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Amy Winehouse
Amy Winehouse Foto © by Universal Music

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Wer zu Amy Winehouse recherchiert, liest erst einmal viel über Saufgeschichten, Schlägereien mit ihrem Exmann, Vergleiche mit Pete Doherty, Auswanderungspläne (waren das überhaupt Pläne?), dann kommen unglaublich viele Awards, die sie in ihren wenigen Medienjahren erhielt – und schließlich Rezensionen ihrer Musik, die voller Lob sind. Das sind derartig auffällige Missverhältnisse, dass der Verdacht nahe liegt, hier sei einfach ein Hype konstruiert worden, der die vakante Stelle des kaputten weiblichen Genies ausfüllen sollte.

Lauscht man den Alben der Amy Winehouse, kann von konstruiertem Hype und großer Manipulation bereits nicht mehr die Rede sein. Sie hatte eine tolle Stimme, ihre Musik besitzt zu recht viel gelobte Eigenheiten, die Referenzen, die sie sich sucht, sind nur die Allergrößten und das Gesamtpaket bleibt wundervoll, auch wenn Amy Winehouse von den Drogen erzählt, die ihr viel zu kurzes Leben bestimmt und zerstört haben.

Lange lebten wir in Sorge. Seit Anfang 2007 war man allseits besorgt um Amy Winehouse. Musikerkollegen waren besorgt, Mick Jagger etwa warnte ausdrücklich davor, ihm nachzueifern, die Boulevard-Presse hängte sich der Sängerin besorgt an die Fersen und dokumentierte jeden ihrer Ausfälle sorgfältig, Musikjournalisten nahmen die Steilpässe der Boulevardjournalisten auf und nötigten uns permanent, uns mit ihren Sauf- und Suchtproblemen auseinanderzusetzen; das ging so weit, dass besorgte Schwiegereltern darum baten, die Alben der Winehouse nicht zu kaufen, damit das Kind auf den Boden irgendwelcher Tatsachen zurückkehren könne, darauf spekulierend, dass ihr der Erfolg Illusion genug zum Untergang sei. Der Untergang kam dann aber so verstörend schnell und konsequent, dass uns Fans von Amy Winehouse nichts blieb, als seine Unausweichlichkeit über Tage körperlich zu spüren.

Die Londonerin Amy Winehouse kam am 14. September 1983 zur Welt. Nicht gerade der übliche Ort für die Geburt einer großen Soul-, Blues- und Jazzstimme; das war Amy Winehouse aber, und so ist das mit der Globalisierung. Aus London kommt die Stimme, die begeisternde, vorsichtige Vergleiche mit Nina Simone provoziert oder mit Shirley Bassey, Macy Gray oder Erykah Badu, was völlig albern ist, aber auch eine Hilflosigkeit bei dem Versuch einer Einordnung des eigenwilligen Mixes aufzeigt.

Amy Winehouse fluchte, erzählte vom Vollräuschen und Sex, und legte eine Verweigerungshaltung an den Tag, wie es sich eigentlich nicht für eine Dame ziemt. Sie konnte rau klingen, satt und die Pulle in ihrer Hand oder der bis an den Rand gefüllte Rotweinkelch war hörbar. Eigentümlich war auch ihr Äußeres. Es erinnerte an die 50er, an die Karikatur dessen, wovor die Duckmäuser jener Zeit gewarnt haben. Ihre Haare waren manchmal nur knapp – aber deutlich genug – an den Frisuren der Staubsaugerwerbungen vorbeitupiert, ihre Arme schmückten Tätowierungen mieser Qualität, die sich wie Erinnerungen und Momentaufnahmen in der Haut verewigt zu haben schienen.

Sie entstammte einer musikbegeisterten Familie, heißt es. Die Mutter trug Amy Winehouse die Klampfe an, der Vater den Jazz zu – selbst die Großmutter ihr Scherflein bei. Für die komplexe Persönlichkeit ließ sich kein Verantwortlicher alleine ausmachen. Früh wurde Amy Winehouse an die Sylvia Young Theatre School geschickt, musste allerdings nach einigen Jahren ihre Hüte nehmen (Pearcings, sagt man). Es schien klar, in welche Richtung ihre Reise zu gehen hatte, schließlich wechselte Amy Winehouse an die BRIT School, eine anerkannte Institution, die sich britischer Nachwuchskünstler annimmt. Die Legende besagt, dass ihr Demotape von einem Freund, dem hier kaum bekannten Schmuse-Soul-Barden Tyler James, abgeschickt wurde – und in der Agentur von Simon Fuller landete, dem nachgesagt wird, er habe nicht weniger als die Stilikonen „David und Victoria Beckham“, das Quizmassaker „Wer wird Millionär“ und die Auferstehung für totgeglaubte Musikexperten „XY sucht den Superstar“ erfunden. Und Island Records legte Amy Winehouse einen Vertrag vor.

