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CastingDie Popmusik erstickt förmlich an Casting-Acts – hier der Versuch einer Elixic-Positionierung: im Grunde ist ein Casting etwas, was unserem System zueigen ist, ein Wettbewerb der Künstler, der überall dort veranstaltet werden kann, wo eine Institution einen oder mehrere Künstler aufbauen, fördern, mit ihnen ein Projekt besetzen und am Ende natürlich Geld verdienen möchte. Castings sind in vielen Bereichen der Kunst, vor allen Dingen dort, wo Ensembles zusammengestellt werden, ein alter Hut. Castings – ein alter Hut
In der Filmbranche, am Theater, auf dem Werbemarkt sind Castings unabdingbar, auch in vielen Bereichen der Musikindustrie sind Castings ein Weg, Besetzungsfragen zu klären, für Geldgeber und Konsumenten gleichermaßen zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Auch neurotische Juroren sind für Castings nicht unüblich. Die Logik: es ist wichtig, dass derjenige, der erfolgreich durch ein Casting kommt, nicht nur die künstlerischen und äußerlichen Voraussetzungen erfüllt, sondern Durchhaltevermögen zeigt. Um Missverständnisse zu vermeiden: ein Casting ist nicht gerecht oder demokratisch, das Ergebnis ist kein durch und durch logisches – und um das noch ein bisschen verworrener klingen zu lassen: das Castingereignis zählt letztlich nicht, es zählt die Arbeit am Werbekatalog, die schauspielerische Leistung, die Musikproduktion im Anschluss. Das ist beim Fernseh-Casting anders … Fernseh-Casting
Im Fernsehen wird das Casting zum wichtigsten Moment, wobei es im nach einem ähnlichen Prinzip wie klassische Castings abläuft. Das TV-Casting hat ein Juroren-Trio, das scheint ein Gesetz zu sein, bei der Einbindung des Publikums in die Entscheidung (das ist ein Unterschied zum klassischen Casting), der Aufteilung der Entscheidungsbefugnisse auf Juroren und Publikum, ist man recht flexibel. In der Regel bieten Fernsehcastings einen Mix aus Zuschauer- und Jurorenentscheidung. Aus Sicht passionierter Musikkonsumenten ist bedauerlich, dass in der Regel bei diesen Castings die Musik selbst, das Album am Ende, ein rasch produziertes Etwas ist, das von hysterischen Fans erbittert als die Neudefinition der Popmusik gefeiert wird. Im Grunde wird es nur produziert, weil ein frisch gekürter Castingstar ein Castingstaralbum haben muss und in den Monaten nach dem Casting einfach alles im Zusammenhang mit dem Castingstar abgesetzt werden kann. Das ist ein Problem, das man mit Fernseh-Castings haben kann: die Musik selbst ist egal. Man kann sogar den Verdacht haben, dass die Casting-Veranstalter ein Interesse daran haben, ihren Castingstar loszuwerden, schließlich folgt auf einen Castingstar der nächste Castingstar. Natürlich, das macht die Kritik an unserer Fernsehlandschaft so kompliziert, mag es auch immer Gegenbeispiele für dieses Phänomen geben. Die Casting-Knute
Eine weitere Sache, die bei vielen Castings ganz unerträglich ist, ist das Ausschlachten von Mängeln – das obszöne Betrachten der Menschen, die am Casting teilnehmen, ohne eine Chance zu haben. Auch das ist etwas, was längst nicht mehr jedem Casting zueigen ist, anders sieht es hiermit aus: das Casting wird den Künstlern als letzte, als einzige Chance verkauft. Jungen Leuten wird erklärt, sie hätten nur diese eine Casting-Chance – und dann keine weitere in ihrem Leben. Gnadenlose Unterordnung, Erniedrigung und Drill gehören zum Casting-Prinzip. Einerseits werden Castings als individuelle, freiheitliche Chancen verkauft, andererseits sind sie ein System vollkommener Unterordnung und Disziplinierung. Jeder ist sein eigener Dieter Bohlen, es gibt keine Wahl. Casting-Bands
Casting-Bands, noch so ein Thema. Von einer Casting-Band zu sprechen, ist eigentlich schon eine Frechheit. Casting-Bands enstehen nach allen Kasernenhofregeln, die man sich vorstellen kann. Es werden zuvor definierten Maßen entsprechende Soldaten gebraucht und kleine Künstler eingeladen. Die jungen Musiker, die in eine Casting-Band wollen, müssen akzeptieren, dass sie von Tanz- und Gesangs-Sergeants in schweißtreibenden Sessions zusammengebrüllt werden, Casting-Band-Mitglieder müssen zu jeder Zeit bereit sein, ihre Kollegen zu verraten (das wird geübt), Casting-Band-Mitglieder müssen bereit sein, alles für die Casting-Band-Karriere zu geben. Es ist von Vorteil, wenn sie nicht viel zu geben haben. Casting-Band-Mitglieder werden ausgiebig auf ihre Beharrlichkeit und ihren bedingungslosen Glauben an das Casting-Band-System getestet. Im Gegensatz zu den Casting-Superstars werden Casting-Bands überwiegend von den Juroren besetzt, das Publikum darf nur in Einzelfällen mitwählen. Das hat einen guten Grund: offensichtlicher als bei anderen Casting-Produkten ist bei Casting-Band-Mitgliedern die Bereitschaft, sich gnadenlos unterzuordnen, genau das zu kaschieren und dabei zu lächeln, besonders wichtig. Und Casting-Band-Mitglieder müssen dem Zuschauer unbekannten Vorgaben entsprechen. Daher sind Casting-Bands scheiße. |
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