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DSDS 2009. Im Frühjahr stürzt sich ein durchaus interessanter Jahrgang in die finalen Mottoshows, jeder Sänger und jede Sängerin trägt eine dem RTL-Zuschauer sauber aufbereitete Geschichte mit sich, kuriose Images treffen aufeinander, und während der Aufregung insgesamt der Funken Wahnsinn der vorangegangenen Jahre zu fehlen scheint, kristallisiert sich Daniel Schuhmacher als großer Favorit heraus. Der junge Mann aus Pfullendorf (eine Stadt der Theologen und Revolutionäre) hat nicht gerade die beste Geschichte, er – äh – auf den ersten Blick ist er ein bisschen langweilig.Dafür kann Daniel Schuhmacher gut singen.
Daniel Schuhmacher ist blond und mittelmäßig groß, gehört nicht zu den alten, noch zu den jungen DSDS-Teilnehmern, ist Fan von Kelly Clarkson, hat eine nette Oma, einen Allerweltshund (Lucky) und – neben einer Schwester – einen kleinen Bruder, in den sich die DSDS-Kameras verlieben. Das ist nicht alles: Daniel Schuhmacher ist ein vernünftiger Mensch, gelernter Industriekaufmann, plant vermutlich noch heute, irgendwann mal irgendwas mit Management zu studieren, joggt, guckt lustige und gruselige Filme, läuft mit diesen Rollschuhen, die mal so populär waren und spielt Tischtennis. Man kann sich bildlich ausmalen, wie die Produktionsredakteurin geschluckt hat, als er ihr diese Geschichte erzählt hat, immerhin tritt Daniel Schuhmacher gegen Tellerwäscher an, gegen junge Mädchen, deren vor Ehrgeiz zerfressene Eltern eine klug taktierende Campa bilden, gegen andere, die wiederum gegen eine drohende Zwangsehe ansingen, gegen welche, die erst ihren Körper entdecken mussten, um die Show zu verstehen, gegen von irgendwelchen chronischen Krankheiten gezeichnete, von ihren Müttern früher einmal im Stich gelassene Kandidaten, gegen arme Puttel, die dem Land den Schlager schenken möchten, gegen das Ghetto, gegen Tanzkapellenmeister und Alleinunterhalter – sowie gegen eine Harfinistin, die mitunter Leute zu sexistischen Ausbrüchen hinreißt, von denen man das gar nicht gewohnt ist.
Und Daniel Schuhmacher? Angeblich haben noch nicht einmal die Eltern mitbekommen, dass sie einen begabten Sänger im Haus haben; einen Sänger, der, auch wenn Daniel Schuhmacher Lieder gelegentlich seltsam liest, über eine Stimme verfügt, mit der er Annie Lennox interpretieren kann, ohne sonderlich unangenehm aufzufallen. Wir reden von einer Begabung. Daniel Schumacher ist 2008, im Jahr des Thomas Godoj, schon einmal bei DSDS angetreten, und an sich selbst gescheitert, und zwar bei dem Versuch, aus einem Lied eine Turnübung zu machen. Im Winter 08/09 ist er anders. Daniel Schuhmann sieht besser aus, legt sich ein – sagen wir – flottes Outfit zu. Mit ein wenig Schulung kann man aus ihm einen interessanten Crooner machen.
Nicht aber Dieter Bohlen, der schnell überzeugt ist von Daniel Schuhmann. Die Stimme ist es, die einzigartige, die den – das kann man ihm nicht nehmen – erfahrenen Musikmanager reizt, wie immer zeigt Bohlen offen Sympathie, in diesem Jahr für Daniel Schuhmann. Das ist es nicht allein, was ihn zum Favoriten macht. In der Top-15-Show, dem letzten großen Aussieben, bevor wöchentlich in den Mottoshows nur noch eine Kandidatin gehen muss, gehört Daniel Schuhmann zu den fünf Kandidaten, die dank der Zuschauerstimmen nicht auf die Gunst der Juroren hoffen müssen (die später von Bohlen und Co. verhasste Annemarie E. wird von der Jury durchgewunken).
