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Der Clueso, also der Thomas Hübner, der will nicht in irgendeine Schublade. Da es ohne jedoch nicht geht und weil er das weiß, bietet er uns an, ihn Songwriter zu nennen, macht aber darauf aufmerksam, dass das eine kleine Falle ist, er singt nämlich auch und zwar ziemlich unterschiedliche Sachen. Clueso heißt Clueso, weil sich Kollegen von ihm mal aufgrund seiner Tollpatschigkeit an Inspektor Jacques Clouseau erinnert fühlen; wir indes sehen einen netten Bengel, der ganz genau weiß, was er will.
Trotzdem passt Clueso ganz prima zu ihm, ein Typ, der aus dem Hip-Hop kommt, lange als MC angekündigt wird, sich allerdings als Liedermacher seit 2001 immer weiter von seinen Wurzeln wegentwickelt, ein Rätsel für alle, die einfache Antworten suchen. Reggae-, Funk-, Rock-, Jazzeinflüsse, starke Verbündete, ein Teamarbeiter, jedoch der uneingeschränkte Chef auf der Bühne, ein Typ, der aus Erfurt kommt, in Köln Erfolg hat, dann wieder zurückkehrt … all das bildet eine Mischung, die zumindest eigenwillig ist.
Thomas Hübner kommt im April 1980 in Erfurt zur Welt. Er spielt Gitarre, um Mädchen zu beeindrucken, fliegt von der Schule, weil das deutsche Schulsystem nicht für ihn bestimmt ist und beginnt seinen Eltern zuliebe mit einer Frisierlehre, nachdem er ein Praktikum auf dem Bau absolviert hat. Die Lehre bleibt unbeendet, da das Frisörbetriebssystem ebenfall nicht auf ihn eingestellt ist. Das soll nicht despektierlich klingen, letztendlich scheint er genau den richtigen Weg über Umwege einzuschlagen. Manchmal darf man von kreativen Menschen einfach keinen „normalen“ Weg verlangen.
Es dauert noch eine ganze Weile, bis er für viele deutlich erkennbar einer der wichtigen neuen Songschreiber am deutschsprachigen Musikerhimmel ist. Der Weg bleibt, und da passt der Name Clueso wieder vortrefflich – äh – eigenwillig, wirklich schön. Seit 1994 Breakdancer, gründet Hübner gemeinsam mit Steer MC im Jugendhaus Urne das EFP 96, Erfurt Projekt 1996. Vermutlich, weil das nur wenige Monate der Zukunft zugewandt klingt, gründen sich daraus kurze Zeit später die Wostok MCs. Cluesos Kollegen DJ Malik und Steer MC sind der harte Kern und noch heute arbeiten die drei (inzwischen in unterschiedlichen Funktionen) gemeinsam an einer Vision für Erfurt.
Zunächst geht es für den Wostok Mob durch die nähere Umgebung, im Kassablanca zu Jena soll er viele gute Zeiten durchlebt haben. Es folgt eine Phase, die mittelmäßigen Zusammenschlüssen ein Ende bereitet hätte. Clueso schließt 1998 mit seiner Lehre ab und zieht nach einigem Hin und Her nach Köln. Er arbeitet mit dem Manager Andreas Welskop zusammen, hat 1998 seine erste eigene Veröffentlichung „Clüsolo“ und da Welskop mit DJ Chestnut in Köln (damals noch eine blühende Musikmetropole) die 10vor10 Studios gründet und Clueso Raum zum arbeiten anbietet, verabschiedet dieser sich für drei Jahre aus Thüringen.
Auf der Eröffnungsfeier der 10vor10 Studios drückt er sein Demotape Jakober, einem BMXler, in die Flossen, der im Umfeld von Thomas D wirkt, bei Four Music (Die Fantastischen Vier) arbeitet und genau dort landet Clueso. Ein solides Fundament, auf dem Clueso plötzlich sitzt, natürlich nur die Basis für saubere Arbeit. Zu der ist der Mann, der weder in die Schule noch in die Lehre zu passen scheint, allerdings bereit. Wenn Clueso heute davon spricht und singt, dass man mal raus muss, um Betriebsblindheit zu vermeiden, dann weiß er, wovon er redet.
