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David Bowie
David Bowie Foto © by Sony BMG

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Was für eine Geschichte – David Bowie ist ungefähr so alt wie die Popmusik und ähnlich lang im Geschäft, ein Mann, der nicht nur durch die Epochen gezogen ist, sondern sie auch gestaltet hat, eine Stilikone gleich für mehrere Szenen, ein gefeierter Schauspieler und ein Produzent, der immer wieder Kollegen mitgezogen und aufgerichtet hat. In kaum einem Werk kann man sich so verlieren wie in jenem David Bowies, da gibt es die Vielzahl großer Duetts, die deutschsprachigen Versionen seiner Lieder aus einer Zeit, in der englische Musiker noch auf dem Schlagermarkt zu landen versuchten und deutsche Versionen seiner Lieder aus ganz anderen Zeiten, David Bowie hat die Designer des Starlight Express in Bochum inspiriert, die Punker in den 70ern und die Yuppies in den 80ern, zwischendurch wirkt er stark inspirierend auf Nazis und gehört zu den Künstlern, die zur Gründung der Anti Nazi League bewegen, Graham Chapman von den Monty Pythons soll David Bowie einmal zusammengefaltet haben, weil der den Schwulen spielt, ohne einer zu sein – ein herrliches Durcheinander, das von phantastischen Songs überstrahlt wird, die nicht zu einer überzeugenden und gültigen Compilation zusammenzustellen sind.

 

Und er sieht verdammt gut aus. David Bowie wird Anfang 1947 als David Robert Jones in Brixton, London, geboren, musikalisch von seinem großen Bruder und dem Vater durch die 50er Jahre gebracht, er gründet erste Bands und kann 1964 als Davie Jones and The King Bees seine Single „Liza Jane“ (B-Seite „Louie, Louie Go Home“) bei Vocalion Pop veröffentlicht. Dafür hat er die Berühmtheit nicht verdient. Seine nächste Band sind die Manish Boys, es folgen Davy Jones and The Lower Third, ab 1966 und mit der Single „Do Anything You Say“ tritt er als David Bowie auf.

 

David Bowie – Space Oddity

 

Er feilt an seinen Shows, an seinem Outfit, an seiner Bühnenpräsenz, holt sich Profis an seine Seite – im Prinzip nicht anders als Jürgen Klinsmann – und zwar aus zum Teil scheinbar fachfremden Gebieten, es gibt nicht wenige Popmusikexperten, die seine Neigung, Bühnenfiguren zu entwerfen und sie für eine Zeitspanne recht konsequent zu verkörpern (Ziggy Stardust ist die bekannteste dieser Figuren) genau in dieser Zeit angelegt sehen. 1967 wird das Debütalbum „David Bowie“ bei Deram Records veröffentlicht, noch heute ein sensationelles Album. Zu „Love You Till Tuesday“ gibt es eine tolle Version in deutscher Sprache, „Come And Buy My Toys“, „Little Bombardier“ und das bei einer späteren Wiederveröffentlichung beigefügte „Please Mr. Gravedigger“ (davon gibt es eine zweite Version im Regen mit starkem Schnupfen gesungen) sorgen dafür, dass es ein Album voll großartiger Momente ist, ein Album der Lieblingslieder. Es ist allerdings noch nicht der erfolgreiche Bowie, das ändert sich erst mit Tony Visconti, einem Zauberlehrling, ein Produzent, etwa so alt wie der Künstler („Rubber Band“ habe ich vergessen), der gerade aus New York nach London übergesiedelt ist und an frühen T. Rex-Stücken schraubt, Bowie ist mit den Jungs von T. Rex befreundet.

 

„Space Odity“ wird der erste richtige Hit, das Lied findet sich auf einem frühen Promofilm des Künstlers, zu dem Lied gibt es 1969 ein Album, die Labels werden größer, Visconti ist der Produzent, wir sind bei den ersten Liedern angelangt, die man noch heute gelegentlich hören kann. 1971 folgt „The Man Who Sold The World“, den Titelsong covert Nirvana einige Jahrzehnte später für das MTV-Unplugged-Album.

 

David Bowie – Hunky Dory

 

So, und 1971 gibt es dann „Hunky Dory“, das tollste Album von David Bowie, bei dem man aufpassen muss, welche Version man kauft, sie sollte mehr als elf Titel haben. Das ist dann zwar nicht ganz das Original, lohnt sich aber. „Changes“ und „Life On Mars?“ sind drauf, das ist natürlich wichtig, „Oh! You Pretty Things“ und „Kooks“ sind eigentlich noch viel wichtiger. David Bowie ist jetzt wer. 1972 erscheint „The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars“, dazu gibt es eine Tour, die den Musiker um die Erde führt und uns ausführlich dokumentiert erhalten geblieben ist. Bowie ist zwar verheiratet, hat ein Kind und outet sich, keine Ahnung, wie man das deuten soll: sicherlich ein mutiger Schritt in einer Zeit, in der schwule Kollegen, etwa Elton John und Freddie Mercury, noch eine Weile brauchen, um den Schritt zu gehen – und gute Gründe dafür haben. David Bowie macht es einfach und ist kurz darauf allein erziehender Vater. Das wiederum ist eine Geschichte, die weniger spaßig ist, es geht viel um Drogen und so was. Der Sohn Duncan Jones bringt im Sommer 2009 seinen ersten Spielfilm als Regisseur in die Kinos (Titel: „Moon“).

