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Ashlee Simpson
Ashlee Simpson Foto © by Universal Music

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Ashlee Simpson kommt aus dem offensichtlich unerschöpflichen Pool von Britneys, den die USA irgendwo in Texas haben. Als kleine Schwester der ungleich bekannteren Jessica Simpson ist Ashlee Simpson gezwungen, sich zu spezialisieren, um dem Schatten – was soll der Scheiß. Ashlee Simpson legt eine zeitgemäße Musterkarriere hin: Ashlee Simpson wird gedrillt, buckelt sich nach oben, spielt in jeder noch so bescheuerten TV-Serie mit, nutzt den Schatten der Schwester, geht als It-Girl in das Reality Fernsehen, bekommt die „Ashlee Simpson Show“, in der gezeigt wird, wie ihr die Musikerinnenkarriere angepasst wird, man kann sie hassen, sie wird beherzt verhöhnt, man kann sie verehren, es gibt eine ungewöhnlich aktive Vielzahl von Fans, Ashlee Simpson veröffentlicht gut produzierte Alben, hat Hits, die dem einen ein Ärgernis, einem anderen die Erfüllung sind. Alles scheint entschieden.

 

Die lange Version: Ashlee Nicole Simpson kommt 1984 im texanischen Waco zur Welt. Neben den Simpson-Schwestern sind auch Steve Martin und Jennifer Love Hewitt Kinder der Stadt. Der Vater Joe Truett ist hauptberuflich Baptist, bis er zum Manager seiner Töchter und Betreiber seines eigenen Labels (Papa Joe Records) avanciert, die Mutter ist Lehrerin an einer Sonntagsschule und sorgt für den Lebensdrill der Schwestern. Die Familiengeschichte riecht ein wenig nach amerikanischem Traum, die Eltern wissen, was die Kinder wollen, sorgen für das Beste.

 

Ashlee Simpson bekommt ab dem dritten Lebensjahr Ballettunterricht, der der Elfjährigen einen Platz an der School of American Ballett in New York einbringt. Nachdem Jessica einen Plattenvertrag erhält, führt dies die gesamte Familie nach Los Angeles. Im Tross ihrer Schwester ist Ashlee als Tänzerin unterwegs, sie wird in TV-Serien geparkt, spielt 2001 bei „Malcolm mittendrin“, 2002 bei „Hot Chick – Verrückte Hühner“ kleine, Fans kaum erwähnenswerte Rollen, von 2002 bis 2004 spielt Ashlee Simpson dann Cecilia Smith, in der unglaublich reaktionären Pastoren-Sendung „Eine himmlische Familie“.

 

The Ashlee Simpson Show

 

MTV meint es gut mit der Simpson-Familie. Jessica ist mit ihrer jungen Ehe mit Nick Lachey auf Sendung, mit Ashlee Simpson werden 2003 und 2004 zwei Staffeln „The Ashlee Simpson Show“ gedreht. Die erste Staffel beginnt mit der Vertragsunterzeichnung bei Geffen Records und endet mit der Veröffentlichung des Debütalbums. MTV sendet die „Show“ in etlichen Ländern, und auch wenn die potentiellen Hörer die Sendungen zum Teil stark zeitversetzt präsentiert bekommen, langt es, um ihren Kaufentscheidungen gute Argumente zu liefern.

 

Es ist interessant, dass es Ashlee Simpson nicht schafft, sich stärker in Szene zu setzen – trotz des ganzen Aufwandes ist Ashlee Simpson noch heute vergleichsweise unbekannt, sie ist vielen in erster Linie als Pannen-It-Girl und modischeres Gegenstück ihrer Schwester ein Begriff. Ashlee Simpson soll was Rotziges und Rockiges bekommen. Das gelingt selbst im Rahmen der Möglichkeiten nicht. Ein immer wieder zitierter, schwachsinniger Vergleich mit Garbage stammt aus der Sendung – liebe Leser, direkt wieder vergessen, bitte.

