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Yvonne Catterfeld - Star PorträtMan muss schon präzise sein, wenn es um Yvonne Catterfeld geht: sie wird einem großen Publikum als Seriendarstellerin in „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ bekannt. Wie so viele Soapdarsteller nutzt sie ihre Popularität, führt eine Promibeziehung und nimmt als Sängerin Alben auf, die, auch aufgrund ihrer großen Popularität, Erfolge werden.
Diese Erfolge stellen sich nicht automatisch ein; viele Soapdarsteller unterschreiben Plattenverträge und scheitern. Naja, scheitern ist ein wenig hart – meist ist der Moment ganz gut abgepasst, die Darsteller können kurzzeitig Erfolge einheimsen. Judith Hildebrandt etwa ist bereits bei „Marienhof“ und „Sturm der Liebe“ als hoffnungsvolles Talent aufgetreten, Wayne Carpendale, der Sohn des Schlagerbarden und lange Zeit die Promibeziehung Yvonne Catterfelds, geht über „Unter Uns“ auf den Boulevard. RTL scheint eh eine recht gute Schule für Soapdarsteller zu sein, die als Sänger hoch hinaus wollen. Aus „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ geht Mitte der 90er Jahre bereits Andreas Elsholz mit einem Sommerhit in die Charts, der ihm heute selbst peinlich ist, später folgt Oliver Petszokat, der Oli P, Schöpfer des unerträglichsten Grönemeyer-Covers aller Zeiten, inzwischen eine Allzweckwaffe im TV. Rainer Meiferts und Mia Aegerters Versuche, als Sänger in Deutschland Fuß zu fassen, bleiben wenig erfolgreich, dafür scheint Jeanette Biedermann die erste dauerhaft geglückte Karrierentransplantation des Soapzeitalters zu sein, bei der die Popularität einer Seriendarstellerin in eine Musikerkarriere hinüber zu retten und sie dort trotz verschiedener Imagewechsel zeitweise sogar auszubauen und einigermaßen zu konservieren gelingt.
Es folgt Yvonne Catterfeld. Die Karriere wird, das ist üblich, vorbereitet, während sie in der Serie noch Julia Blum darstellt. Eigentlich läuft der Aufbau der Sängerin parallel zur Ausarbeitung der Julia Blum. Wer singt, wenn Catterfeld Alben aufnimmt, ist nicht immer ganz klar. Auch die besungenen Themen können sowohl diejenigen Blums als auch die des jungen Stars Catterfeld sein. Blum ist eine ambitionierte Künstlerin, als Yvonne Catterfeld landet sie 2003 mit ihrem Debütalbum eine Woche auf dem ersten Platz der deutschen Charts. Das ist ein ungeheuerlicher Erfolg, den Catterfeld ihren Soap-Kollegen voraus hat. Weder Petszokat noch Biedermann haben eine ähnlich hohe Albumplatzierung zu verzeichnen. Auch die nächsten Alben, in genretypischer Eile auf den Markt geworfen, landen ebenfalls weit oben in den Charts, ebenfalls keine Selbstverständlichkeit, wie der eine oder andere meinen wird.
Yvonne Catterfeld richtet sich in der Rolle der spießigen, zerbrechlichen Prinzessin ein, haucht den Fans ihre frechen Schmachtfetzen extrem immer etwas zu hoch entgegen, wird als Moderatorin gebucht, nimmt regelmäßig Film- und Fernsehrollen an und ist seit 2001 in jedem Jahr in den Singlecharts vertreten. Sie spielt noch bis 2005 bei „Gute Zeiten-Schlechte Zeiten“ mit, feiert in dieser Zeit ihre größten musikalischen Erfolge und führt mit Oliver Wnuk eine Beziehung (Ulf Steinke bei Stromberg).
Wir sind zur Präzision verpflichtet, da vielfach die Zeit vor „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ unzulässig stark bei der Erklärung ihres Erfolges betont wird. Über die genaue Gewichtung lässt sich natürlich streiten, allein die Vermarktung über und die Popularität durch RTL ist entscheidend. Natürlich ist auch der Einsatz Thomas Steins nicht zu unterschätzen, dem Befürworter Daniel Küblböcks und Förderer der Wildecker Herzbuben, der Einsatz des Mannes, der Eko Fresh dazu bewegt, für die Bravo zu rappen, der 2004 aus völlig rätselhaften Beweggründen von BMG entlassen wird – die Musikausbildung jedoch, die Yvonne Catterfeld irgendwann einmal genießt, dient lediglich den Fans und der Vermarktung.
