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Adele
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… und dann gibt es noch Adele. Das ist die beste der neuen Engländerinnen für die einen, wenige haben derart großzügig Vorschusslorbeeren erhalten wie die junge Frau aus dem Norden Londons, für nicht wenige Professionelle (Musikkritiker u.ä.) ist ihr Erfolg nicht mehr als ein Strohfeuer, der überschätzte Teil eines Hypes; im Wissen, dass nicht alle aus dem zweiten Schwung der neuen, eigenwilligen und eigenständigen Sängerinnen den Status dauerhaft großer Musikstars schaffen werden, scheint Adele, kurz nachdem ihr die vorzüglichsten Prognosen gestellt werden, bereits ein wenig zu stagnieren.

 

Adele hat, wie viele der Künstlerinnen, mit denen auch wir sie in einen Topf werfen, ihre Klassenarbeit in Form eines Albums abgegeben und mit „19“, wenn man die Verkaufszahlen nimmt, ordentlich gepunktet. Nimmt man die ganzen Amys, also Studt, Macdonald und vor allen Dingen Duffy, steht Adele recht gut da, lediglich Duffy scheint ihr ernsthaft zur Bedrohung geworden zu sein, nachdem Adele sie zur Jahreswende 07/08 bei den Buchmachern in die …

 

Da merkt man einmal, wie bekloppt das alles ist und wie sicher die ganze Aufregung bereits auf ihr Ende zuschippert. Wir befinden uns auf dem Höhepunkt eines Hypes, an dem das Interesse zwangsläufig wieder nachlassen wird, die Sängerinnen werden gehandelt wie Spekulationsobjekte und jede Prognose ist mutig, weil sich selbst in diesem Feld eine Spekulationsblase gebildet hat, die zwangsläufig bersten wird. Dabei sollte es eigentlich um das Vergnügen des Musikkonsums gehen, das eben nicht endlich ist und für das Adele eine ganze Menge zu bieten hat.

 

Adele Laurie Blue Adkins kommt im Mai 1988 in Tottenham zur Welt, im Norden von London. Sie wächst bei ihrer Mutter auf. Bereits als kleines Kind unterhält Adele als Sängerin Dinnerpartys, immer noch keine richtige Jugendliche, zieht sie in den Süden Londons, hat ein merkwürdig vielfältiges Interessengebiet von Destiny´s Child bis Ella Fitzgerald.

 

Adele – BRIT School for Performing Arts & Technology

 

Der nächste Schritt, der, so sieht es zumindest aus, zu einer zwingenden biografischen Signatur eines jeden neuen britischen Solostars zu werden scheint, ist die Aufnahme auf die BRIT School (for the bla) in Selhurst. Adele ist 14 Jahre alt, als sie die Zusage der BRIT School erhält, just in dem Jahr, in dem Amy Winehouse ihr Debütalbum in der Kantine vorstellt. In der BRIT School wird Popstar zu einem Lehrberuf, in dem jungen, talentierten Künstlern nicht nur Handwerkliches beigebracht wird, sondern ihnen auch Schulungen im Vertragswesen, Rollenspiele, Einblicke in das Geschäft und die Strukturen der Musikindustrie geboten werden etc.

 

Für Leute, die noch immer glauben, dass ein Superstar quasi alle Fähigkeiten aus seiner Wiege mitbringen muss, dass man der Rockmusik etwas nimmt, wenn man die jungen Rockmusiker nicht gegen wirklich alle Wände rennen lässt, ist so eine BRIT School natürlich nichts. Sie ist vor allen Dingen längst nicht die einzige Schule dieser Art, ihre Schwestersysteme weisen inzwischen ebenfalls erstaunliche Erfolge vor.

 

Adele und ihre Kollegen sitzen direkt an verschiedenen Quellen, sie haben Leute, die sie nicht einfach beklatschen, die ihnen fachliche Ratschläge erteilen können, die Labels sind nicht weit, und weil es in den britischen Medien mehr als ein Format gibt, das jungen Musikern ein Forum bieten kann, haben viele Absolventen Auftritte vor großem Publikum, noch bevor sie überhaupt irgendeine Veröffentlichung haben. Adele bringt ihr Lied „Hometown Glory“ gleich in zwei TV-Serien unter, seit 2004 ist sie auf MySpace zu besuchen.