Daniel Schuhmacher singt „Broken Strings“ von James Morrison (mit Nelly Furtado) und kommt locker durch. Der Auftritt in der ersten Mottoshow ist dann einer für die Jury. Im Recall, fester Bestandteil der frühen Castingshow, hat er bereits „If You Don´t Know Me By Now“ von Simply Red gesungen – und hat es als gnädig empfunden, dass ihn die Jury nicht dank, sondern trotz der Leistung durchwinkt. Nun besteht er (das Motto der Mottoshow ist „Greatest Hits“), befreit sich von – reden wir von der Geschichte, auf die die Redakteurin setzt: Daniel Schuhmacher ist ein Hänselopfer und sich seiner Stärken nicht bewusst. Das ist der Gaul, der geritten wird, bis er umfällt. Das wirkt komisch, wenn tausende von bekloppten Fans in Pfullendorf den Geburtstag Daniel Schuhmachers begehen, die Jury den Mann stehend beklatschen, der in der Regel nicht zittern muss, wenn der DSDS-Zuschauer entscheidet.
Nächstes Motto: Geschlechtertausch. Klingt spannender, als es ist, Daniel Schuhmacher interpretiert „Irgendwas bleibt“ von Silbermond und schlägt sich an einem Abend, der insgesamt nicht unbedingt ein Ohrenschmaus ist, durchaus tapfer. Party-Hits am 21. März: Daniel Schuhmacher singt „Sweet Dreams“ von Eurythmics. Das kann er, wir befinden uns hier an dem Punkt, an dem es sich Annemarie E. mit einem Teil der Kandidaten verscherzt, Schuhmacher stellt sich recht offen an ihre Seite. Sexy Hits am 4. April: „Sexual Healing” von Marvin Gaye, der Sänger ist inzwischen der unbestrittene Favorit, Dieter Bohlen erklärt ihn dazu. I Love You und Aktuelle Hits am 11. April, Daniel Schuhmacher gibt „You Give Me Something“ von James Morrison und „Allein, Allein“ von Polarkreis 18. Sonne und Regen am 18. April, „Here Comes The Rain Again“ von Eurythmics und „Ain´t No Sunshine“ von Bill Withers. Großes Kino und Intime Balladen am 25. April, „Take My Breath Away“ von Berlin und „You Are So Beautiful“ von Joe Cocker.
Das große Halbfinale steht am 2. Mai an. Daniel Schuhmachers Konkurrenz besteht aus Annemarie Eilfeld und Sarah Kreuz, die drei müssen jeweils eine Uptempo-Nummer, eine Ballade und einen Nummer-1-Hit singen. Einer der Kandidaten soll knapp 50 % der Anruferstimmen erhalten, da Daniel Schuhmacher der erste ist, der die Gewissheit hat, im Finale am 9. Mai antreten zu dürfen und weil fast immer Jungs gewinnen, ist davon auszugehen, dass er es ist. Ihm folgt Sarah Kreuz, die vielleicht einzige, die ihm musikalisch das Wasser reichen kann und diejenige, das betont Schuhmacher wiederholt, die ihm ähnlich ist. Beide werden uns als unsichere Künstler verkauft, Rohdiamanten, denen der Schliff (die Abgeklärtheit) fehlt. Auf der Strecke bleibt vorerst Annemarie Eilfeld, an dem Tag 19 Jahre alt, die eine spannende Medienarbeit abgeliefert hat (oder mit der spannend gearbeitet wurde). Wir sind gespannt, wer uns bleiben wird …
Das ist auch nach dem großen Finale nicht sicher. Daniel Schuhmacher gewinnt gegen Sarah Kreuz und hat damit das Recht, als erster sein Debüt zu vorzulegen. Beide geben sich geradezu harmoniesüchtig, zu sehr haben sie sich in den Wochen zuvor über die Differenz zu Annemarie Eilfeld definiert, die zu einer absoluten TV-Hassfigur gemacht wird und noch die ersten Wochen nach dem Finale einen erstaunlichen Anteil der DSDS-Berichterstattung für sich verbuchen kann. Sarah Kreuz und Daniel Schuhmacher küren „Anything But Love“ aus der Feder Dieter Bohlens zu ihrem Finallied, wenige Tage nach dem Finale wird die Version Daniel Schuhmachers veröffentlicht und erobert nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Chartspitze, sondern stellt daheim auch Verkaufsrekorde auf. Keiner hat in der ersten Jahreshälfte 2009 in Deutschland so viele Singles in einer Woche gekauft. Daniel Schuhmacher feiert seinen Geburtstag gemeinsam mit Sarah Kreuz und dem wenige Wochen zuvor ausgeschiedenen James Blunt-Imitator Dominik Büchele vor tausenden Menschen in Pfullendorf - und er wird von Simply Red nach Ulm eingeladen. Das Album „The Album“ gibt es ab dem 19. Juni 2009, wieder geht es - wenn auch kurz - an die Spitze der Charts. Wichtig ist, was nun folgt ... surftippsCD Reviews von Daniel Schuhmacher findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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