 

Es folgen die tollen Jahre, die Single „Starman“ ist 1972 sicherlich ein wichtiger Schritt, vielleicht ist die gute Chartsplatzierung von „The Jean Genie“ im selben Jahr in UK noch höher zu bewerten. Das Album „Aladdin Sane“ folgt, Mick Ronson, Trevor Bolder und Mick „Woody“ Woodmansey stellen seine Mannschaft in jenen Jahren, Bowie arbeitet mit Lou Reed zusammen, produziert „Transformer“, noch so ein Ding, das in jedes CD-Regal gehört, covert Hits der 60er Jahre und wohnt inzwischen in den USA.

 

David Bowie – Diamond Dogs

 

Für „Diamond Dogs“ 1974 nimmt er sich 1984 von George Orwell zur Brust, eine Soloarbeit Bowies, der viele Instrumente selbst einspielt und sich punktuell Hilfe ins Studio holt, etwa Mike Garson, der später die Connection zu Trent Reznor (Nine Inch Nails) hergestellt haben dürfte, Herbie Flowers, die Schlagzeuger Tony Newman und Aynsley Dunbar sowie Alan Parker für den Titelsong. Beim nächsten Album „Young Americans“ sind dann zum Beispiel Luther Vandross, John Lennon, Paul McCartney und Carlos Alomar (für das Finale „Fame“) dabei.

 

Und so geht das im Prinzip weiter. Ende der 70er Jahre geht David Bowie zurück nach Europa und landet zwischen 1976 und 1978 in Berlin. Er gibt Iggy Pop das Taschengeld und spielt gemeinsam mit Brian Eno seine Berlin-Trilogie, bestehend aus „Low“, „Heroes“ und „Lodger“ (wobei „Lodger“ eher in Montreux entsteht) ein. Nebenan produziert er „Lust For Life“ mit Iggy Pop, außerdem ist er seit einigen Jahren bereits immer wieder als Schauspieler aktiv. 1978 ist er Darsteller in „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ von David Hemmings, Marlene Dietrich spielt ebenfalls mit, 1976 ist er, auch was ganz feines, in „Der Mann der vom Himmel fiel“ zu sehen, mit dem Philadelphia Orchestra spielt er „Peter und der Wolf“ ein, er ist am Broadway in „The Elephant Man“ zu sehen, spielt das Album „Scary Monsters“ ein, ein schönes Ding, und tritt in „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ auf.

 

Ein sehr verstörender Film ist „Begierde“, ein Vampirfilm mit Catherine Deneuve, in dem David Bowie eine große Rolle spielt, mit Queen nimmt er 1981 „Under Pressure“ auf. „Let´s Dance“ wird ein weiterer großer Erfolg, „China Girl“, „Absolute Beginners“ und „This Is Not America“ darf man sicher auch nicht unterschlagen. Es sind immerhin einige seiner schönsten Lieder.

 

David Bowie – Tin Machine

 

Nächste Verwandlung: David Bowie begibt sich für einige Zeit in die Anonymität einer richtigen Band, Tin Machine heißt die, zur Besetzung gehören Reeves Gabrels, Hunt Sales, Tony Sales und Kevin Armstrong, das zweite Album 1991 ist für Bowie mal wieder eine recht miese Chartplatzierung daheim in England, wo man ihm – sieht man einmal von diesem komischen Soundtrack „Labyrinth“ von 1986 (der Film ist gar nicht so schlecht) ab – in den Jahrzehnten zuvor jede Verwandlung verzeiht. Das Titellied zum Atombombenkatastrophencomic „Wenn der Wind weht“ ist ebenfalls von David Bowie.

 

1993 erscheint „Black Tie White Noise“, ein großer Erfolg, „The Buddha Of Suburbia“ hätte es eher werden sollen (Lenny Kravitz spielt beim Titeltrack mit), es folgen die Alben „1. Outside“, „Earthling“, „hours …“, „Heathen“, „Reality“, und das steht hier nur so, weil sich die jeder selbst durchhören muss. Irgendwie redet beispielsweise kaum einer über „Days“, eines der schönsten Lieder, die Bowie überhaupt mal produziert hat (auf „Reality“ 2003). Man muss sich David Bowie vornehmen, sich Zeit nehmen und Spaß daran haben, die Produktionen sind oft kleine verrückte Experimente, ebenso sieht es mit den Vertriebswegen aus, er arbeitet mit George Harrison, spielt mit Arcade Fire und bricht beim Hurricane Festival zusammen.


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