 

Ihr Liedmaterial ist alles andere als homogen – es gibt Stücke, die sie vorträgt, während sie sich selbst lediglich mit einem Bass begleitet, andere sind geradezu bombastisch instrumentiert. Die Stimme Adeles muss man mögen, ihren starken Lokalkolorit ebenso. Sie findet schnell Verbündete, etwa den Londoner Jack Peñate, den wunderbaren Jamie T oder den komischen Devendra Banhart aus Texas, mit denen sie tourt.

 

Rechtzeitig zu ihrer ersten eigenen Tour veröffentlicht sie „Hometown Glory“ bei Pacemaker Recordings, die erste Single, die lediglich als Vinyl oder bei iTunes zu haben ist. Ende 2007 geht es dann richtig rund. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Musiker, darunter Adele, sich diesen komischen Kampf um die Nachfolge von Amy Winehouse selbst ausgedacht haben. Das waren ganz sicher die Medien. In jedem Fall schadet die Aufmerksamkeit nicht, wenn auch zum Teil sehr unterschiedliche Sachen miteinander verglichen werden. Adele oder die neuen Amys? Zunächst scheint Adele den anderen eine Nasenlänge voraus zu sein.

 

Adele – 19

 

Sie vereinbart einen Vertrag mit XL Recordings, einem sehr sympathischen Indiependent-Label aus London, das sie mit einigen der oben genannten Künstler auf Tour schickt. Adele tritt mit und bei Jools Holland auf BBC2 auf, auf BBC1 gibt sie „Chasing Pavements“ zum Besten … Adele erhält bei den Brit Awards die Auszeichnung der Kritiker, die britischen Experten sehen sie eh auf der Überholspur und prognostizieren, dass 2008 ihr Jahr wird.

 

Dabei hat sie, das muss betont werden, noch immer keine vernünftige Veröffentlichung, also eine, die man sich ohne weiteres im CD-Geschäft kaufen kann. Das folgt allerdings bald: am 20. Januar erscheint in England die Single „Chasing Pavements“, sie erreicht immerhin Platz zwei der Single-Charts, ein wundervolles Lied, ein hochdramatisches Video, das Album „19“, das Anfang Februar erscheint, erobert Platz eins.

 

In Deutschland gibt es den Hype nicht, die Gala und ähnliche Blätter berichten mal über die Musikerinnen, interessant ist allerdings vorwiegend Amy Winehouse. Und Duffy, die immer einen Tick hinter Adele her veröffentlicht, räumt diese in schöner Regelmäßigkeit beiseite (diese Contest-Geschichte ist einfach zu ansteckend). Auch die Kritik steht überwiegend auf Seiten Duffys.

 

Anfang März gibt es die Single auch in Deutschland, sie schafft gerade einmal knapp die Top-50. Das Album, das hier am 21. März erscheint, kommt immerhin auf dem 19. Platz unter. Adeles Musik scheint wirklich nicht für den deutschen Markt gemacht zu sein, dafür geht sie nach Japan, tourt wiederholt durch England, tritt in den USA auf, unterschreibt dort bei Columbia Records … das war noch nicht der große Wurf, der kann jedoch noch kommen. Das Album jedenfalls lässt sich ganz wunderbar hören.

 

Während der 51. Grammy-Verleihung im Februar 2009 in Los Angeles notieren die Buchmacher, dass es Adele auch jenseits des großen Teiches geschafft hat. Sie gehört zu den Künstlern, die sowohl als Musiker auftreten als auch als Grammygewinner. Gleich mehrfach nominiert, geht der Preis für den besten neuen Künstler an Adele, und der für die Best Female Pop Vocal Performance ebenfalls. Duffy erhält nen anderen Preis.


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