Amy Winehouse - Frank

Sie muss mehrere Leute von sich überzeugt haben. Amy Winehouse bildete das Produktionsteam gemeinsam mit Salaam Remi, ist zu lesen. Dieser Remi war bereits wer, hatte ab Mitte der 90er Jahre in erfolgreichen Arbeiten von den Fugees, Kevin Lyttle und vor allen Dingen vielen NAS-Stücken seine Finger, arbeitete mit Ms. Dynamite und der ultrabraven Chrisette Michele.

Man gab sich Mühe, das erste Amy Winehouse Album – in einer guten Zeit für Solodebüts großer Singer-/Songwriterinnen – mit einer satten Portion Rotz und Eigenwill, Jazz und Soul, aber auch populären Hiphopelementen einmalig zu machen. Es durfte scheppern und verquer klingen, die Tracks wurden von jazzigen Percussion-Einsätzen überfallen, während sich Amy Winehouse auf dem Cover doch erstaunlich medienkonform lasziv gab. Man kann der Bastelarbeit regelrecht anhören, dass Amy Winehouse auch für Kritiker gedacht ist, die aufgeregt ein Qualitäts- und Stimmwunder zu hören glauben und atemlos in Jubelarien auszubrechen wünschen.

Das Album „Frank“ erschient im Oktober 2003 – die Kritiker bejubelten es mehrheitlich. Mit Ansage. Was die Verkaufszahlen anging, war es ein ordentliches, keinesfalls jedoch überragendes Debüt. Erst 2007, durch den Erfolg des zweiten Albums, stieg „Frank“ erneut in die Charts ein und machte es sich dort gemütlich. Immerhin wurde Winehouse für Preise nominiert, auf Festivals eingeladen (unterschiedlicher Musikgenreausrichtung, vom Glastonbury bis hin zu Jazzfestivals) – und gab damit eine erste Marke ab. Früh, und das hört man nicht alle Tage, übte Amy Winehouse harsche Kritik an ihrer eigenen Produktion, äußerte ihr Missfallen über das Ergebnis einiger Nachbearbeitungen und Entscheidungen des Labels. Das ist ein Charakterzug, der in den Schilderungen der Exzesse oft untergeht: Amy Winehouse war überaus kritisch mit ihren Arbeiten, hat sie zerlegt, konnte sie nicht loslassen, selbst ihre später wenigen guten Auftritte hasste sie wegen irgendwelcher Kleinigkeiten. Sie hatte viele Eigenschaften eines unter der Last des eigenen Anspruchs verzweifelnden Genies.

Amy Winehouse - Back To Black

Amy Winehouse hatte halt ihren eigenen Kopf. Fragen aus ihrem besorgten Umfeld, ob sie nicht eine Entziehungskur in Erwägung ziehen wolle, erteilte Amy Winehouse direkt mit dem ersten Lied ihres zweiten Albums eine Absage. „Rehab“ heißt es – und meint: „Nein.“ Amy Winehouse lebte offensiv. Inzwischen hielt sie einen Großteil der Presse komplett ohne Musik. Vor allem die ewig kriselnde Ehe mit Blake Fielder-Civil wuchtete sie permanent in der Öffentlichkeit. Mal prügelte sich Amy Winehouse mit ihrem Gatten, mal stolperte er völlig besoffen auf Kate Moss zu und macht ihr Angst; es gab wahnsinnig traurige Momente, in denen sie einen Preis entgegennahm und völlig hilflos wirkte. Keiner jedoch kann sagen, ob „Back To Black“, das Album, das im Oktober 2006 erschien, wirklich so ein weltweiter Erfolg ohne die ganze Scheiße geworden wäre. Das Album ist richtig gut, weitaus besser als die vorangegangene Produktion. Amy Winehouse hat eines dieser Alben geschaffen, die in den Charts deplaziert wirken.

Hilflos kann hier einmal mehr nur häppchenweise durcheinandergeworfen werfen, was überall beim Versuch der Kategorisierung zu lesen ist: 60s, Retro, Motown aber auch Filmmusik und bestimmt modern ist das ganze. Gut zum Knutschen und gut zum Zugfahren, ein guter Grund, mal wieder zu einem Konzert zu gehen und wie ein junges Fohlen durch ein Mohnfeld zu pflügen. Was Amy Winehouse machte? Sie nahm die ganzen Awards, die sie noch immer erhielt, gewöhnlich nicht mehr persönlich entgegen. In der ersten Jahreshälfte 2009 lebte sie überwiegend auf St. Lucia in der Karibik, wo sie sich - unter anderem - mit dem Schreiben neuer Lieder beschäftigte, die, weil sie stark von karibischen Traditionen inspiriert sind - bei ihren Labelchefs für Angst und Schrecken sorgten. Ändern sollte sie sich nämlich offensichtlich nicht, die Amy, der radikale Änderungen sehr gut getan hätten.

Bis 2011 wechselten sich Meldungen über neue Fehlleistungen, hoffnungsfrohe Botschaften über neuen Lebensmut und von neuen Studioaufnahmen, Konzertankündigungen und -absagen ab. Am 23. Juli lag Amy Winehouse dann tot in ihrer Londoner Wohnung. Sie war eines der größten Versprechen der Popmusik, im Nachhinein wirkt ihr früher Abtritt unausweichlich und bleibt unfassbar traurig.


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