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Ob Castingsuperstars in anderen Ländern irgendwie anders ticken? Wenn es um Bodenständigkeit, Bescheidenheit, permanent artikulierte Dankbarkeit und Unterwürfigkeit vor den Fans geht, verhält sich die Mehrheit der in anderen Ländern Gecasteten zumindest sehr ähnlich wie die unsrigen. Ein Satz wie: „Es macht mir sogar Angst, so viel Glück zu haben“, ist nicht nur für einen wie David Bisbal typisch. Der Superstar aus dem Fernsehen muss offensichtlich sowohl dem Anpeitscher folgen, der ihm ein beinahe irre vorgetragenes Glaubensbekenntnis zum Format und zum Willen, die Gegner plattzusingen entlockt, als auch dem Fernsehwähler zu beständigem Dank verpflichtet sein. Eine schwierige Gratwanderung: während sich das eigene Leben in einem permanenten Ausnahmezustand befindet, fordert der Fan, dass dieser Zustand dauerhafter emotionaler Forderung bestehen bleibt, Veränderung („Bleib wie du bist, Thomas!“ – „Ich will so bleiben wie ich bin, das bin ich meinen Fans schuldig“) ist nicht erwünscht; da das einfach nicht geht, muss der Superstar seinen Fan am Wandel teilhaben lassen.
Er nimmt ihn mit: David Bisbal etwa erzählt von Miami, dem Ort, an den ihn seine plötzliche Berühmtheit führt, wo er sein Album aufnimmt, berühmte Produzenten trifft und so weiter. Er bleibt selbst Fan, himmelt Alejandro Sanz an, hängt viel vorm Computer herum und hat ausgefeilte Meinungen zu weltpolitisch maßgeblichen Themen („Wenn man eMule verbieten würde, würde man die Musikwelt retten”). Wer das ist, dieser David Bisbal? Jahrgang 1979 und aus Almería in Andalusien, also Spanien, wird er 2001 Zweiter bei „Operación Triunfo“, einer Show beim spanischen Sender TVE und hat danach als Popstar einigen Erfolg daheim und in verschiedenen Ländern Amerikas.
Für so einen Casting-Zweitplatzierten sind es erstaunliche Erfolge, die David Bisbal vorzuweisen hat: die ersten beiden Alben „Corazón Latino“ 2002 und „Bulería“ 2004 verkaufen sich prächtig, jeweils mehr als eine Million Mal. Zwar ist David Bisbal (bisher) nicht so erfolgreich in Deutschland, doch diejenigen, die sich berufen fühlen, den Jungen zu bewerben, sprechen gerne und oft von dem erfolgreichsten zeitgenössischen Popmusiker aus Spanien. Das muss man nie ernst nehmen, beachtlich sind allerdings David Bisbals Charterfolge in weiten Teilen der Spanisch sprechenden Welt, etwa in Mexiko, Argentinien, Chile und Kolumbien.
Sein „Ave Maria“ ist so blasphemisch, billig und 90s, wie es unter Katholiken ganz offensichtlich gemocht wird. David Bisbal räumt mit den Singles „Lloraré Las Penas” und „Dígale“ ab, gerade die erste ist so, wie sich nicht nur der Pauschalurlauber Spanien vorstellt, sondern die Iberer es offensichtlich auch mögen: ein bisschen traditionelles Gitarrenspiel, ein wenig Ricky Martin-Hüfte, getragen von recht unbeweglicher und auch unerheblicher Popmusik. In dieser Beziehung unterscheiden sich die Castingformate der Erde offensichtlich nicht, das Ergebnis ist in den allermeisten Fällen ein Imitat, die Kandidaten bewerben sich mit immer denselben Liedern, Youtube ist ein unerschöpflicher Quell demütigender und peinlicher Bewerbungslieder und Erstauftritte, der Juryvorsitzende ist oft ein geleckter Musikindustrieller … an diesem Punkt hebt sich DSDS mit Dieter Bohlen, der im Gegensatz zu seinen Kollegen immer wie eine selbstgefällige Arschgeige wirkt, wohltuend vom Rest ab.
David Bisbal tourt 2002 durch Spanien, sagt artig „Danke!“ und geht einige Monate später nach Amerika, tritt von Miami bis Buenos Aires in den wichtigen Metropolen auf, auf „Bulería“ folgt die „Bulería-Tour“ mit mehr als 100 Konzerten, der Musiker tritt in 14 amerikanischen Ländern auf. 2006 wird ein selbstbetiteltes Best-of-Album für die bis hierhin noch nicht eroberten Märkte hinterher geschoben, die sich allerdings in diesem Fall nicht so einfach packen lassen. So ist das gelegentlich, Erfolge lassen sich eben doch nicht so kontrolliert planen, wie der die Musikindustrie verfluchende Zeitgenosse gelegentlich glauben möchte. „David Bisbal“ enthält neben den Hits einige Neuinterpretationen seiner Lieder in englischer Sprache und ein Duett mit der Freiburgerin Joana Zimmer: „Let´s Make History“ wird der Einstieg des Sängers in die deutschen Single-Charts (immerhin Rang 53).
Ebenfalls 2006 wird „Premonición“, das nächste Album, veröffentlicht, „¿Quién Me Iba a Decir?“ die bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreichste Single. Drei Alben und Fans in vielen Ländern sind mehr, als man gemeinhin als Castingstar erwarten kann, Erfolge zweifellos, ein Duett mit Belle Perez sorgt 2006 für Charterfolge in Benelux, „Silencio“ wird im Sommer 2007 in Deutschland zum Hit. Anfang 2008 wird in einigen Ländern „Hate That I Love You“, ein Duett mit Rihanna, veröffentlicht. surftippsCD Reviews von David Bisbal findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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