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Tom Jones - Star PorträtTom Jones ist der Tiger. Es gibt etliche Bands mit Tiger im Namen, Sportler, die sich den Spitznamen Tiger selbst geben – alles Blödsinn. Tom Jones ist der Tiger. Die erste ganz große Zeit hat der walisische Sohn eines Bergmannes Mitte der 60er bis Anfang der 70er Jahre. Es ist die Zeit der Fernsehshows, Entertainer und Casino-Auftritte, der Hitmedleys und der weiblichen Fans, die noch nervös auf den Stühlen im Zuschauerraum sitzen bleiben, bevor sie sich von ihren Freunden loseisen, um in den Hotelflur des Künstlers zu gelangen (meist drehen sie allerdings auch schon während des Konzertes durch). Tom Jones ist ein Fürst dieser Zeit. Ein Bär von einem Mann, mit gewagt geöffnetem Hemd, schnurrt, faucht und schmachtet er, der eine einzigartige Stimme hat und zu den viel zu wenigen Künstlern gehört, die sich mit einer geradezu existentialistischen Freude in ihre Lieder werfen.
Tom Jones gehört auch zu den Musikern, die regelmäßig unpopulär werden, er hat Durststrecken, die ihm allerdings ermöglichen, große Comebacks zu feiern. Gelegentlich inspiriert er auch andere zu Comebacks, zum Beispiel Elvis Presley 1968. Und Tom Jones färbt sich die Haare. Und Tom Jones schlägt sich nur, wenn es sein muss. Und Tom Jones heißt eigentlich Thomas John Woodward, kommt im Sommer 1940 in der Nähe von Cardiff zur Welt. Die Queen hat ihn inzwischen zum Ritter geschlagen, zum Officer of the Most Excellent Order of the British Empire – was das ist? Das ist quasi ein Bundesverdienstkreuz, gleichzeitig ein Titel, den man im Namen führen kann, es gibt ihn in verschiedenen Stufen. Tom Jones hat den, der besser ist als der, den Paul McCartney hat, aber schlechter als der, den Nicolae Ceauşescu ehrenhalber bekommen hat und genau den, den Ken Loach nicht haben wollte.
Der junge Tom Jones ist ein Malocher, ein Bauarbeiter und Staubsaugervertreter, der 16 Jahre alt ist, als er seine Linda Trenchard heiratet, ziemlich genau 51 Jahre später wird er von seiner Queen zum Ritter geschlagen. Tom Jones singt ab 1963 bei The Senators, einer Beatgruppe, 1964 nimmt er einige Stücke unter der Anleitung von Joe Meek auf, der zwei Jahre zuvor mit The Tornados und „Telstar“ einen Welthit feiert, ein unglaubliches Stück zum Soundtrack des Wettrennens um das All im Kalten Krieg. Entscheidender ist für Tom Jones die Begegnung mit Gordon Mills, ebenfalls aus Wales. Der hat seinen Traum, selbst berühmter Sänger zu werden, an den Nagel gehängt und nutzt sein bereits fertiges, aber nicht veröffentlichtes Soloalbum als Steinbruch, verteilt seine Lieder an Tom Jones und Engelbert Humperdinck. Tom Jones bekommt die besseren Lieder – und seinen Künstlernamen von Mills.
Tom Jones – It´s Not Unusual
Das, was später sein größter Vorteil ist, das, was ihn einzigartig macht, verhindert zunächst, dass die Musikindustrie ihn mit offenen Armen empfängt: zu rau, zu groß, nicht filigran genug, die Bewegungen angeblich ähneln jenen des großen Elvis Presley – bei Decca Records erbarmt man sich irgendwann. Die erste Single, die Tom Jones für das Label aufnimmt, ist „Chills And Fever“. Es gibt bei Youtube eine sehr hübsche Aufnahme von BBC 2 von 1964 (sofern nicht irgendwelche Musikfeinde das entfernt haben, wenn du das liest), daran lassen sich wunderbar die Einwände der Musikindustriellen überprüfen, die Tom Jones nicht unter Vertrag nehmen wollten. Die zweite Single ist bereits „It´s Not Unusual“, geschrieben von Gordon Mills und Les Reed, einem Kollegen von John Barry, der wiederum für die James-Bond-Titelmelodie verantwortlich ist.
Das Lied wird das, was man einen Welthit nennt, und es folgen in wenigen Jahren etliche weitere. Was man bei den ganz frühen Auftritten ebenfalls sieht: während Tom Jones zunächst noch in der Beat-Geschichte gefangen ist (achtet mal darauf, Beat zeichnet sich vornehmlich durch Fluchtlinien aus der Beatmusik aus), entwickelt er sich allmählich zum Crooner, zum eleganten, wenig subtil derben, schmachtenden Entertainer. Er hat die besten Lehrer. Es gibt einen gemeinsamen Auftritt mit Sammy Davis Jr. von 1968, der ihm „It´s Not Unusual“ erklärt und ihn nass macht. Tom Jones singt „With These Hands“, „What´s New Pussycat“, „Thunderball” für James Band (nachdem man sowohl die Version von Shirley Bassey als auch jene von Dionne Warwick für untauglich befunden hat), „To Make A Big Man Cry“, „Once There Was A Time“ – die Veröffentlichung von „Green Green Grass Home“ ist eine Art Zäsur in der Karriere von Tom Jones, die Single gilt als erfolgreichste des Meisters, sie ist der Einstieg in die deutschen Charts, man sollte mal einen Sampler aus den Versionen dieses Liedes zusammenstellen … alles nicht wichtig. Die Singles, die Tom Jones in der Folge veröffentlicht, werden allesamt das, was man gemeinhin Welthits nennt.
