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Kaum noch sind sie zu zählen, die großen hoffnungsvollen, jungen, hübschen MySpace-Talente, die als Singer/Songwriter Millionen von Hörerinnen erreichen, bevor sie von einem der verbliebenen Labels engagiert werden und … wahrscheinlich ist das Ganze einfach ein neuer, perfider Plan der ihrem Ende entgegenröchelnden Musikindustrie, dem wir alle auf den Leim gehen. Die Kalifornierin Colbie Caillat gehört in jedem Fall zu diesen jungen Talenten. Sie gehört zu den Künstlern, die sich besonders gerne in der Nähe von Musikinstrumenten und in der Natur ablichten lassen, Kennzeichen einer neuen Natürlichkeit, die in die Charts eingezogen ist – der man, das ist garantiert, schnell überdrüssig werden kann.
Colbie Caillat ist Jahrgang 1985 und wächst in Malibu auf, der Vater arbeitet im Musikgeschäft, Ken Caillat ist an einigen Produktionen von Fleetwood Mac beteiligt, Colbie hat also beides: den fachmännischen, den „guten“ Background und sie schafft alles selbst, ohne dass ihr irgendein Bonze hilft. Diese Merkmale hat in der einen oder anderen Art, mehr oder weniger stark so gut wie jeder aktuelle Künstler. Was einmal das Privileg der Indies war, ist heute Mainstream und macht keinen Spaß mehr. Colbie Caillat sucht sich die Helden, die sie braucht: eine Legende (Bob Marley), einen Songschreiber, der ein bisschen älter ist als sie (John Mayer) und die Songschreiberin, die alle inspiriert haben muss, die im Alter von Colbie, ambitioniert sind und eine Akustikgitarre auf dem Schoß haben (Lauryn Hill).
Bevor Colbie Caillat von Universal gebucht wird, ist sie eine Weile bei Myspace die beliebteste Musikerin ohne Plattenvertrag. Die Beliebtheit wird durch Besuche ihrer Präsenz, Anklicken der Musik, Verknüpfungen durch sogenannte Freu… wem erzählen wir das. „Bubbly“, ihr Superhit, existiert bereits, der „Rolling Stone“, ein weniger ernstzunehmendes Musikmagazin, bejubelt die Musikerin früh als das nächste große Ding – ein Ritterschlag. Im Frühling 2007 sind ihre bisher nicht (über die klassischen Wege) veröffentlichten Lieder bereits 11 Millionen Mal (legal) gehört worden, Universal nimmt einen fertigen Star unter Vertrag.
Es zeichnet diese neuen, fertigen Myspace- wie die Casting-Stars aus, dass sie mit ihren und für ihre kleinen Makel geliebt werden und dass sie sich akzeptieren und von ihren Fans fordern, dass sie sich selbst akzeptieren – und Colbie Caillat ist diesbezüglich vorbildlich. Und sie ist ein fleißiges Mädchen. Wie viele der unabhängigen Überraschungsstars aus dem Internet feilt sie bereits an ihrer Karriere, da spielen viele von denen, die einfach so sind wie sie sind, noch mit Püppchen. Sie tritt bei Castings an, die Anwesenheit eines Mick Fleetwood kann natürlich auch inspirierend wirken. Ihre Lieder schreibt sie im Team, die beiden ambitionierten Musiker/Produzenten (so ganz lässt sich das manchmal nicht unterscheiden) Jason Reeves und Mikal Blue (beide debütieren kurz nach Colbie) unterstützen die Musikerin beim Schreiben der Lieder, Vater Ken leitet die Produktion.
Im Mai 2007 wird die Single „Bubbly“ zunächst in den USA veröffentlicht, in Australien wird mit dem Lied eine Soap beworben, im Juni folgt die Veröffentlichung in Europa, in etlichen Ländern steigt die Single in die Top 10 der Charts. Im Juli wird dann das Album „Coco“ nachgeschoben, hierzulande muss die Fangemeinde noch bis zum März 2008 darauf warten, die Produktion über die klassischen Wege zu erhalten. Trotzdem reicht es immerhin für Platz 15 für das Album in Deutschland. Die folgenden Singles erreichen zumeist lediglich US-Charts, Colbie Caillat kollaboriert mit Jason Mraz und hat ihren Beitrag auf dem Sampler für das US-Team, das zu den olympischen Spielen in Peking geschickt wird. surftippsCD Reviews von Colbie Caillat findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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