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A Fine Frenzy
A Fine Frenzy Foto © by Virgin-EMI

 A Fine Frenzy 

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Und noch eine dieser blutjungen Singer-/Songwriterinnen, die 2007-2008 für Verzückung bei vielen Rezensenten sorgen und zu einem Eroberungszug durch die europäischen und amerikanischen Charts aufbrechen. A Fine Frenzy ist Alison Sudol, im Dezember 1985 in Seattle zur Welt gekommen. Ein Akademikerkind, die Eltern trennen sich, als Alison Sudol fünf Jahre alt ist, die Mutter zieht mit ihrer Tochter nach Los Angeles ...

 

Es ist verblüffend, wie viele Musiker Scheidungskinder sind – das kann man fast schon in Ratgebern für Eltern, die ihre Karriereträume an ihren Blagen auszuleben versuchen, als Tipp aufnehmen: lasst euch scheiden! Quält die Kinder noch mehr! Alison Sudol bzw. A Fine Frenzy behauptet zum Beispiel, dass sie einen besonders intensiven Erinnerungsschatz aus der Zeit in Seattle hat, die Nähe zum Wasser ihr eine Beruhigung sei, während die Basis ihres musikalischen Erfolges angeblich in der Zeit danach gelegt wird – die ersten Jahre in Kalifornien sind ihrer Erinnerung abhanden gekommen. Ein Trauma, auf dem sich musikalisch grandios aufbauen lässt.

 

A Fine Frenzy liebt Literatur des 19. Jahrhunderts, Märchen – und Shakespeare, ihre eigenen Träume, die Natur, den Regen, die Sonne, den Mond und Obstbäume und setzt das in zuckersüße Lieder um. Das erste, das sie am Klavier komponiert, ist „Almost Lover“. Alison Sudol steht stellvertretend für viele der elfengleichen Wesen, die sich zurückziehen, um sich ihren Träumen hinzugeben, die den Verletzungen, die ihnen von Männern zugefügt werden, Kunst schaffend begegnen und sich selbst an dem Punkt, an dem sie Erfolg haben und vor Selbstbewusstsein nur so strotzen müssten, gleichbleibend geben.

 

Das kann nerven, ist aber manchmal auch einfach schön. Natürlich ist es eine Frage des Hörergeschmacks, ob A Fine Frenzy gerade so eben auf dem Trockenen balanciert oder gnadenlos durch triefenden Kitsch stapft. Die Vorbilder, die A Fine Frenzy vorgibt zu haben, hört man ihr jedenfalls nicht an. Vielleicht gibt sie auch eher vor, wer sie richtig gut finden soll, wenn sie Radiohead sagt oder Björk oder The Rolling Stones.

 

A Fine Frenzy, also Alison Sudol, verlässt mit 16 Jahren die High School und gründet eine Band. Mit 18 Jahren verlässt sie die Band und beginnt daheim allein an ihrem Piano zu komponieren. „Almost Lover“ will man genau das anhören. Alison Sudol nennt sich „A Fine Frenzy“ nach irgendeiner Stelle in William Shakespeares „Sommernachtstraum“ und verschickt erste Demos. Sie erhält keine Einladung, sondern bekommt Besuch. Jason Flom, ein erfahrener Musikmanager, der lange für Atlantic Records gearbeitet hat, für den Laden an der Verpflichtung von Tori Amos beteiligt gewesen sein soll (das wäre schlüssig) und nun Posten bei Virgin Records bzw. EMI bekleidet, kündigt sich an.

 

Er macht A Fine Frenzy und der Mutter seine Aufwartung, entschuldigt sich für seine Verspätung und legt der Künstlerin, nachdem sie ihn live verzückt, einen Vertrag vor. Zu einem Text über A Fine Frenzy gehört, dass sie sich primär als Bühnenmusikerin versteht. Bitte sehr. Von nun an geschieht viel. Natürlich, dafür sorgt das Label (Virgin). Das Debütalbum selbst, der magische Beginn, darf trotzdem vernünftig reifen. Drei Jahre schreibt A Fine Frenzy an Liedmaterial, sie hat starke Hilfen an ihrer Seite, eine starke Kampagne hilft ihr, mehrere Tracks und auch sich selbst in der Öffentlichkeit zu positionieren.