 

Statt einer sorgfältigen Imagegestaltung im Chaos werden immerfort die namhaften Produzenten heruntergebetet, die Ashlee Simpson an die Seite gestellt werden. Guy Chambers, der Mann, der lange mit Robbie Williams arbeitet, ist einer von ihnen. John Shanks, ein alter Haudegen im Produzentengeschäft (Melissa Etheridge, Sheryl Crow, Anastacia, Alanis Morissette) wird zum verantwortlichen Produzenten gekürt, Kara DioGardi schreibt etliche der Lieder für das Album, Ashlee Simpson wird überall als Co-Autorin angeführt, schließlich soll Ashlee Simpson zu einer „richtigen“, einer Rockröhre von altem Schlag aufgebaut werden. Sie begegnet P.Diddy und Jay-Z, man huldigt sich gegenseitig …

 

Ashlee Simpson - Autobiography

 

Auf die Veröffentlichung des Debüts „Autobiography“, Ausdruck ihrer Selbständigkeit als Künstlerin im Juli 2004, folgt die filmische Dokumentation der Zeit danach – selbstverständlich durch MTV.

 

Ashlee Simpson hat etwas von Avril Lavigne, ein bisschen von Christina Stürmer, ein bisschen was von Pink, mit viel gutem Willen. Planmäßig landet das Album auf Platz eins der Billboard-Charts, verkauft sich genau so ordentlich, wie man das von ähnlichen Fernsehmusiksachen erwartet. Ein Auftritt bei Saturday Night Live im Oktober 2004 verläuft etwas unglücklich. Eine Panne, die bei den meisten Popsternchen schnell vergessen wäre, wird der „richtigen“ Rockmusikerin Ashlee nicht nachgesehen: Ashlee Simpson bewegt ihren Mund nicht synchron zum Playback, eher gar nicht. Wenig später erwartet sie ein Pfeifkonzert bei einer Sportveranstaltung. Da muss Ashlee Simpson durch, ihre Tour durch Nordamerika ist immerhin ausverkauft und findet im Frühjahr 2005 statt.

 

Ashlee Simpson wird extrem geliebt und extrem verachtet, das ist die Regel bei Casting- und Reality-Show-Acts. Ashlee Simpson spielt in „Undiscovered“, einem uninspirierten College-Künstler-Liebesfilm, die Clea und wird für die Goldene Himbeere als schlechteste Nebendarstellerin nominiert, allerdings nicht gekürt.

 

Ashlee Simpson - I Am Me

 

Beinahe trotzig heißt das zweite Album, das im Oktober 2005, in Europa erst 2006 erscheint, „I Am Me“. Während das Album in den USA erneut die Charts erobert, hat es hierzulande keinerlei erwähnenswerten Erfolg. Lediglich die Single „Boyfriend“ wird zum Ohrwurm und scheint den immer wieder falsch liegenden Radiomachern zu gut zu gefallen … das ist eine andere Geschichte.

 

Ashlee Simpson belegt, dass die Lieder zumindest für sie, wenn nicht sogar von ihr geschrieben sind. Es gibt Leute, die Ashlee Simpson mögen und andere, die sich darüber arrogant hinwegsetzen – und das soll nicht sein. Im März 2008 erscheint das dritte Album, diesmal sind neben Kara DioGuardi auch Timbaland, will.i.am, The Neptunes und John Legend an den Reglern, die trauen sich momentan alles zu – könnte sein, dass man demnächst nichts mehr gegen Ashlee Simpson sagen darf. Nein, so kommt es nicht, in Deutschland geht "Bittersweet World" unter, in Kanada und den USA hat Ashlee Simpson ansprechenden Erfolg. Das Album wird einen Monat vor Bekanntgabe der Sängerin Schwangerschaft veröffentlicht, die seitdem das wichtigere Thema in den Nachrichten ist (der Sohn heißt Bronx Mowgli, der Vater ist Pete Wentz von Fall Out Boy).


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