Tom Jones – I (Who Have Nothing)
Darunter finden sich un-glaub-li-che Nummern, „Detroit City“, „I´ll Never Fall In Love Again“, „Delilah“, „Help Yourself“, „Love Me Tonight”, „I (Who Have Nothing)“, „Daughter Of Darkness”, „She´s A Lady” – und das sind längst nicht alle. Die ersten Biografien über Tom Jones werden Ende der 60er Jahre angefertigt, Auszeichnungen gibt es natürlich reichlich, im Copacabana Night Club in New York drehen die Frauen vollkommen durch, Tom Jones freundet sich mit Elvis an und verlegt sein Haupttätigkeitsfeld auf Shows, etwa in Las Vegas. Für seine 65teilige TV-Serie „This Is Tom Jones”, die von 1969 bis 1971 in den USA und UK läuft, 1980 bis 1981 läuft „The Tom Jones Show“. Der Musiker lebt mit seiner Familie da bereits einige Jahre in Los Angeles (die Steuern) und hat eine gewaltige Flaute.
Der Plattenvertrag läuft aus, wird nicht verlängert, 1986 stirbt sein Manager Gordon Mills – Tom Jones wählt den Sohn zu seinem neuen Manager. Ende der 80er Jahre feiert er ein beachtliches Comeback, als er gemeinsam mit The Art Of Noise „Kiss“ von Prince covert (unter anderem auf dem Soundtrack von „Meine Stiefmutter ist ein Alien“ zu finden), in den 90ern hat er ausschließlich in England einige Hits, das Comeback ist allerdings kein nachhaltiger Erfolg. 1998 hat Tom Jones einen großen Auftritt bei den BRIT Awards an der Seite von Robbie Williams, mit dem er seitdem befreundet ist – und holt zu seinem nächsten großen Schlag aus.
Tom Jones – Reload
Tom Jones spielt „Reload“ ein, singt mit The Cardigans, den Stereophonics, Robbie Williams, The Divine Comedy, arbeitet mit Mousse T, The Pretenders, Van Morrison, Barenaked Ladies, Simply Red, Zucchero, Natalie Imbruglia, Cery Matthews und Portishead – und verkauft das Album sechs Millionen Mal; in den USA wird es nicht einmal veröffentlicht. Tom Jones arbeitet gemeinsam mit Wyclef Jean, mit Jools Holland, den Jahreswechsel 1999/2000 verbringt er mit den Clintons in Washington, seinen 65. Geburtstag feiert Tom Jones in seinem Heimatort Pontypridd, bekommt seinen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame …
Ein alter Mann, der in die Herzen der Journalisten zurückgefunden hat, da sollte die restliche Karriere von Tom Jones ein Selbstläufer sein. Ist sie aber nicht. Bereits „Mr. Jones” geht 2002 unter. Es gibt nur wenige Alben eines großen, international bekannten Musikers, die noch relativ aktuell und derart billig im Zweitverkäuferhandel bei Amazon zu haben sind. Dabei sind die folgenden Arbeiten durchaus spannend, Tom Jones spielt gemeinsam mit John Farnham („Together In Concert“), mit Chicane (Nick Bracegirdle) – und unterschreibt dann einen Vertrag beim kleinen, neuen Label S-Curve Records von Steve Greenwood aus New York. Das sind vielleicht auch alles nicht die allerklügsten Schritte, wenn man schon Erfahrungen mit Flauten gemacht hat und in der Popstarweltspitze mitspielen möchte. Egal, Tom Jones singt beim „Concert for Diana“ im Sommer 2007, die britische Nationalhymne bei Boxkämpfen in Las Vegas, hat dort seine Show im MGM Grand Hotel und veröffentlicht im Herbst 2008 „24 Hours“, ein weiteres Studioalbum. Das ist besonders erwähnenswert, da Tom Jones, nachdem er einmal Liedmaterial vorgelegt bekommt und ablehnt, das wiederholt und dann einfach – erstmals in seiner Karriere – den Großteil der Lieder selbst schreibt. Daheim sind die Fans nicht so gnadenlos, auf der restlichen Welt, das ist eigentlich unglaublich, floppt die Arbeit. Es gibt wirklich wenige Künstler, die sich die Zuneigung der Öffentlichkeit so hart jedes Mal wieder erarbeiten müssen – den Sommer 2009 verbringt Tom Jones im MGM Grand. Tom Jones TOP NEWSTom Jones - Hatte guten KarriereberaterTom Jones - Im Oktober 2009 in DeutschlandTom Jones - Howie-Richmond-Hitmaker-Preis für den Tiger>> Alle News zu Tom Jones Tom Jones Fotogalerie![]() CD Reviews von Tom Jones findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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