 

Lukas Burton ist einer der Produzenten, der Mann will James Blunt bereits gefördert haben, als Queen Mum noch lebte und der Sänger noch Uniform trug. Außerdem hat er mit Dido und Paul McCartney gearbeitet. Der zweite Produzent, der mit A Fine Frenzy an den Kompositionen schraubt und die Aufnahmen begleitet, ist Hal Cragin. Der spielt schon einmal Bass für Iggy Pop und arbeitet mit Rufus Wainwright zusammen, einem der (von popmusikalischem Fachpersonal) immer wieder in den Himmel gehobenen Singer-/Songwriter.

 

Die Musiker, die für A Fine Frenzy ins Studio gehen, sind ebenfalls handverlesen. Ob Peter Bradley Adams, ein Pianist, der selbst mit Emotionen überladene Soloalben auf den Markt gebracht hat, Michael Brauer, ein New Yorker, der schon sehr edle Ware abgemischt hat, der Gitarrist Michael Chaves (der bereits mit Rufus Wainright und Iggy Pop zusammengearbeitet hat), Danny Kalb, ein alter New Yorker Blues-Gitarrist, Suzie Katayama, David Campbell, Joy Waronker, Dave Levita – eine ganzes Musikinstitut begibt sich mit A Fine Frenzy ins Studio.

 

2006 eröffnet A Fine Frenzy für Iggy Pop und seine Stooges, schaut sich an, wie der alte Mann in sein Publikum hüpft und sich noch nach ungefähr einem halben Jahrhundert Bühnenerfahrung mit völlig bekloppten Zeitgenossen umgibt, A Fine Frenzy spielt auf dem South by Southwest in Austin, Texas ...

 

A Fine Frenzy – One Cell In The Sea

 

… und veröffentlicht im Juli 2007 (in den USA) ihr Debütalbum „One Cell In The Sea“. Damit nicht nur die Konzertgänger und die Freunde der Konzertgänger von A Fine Frenzy hören, werden verschiedene Lieder der Künstlerin in US-TV-Serien platziert (bzw. von diesen gebucht). „Lifesize“ etwa ist im Frühjahr 2007 in einer Folge von „One Tree Hill“ zu hören, „Almost Lover“ in „Big Shots“ und später in „The Hill“, das Lied „Hope For The Hopeless“ im April in „Dr. House“, im Oktober 2007 in einer Folge von „Private Practice“, „Ashes And Wine“ in „brothers & sisters“ und „Wildfire“. In letztgenannter Serie kommt auch „Near To You“ unter.

 

Im September 2007 stellt A Fine Frenzy in einer Folge von „CSI: NY“ eine berühmte Sängerin dar. Ein Lied wird noch für den Soundtrack zu „Dan – Mitten im Leben“ genutzt, ein weiteres für eine der Starbucks Entertainment Compilations. Glänzendes Merchandising, außerdem ist A Fine Frenzy mit Rufus Wainwright auf Tour und schaut sich dabei jeden Auftritt ihres Kollegen an. A Fine Frenzy hat bereits zu Beginn ihrer Karriere eine erstaunliche Reichweite.

 

Erst Ende Januar 2008 erscheint in Deutschland die erste Single der Künstlerin. „Almost Lover“, ein wirklich schönes Ding, schafft es in die Top 10. Das Album selbst, das durchaus abwechslungsreich und noch zwei bis drei weitere starke Nummern aufzuweisen hat, gibt es schließlich am 22. Februar in Deutschland und landet nicht ganz so weit oben in den Charts. Das ist es dann erst einmal. Offenbar hat man labelseitig mehr erwartet - uns hat das schonmal gereicht, und wir freuen uns immer über Neuigkeiten aus dem Hause A Fine Frenzy.


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