Diesmal sag ich was ich will …
Ein Jahr nach dem Ende bei „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ beginnt die Arbeit an einem neuen Image, das Album „Aura“ ist 2006 nicht einfach ein unerträglicher Titel, sondern auch der Abschied von der Chartspitze. „Glück im Halbplayback“ wäre das bessere Motto gewesen als das gequält ambitionierte Gehabe, das „Aura“ dominiert. Auf dem Cover und den Pressefotos erinnert Catterfeld jetzt verblüffend Romy Schneider, und zwar jener Romy Schneider, die verzweifelt versucht, sich von Sissy zu lösen, was jedoch in Deutschland kaum einer akzeptieren kann – und jene Romy Schneider, die dann eine neue Chance in Frankreich erhält, bevor sie, so heißt es, an gebrochenem Herzen stirbt …
Text und Bildsprache lassen eine deutliche Ernsthaftigkeit hinter dem Versuch vermuten, an dem eigenen Bild etwas zu ändern. Yvonne Catterfeld stehen viele Wege offen: zwischen Gurkenlaster und Michelles Beichten befindet sich ein Scheunentor von einer Durchfahrt. Sie jedoch setzt auf einen Wechsel, und auch wenn der erste Wurf scheitert, gestatten wir großzügig den ersten Versuch, ermuntern sogar zu einem weiteren, während wird uns einen kurzen Überblick über den Rest verschaffen …
Yvonne Catterfeld - Der Rest
Yvonne Catterfeld ist Erfurterin, erblickt im Dezember 1979 das Licht der Welt. Mit elf Jahren dichtet sie bereits; sie ist 15 Jahre alt, als sie beginnt, verstärkt an ihrer musischen Ausbildung zu feilen beginnt: sie tanzt, spielt mehrere Instrumente und studiert nach dem Abitur an der Musikhochschule Leipzig Jazz- und Popularmusik. Die Eltern sind dagegen, sie überzeugt – wie auch bei ihrem Abitur – durch Fleiß und gute Noten.
KIV (!) ist ihr erster Künstlername, sie veröffentlicht während ihres Studiums sieben Lieder unter dem Namen. Als Viviane tritt sie 2000 bei einem MDR-Gesangswettbewerb an – und wird zweite, eine glückliche Platzierung; das weiß jeder, der gerne Castingshows verfolgt. Thomas Stein, der einige Monate später zum ersten Mal mit Dieter Bohlen in der Jury von DSDS sitzt, ist als Experte und Musikmanager von BMG Deutschland vor Ort und schustert Catterfeld einen ersten Vertrag bei einer Tochter von BMG zu.
Sie singt für Udo Lindenberg und beginnt, in der Superstarfabrik RTL zu arbeiten. Nach drei Singles bei steigender Aufmerksamkeit (darunter ein All-Saints-Cover), wird mit „Gefühle“ 2003 die erste Single vom Debütalbum „Meine Welt“ auf den Markt gebracht. Ein ordentlicher 26. Platz in den Charts, die zweite Single „Für Dich“, geschrieben von Dieter Bohlen und Thomas Hilpert, ist der entscheidende Erfolg.
Sechs Wochen Platz eins, Beweis genug, dass Bohlen noch immer weiß, wie die Leute ticken. Mühelos wird er diese Erfolge in der Zukunft bestätigen. Mit Yvonne Catterfeld hat er einen fleißigen, disziplinierten Produzentenengel an der Hand, dessen Stimme, so fühlen es die Fans, immer den direkten Weg zum Herzen findet. „Du hast mein Herz gebrochen“ ist 2004 direkt der nächste Nummer-eins-Hit. Das zweite Album „Farben meiner Welt“ (2004) verfolgt recht Konsequent die Roadmap des Erstlings, Bohlen hat die Federführung, Catterfeld arbeitet mit Xavier Naidoo und Dave Stewart (Eurythmics), erhält den ECHO und ihren zweiten Bravo Otto, für „Unterwegs“, das Album von 2005, stehen ihr Laith Al Dean, Annett Louisan, Patrick Nuo, Silbermond und Die Prinzen an ihrer Seite.
2006 erscheint das Album „Aura“, „Erinner´ mich dich zu vergessen“ ist der größte Singleerfolg und das erste Lied des Albums, „Die Zeit ist reif“, scheint so etwas wie eine Willenserklärung zu sein, die Karriere allein in die Hand zu nehmen. Für Fans der Sängerin muss sich das empörend anhören, immerhin ist sie selbstverständlich stark auch in die Arbeiten an den Vorgängerprodukten involviert, nun ist nicht nur textlich deutlich zu erkennen, dass eine neue Zeit anbrechen soll (auch wenn sie „Ain´t No Sunshine“ von Bill Withers gnadenlos gegen die Wand setzt). Yvonne Catterfeld schreibt sich nun zumindest als Co-Autorin der Lieder in das Booklet ein, die zunehmend von R&B-Elementen bestimmt werden.
Yvonne Catterfeld ist auf einem guten Weg, leider fehlt ihr ganz offensichtlich die Zeit. Wie bei vielen ähnlichen Beispielen scheint auch hier der Charterfolg eng mit der Fernsehpräsenz zusammenzuhängen. Seit ihrer Demission bei „Gute-Zeiten – Schlechte Zeiten“ scheitert eine Telenovela mit ihr an den unsinnigen Quotenvorgaben der ARD, Catterfeld ist nur noch sporadisch in Filmen zu sehen – dabei hat sie allerdings eine wundervolle Rolle als Yvonne Catterfeld an der Seite von Wladimir Klitschko in „Keinohrhasen“ von Til Schweiger, 2008 teilt sie sich eine Rolle mit Ingo Naujoks in die „Hexe Lilli“. Yvonne Catterfeld Fotogalerie![]() CD Reviews von Yvonne Catterfeld findet Ihr auf CDSTARTS.de Kostenlose Songtexte von Yvonne Catterfeld bietet lyrix.at |
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