Auch seine durchaus immer freundlich formulierte Aufforderung, sich nicht über den Ort zu beklagen, an dem man weilt, sondern einfach seinen Möglichkeiten und Bedürfnissen entsprechend den Arsch hochzubekommen, erschließt sich aus dem Leben Cluesos. Denn er kehrt zurück. Der Wostok Mob jedoch hat sein Ende gefunden.
Clueso – Text und Ton
Es setzt eine eigentümliche Wandlung Cluesos ein – obwohl, ist es wirklich eine? Ein Jahr arbeitet er an seinem Debütalbum „Text und Ton“, das 2001 erscheint. Oberflächlich lässt sich im Oeuvre Cluesos eine Wandlung vom Sprech- hin zum glockenklaren Gesang diagnostizieren. Bereits zu Beginn des Albums predigt er den Stilmix und setzt diesen um. Das erste Album, in dem noch der Sprechgesang leider etwas überwiegt (leider: Clueso singt ziemlich gut), kann als an Freundeskreis erinnernde Mix aus Hip-Hop und „Weltmusik“, vorwiegend Reggae, bezeichnet werden. Davon löst er sich nie gänzlich, die Anzahl der Einflüsse wächst lediglich.
„Spiel da nich mit“ ist einer von mehreren großen Tracks des Albums, die erste richtige Single Cluesos – im Jahr zuvor hat er bereits mit Metaphysics „The Disk“ veröffentlicht. „Text und Ton“ wird nicht gerade das, was man einen Durchbruch nennt. Clueso spielt mit der Band Curfew aus Köln bei einigen größeren Veranstaltungen, darunter bei den MTV HipHop Open in Stuttgart.
Clueso – zurück in Erfurt
2002 zieht es Clueso zurück nach Erfurt. Die alte Posse lockt mit mehreren Großprojekten. Steer MC, der Thomas Wolf und DJ Malik, der Marcel Aue, haben zwar als Rowdy-Club weitergemacht, werden nun jedoch alles auf etwas professionellere Füße stellen. Steer wird später, nachdem er das Video zu „Kein Bock zu geh´n“ (2005) gedreht hat, für ein Regie-Studium aussetzen. DJ Malik wird zunehmend zum Produzenten derjenigen, die in Erfurt geblieben sind. 2002 wird der Zughafen gegründet. Ein altes Bahnhofsgebäude wird zur neuen Bastion der Musiker. Studios und Büros entstehen.
Clueso spielt mit dem neu gegründeten Rowdy Club und mit Blumentopf, es geht an das nächste Soloprojekt. Die EP „Extended Player“ erscheint noch 2003, das Goethe-Institut spendiert eine Weile Neuseeland. „Gute Musik“ entsteht in Erfurt. „Gute Musik“ ist gute Musik. Ein bisschen Freundeskreis, aber nur ein wenig. Manchmal, ganz manchmal kann man die gute Seite vom Udo L. hören, auch Hip-Hop ist allgegenwärtig, wenigstens in den Reimen immer zu spüren (großartig: „Wart mal“).
Als Mitglied der Four Music-Familie geht es mit den Fanta 4 durch Deutschland, 2005 tritt er bei dem ersten und bis heute am stärksten besetzten Bundesvision Song Contest an. Mit „Kein Bock zu geh´n“ landet er auf Platz acht und damit vor Virginia Jetzt!, Samy Deluxe, Klee, Lukas Hilbert, Slut, Deichkind, Gentleman und Sandy (von den No Angels).
Clueso – Weit weg
Was noch fehlt: richtig gute Chartplatzierungen. Bis dahin tourt Clueso mit seiner Band (Norman Bates, Christoph Bernewitz, Daniel Bätge, Philipp Milner, Paul Tetzlaff, DJ Malik, Christian Kohlhaas). Im Sommer 2006 ist „Weit weg“ soweit. Das dritte Album ist das entscheidende, wesentlich verspielter, auch dynamischer als der Vorgänger, verblüffen die CD-Käufer damit, dass sie Clueso bis auf Platz 12 der Album-Charts hieven.
Es spricht für Clueso, dass er 2008 mit einem der wenigen schwächeren Songs , „Keinen Zentimeter“, erneut beim Bundesvision Song Contest antritt und sich diesmal nur ganz knapp geschlagen geben muss und es ist uns zu wünschen, dass das erst der Anfang gewesen ist … surftippsCD Reviews von Clueso findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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