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… und noch ein Ghetto-Junge. Azad ist, nimmt man die großen Namen des deutschen Raps, der Mann aus Frankfurt. Frankfurt ist, nimmt man die Metropolen der Republik, sicher eines der härten Pflaster. Straßengangster und Bänker plündern, raubmorden und brandschatzen um die Wette, die guten Dokus über Drogenabhängige kommen aus der Mainmetropole ebenso wie der deutsche Techno, die freiwilligen Mitarbeiterinnen der Bahnhofsmission haben Angst vor Mehdorn, die einen sitzen zwischen potemkinschen Glasfassaden, die anderen zwischen kohlefaserverstärkten Felgen. Junge Akademiker werden bei Vorstellungsgesprächen am Main von ihren zukünftigen Arbeitgebern vor der Kriminalität am Main gewarnt. Azad, der Bozz, ist einer von den bösen Kandidaten, von denen, die davon singen, dass sie anderen Leuten weh tun möchten, was Eltern und Pädagogen natürlich nicht gutheißen können. Kleine Jungs aber.
Azad ist ein Metzger, ein wütender Prediger der Straße und entstammt einer der wichtigsten, einflussreichsten Zellen deutschen Hip-Hops. Ursprünglich aus der Provinz Kordestān im Nordwesten des Irans, kommt er als Kind nach Deutschland. Jahrgang 1974, ist sein Engagement im Hip-Hop seit seinem 15. Lebensjahr, also ab 1988, belegt. Zu seinen sehr frühen Kollegen gehört D-Flame, mit dem er Pionierdienste in einer Gruppe leistet, die sich zunächst Cold-N-Locco, ab 1990 Asiatic Warriors nennt. Unter Experten gilt die EP „Told Ya!“, 1994 veröffentlicht, als Hoffnung auf mehr erweckende Arbeit, ihr folgt allerdings nichts mehr – die Warriors trennen sich.
Und Azad? Der ist in der „Szene“, mit den Transformers unterwegs, primär DJ und taucht erst Ende der 90er Jahre wieder als Rapper auf, und zwar unterschreibt er beim allseits verrufenen wie in den Charts ziemlich erfolgreichen Label von Moses Pelham: Pelham Power Productions (3P). Heutzutage sieht man das ein wenig entspannter, aus damaliger Sicht hätte sich Azad keinen unpassenderen Ort für Gangster-Ghetto-Attitüden suchen können, sicherlich ist es genau der richtige Schritt. Azad gehört, was sein lyrisches, sprachtechnisches Vermögen angeht, zu den Guten, gemeinsam mit Kool Savas wird er einige Jahre lang eine – in seinem Bereich – kaum zu toppende Koalition eingehen, er arbeitet mit Akon, Seryoga, später mit Adel Tawil und Gentleman, es gibt phantastische Kooperationsmöglichkeiten von Cassandra Steen über J-Luv bis hin zum MTV-Unplugged-Konzert von Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims. An dieser Stelle hat Pelham sicher nicht mehr viel mitzureden, die Verbindung will allerdings wohl keiner leugnen.
Auf die Single „Napalm“ 2000 folgt im Jahr darauf das Album „Leben“. Azad wütet in Richtung Samy Deluxe und Hamburg, Kool Savas und Curse machen mit, das Ergebnis polarisiert, so soll es sein. 2003 wird mit „Faust des Nordwestens“ ein zweites und letztes Album bei 3P veröffentlicht, Linda Carriere, gerade am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest gescheitert, macht mit, auch Kool Savas. Azad befindet sich in seinen Jahren stetigen Aufstiegs. „Faust des Nordwestens“ erreicht Platz 24, „Der Bozz“ 2004 Platz 10 der deutschen Charts, Sido holt sich eine blutige Nase, nachdem er irgendetwas über Azads Mutter gesagt hat, der Trottel.
Azads Label Bozz Music kommt bei Universal unter, Azad schart eine durchaus interessante Gruppe um sich, ist auf Bushidos kommerziellen Durchbruch „Electro Ghetto“ vertreten, Azads Kollege Jonesman veröffentlicht das Mixtape „Macht Käse Flows Cash“ über Bozz Music, wo sich die Angestellten erstmals gemeinsam auf einem Sampler präsentieren („Bozz Volume I“). 2005 ist das Jahr von „One“, dem gemeinsamen Album von Kool Savas und Azad, Platz 5 in den deutschen Charts, die Single „All 4 One“ erreicht Platz 4. 2006 wird das nächste Soloalbum „Game Over“ veröffentlicht, diesmal macht Akon mit, Xavier Naidoo ebenso, Azad ist ein Arbeitstier, ein Grobmotoriker, dessen Lieder man laut und im Auto hören muss.
Für die Serie „Prison Break“ von RTL nimmt Azad gemeinsam mit Adel Tawil (Ich + Ich) den Titelsong auf (kompletter Titel: „Prison Break Anthem (Ich glaub an Dich)“), moderne Gangsterpoesie und sagenhaft erfolgreich. Sicherlich auch dank des Zugpferdes Tawil, der den deutschen Popmusikfreunden einfach liegt, erobert Azad erstmals Platz 1 der Single-Charts, und das ist von den Rappern seines Kalibers noch keinem gelungen. Es ist immer Zeit für den empörten „Ausverkauf!“-Aufschrei, diesmal trifft dieser Azad. Es folgt „Blockschrift“ im Jahr 2007, das nächste Album, J-Luv, Gentleman und Joy Denalane zeugen davon, dass Azad etwas verändern will, für manch einen ist das Veränderung zuviel. Dass die Produktion in den Charts abschmiert, hängt damit vermutlich jedoch nicht direkt zusammen: die deutschen Charts sind krank. surftippsCD Reviews von Azad findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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