen Dr. Dre und 50 Cent für die Produktion alles zusammengerufen haben. Timbaland, Faith Evans, Kanye West, Eminem, Nate Dogg, um nur die wichtigsten zu nennen, leisten die ihnen entsprechenden Beiträge, selbst Tupac Shakur muss ein weiteres Mal herhalten, das Album ist derart mit Superstars zugestellt, dass es mitunter schwer ist, The Game ausfindig zu machen. Das Ergebnis ist ein gigantischer Erfolg. 2005 wird The Game bei den MTV Video Music Awards, 2006 sogar für Grammys nominiert, noch reicht es allerdings nicht. Man spricht davon, dass dieses Album die West Coast wieder ins Spiel gebracht habe. In Deutschland springt ein immerhin respektabler elfter Platz in den Charts dabei heraus, in der Schweiz geht es sogar in die Top 10.

 

Kurz nach dem Release beendet 50 Cent die Zusammenarbeit mit The Game, weil sich dieser in seinen Augen nicht loyal genug verhält. Indes versucht The Game, den Ruf des Zöglings abzuschütteln und zieht zu Geffen Records um. Eigentlich hat er immer mit irgendwem Ärger, zum Teil schleppt er Ärger mit sich herum, den er sich in Loyalität zu Leuten eingehandelt hat, mit denen er sich inzwischen in einer dauerhaften Fehde befindet. Das klingt albern, ist es auch. Allerdings ist so ein dauerhafter Ausnahmezustand mit ganz viel Aufregung und jeder Menge Herz ziemlich lukrativ und überzeugend, das wissen wir von unseren Politikern und ihren Nachrichtenvögeln.

 

The Game - Doctor´s Advocate

 

Auch wenn das Album „Doctor´s Advocate“ ohne Dr. Dre und ohne 50 Cent entsteht, heißt es noch lange nicht, dass The Game wie ein Pfadfinder zur Klampfe greift und am Lagerfeuer ... Die Leute sind nun andere, ihre Namen kaum weniger bekannt. will.i.am und Junior Read, Snoop Dogg, der auch bei Geffen unter Vertrag steht, Scott Storch, der schon so oft mit Dr. Dre gemeinsame Sache gemacht hat, Kanye West erneut sind nur der Anfang.

 

Außerdem arbeiten Busta Rhymes und Xzibit, Jamie Foxx, Nas, sowie Pharrell Williams gemeinsam mit Fergie an „Doctor´s Advocate“, ein lustiger Titel eigentlich ... Nebenbei spielt The Game in zweitklassigen Gangsterfilmen wie „Waist Deep“ mit, leiht seinen Charakter an unterschiedliche Produktionen aus, auch der Spieleindustrie, kann sich leisten, mal wieder in den Knast zu wandern, weil er irgendwen mit einer Knarre zu nahe gekommen ist und wird im Sommer 2008 das nächste Album auf den Markt bringen. Titel: L.A.X.

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