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Faith No More


… zu einer weiteren besten Band aller Zeiten. Faith No More spricht man in Deutschland gelegentlich zu, Funk, Punk, Metal und noch viel mehr zu Crossover vermählt zu haben, das geht bestimmt in Ordnung. Wir waren nicht dabei und können nur vom Glück sprechen, diese Band zu kennen; bzw. der Band Musik, das Glück empfunden zu haben, in einem verschwitzten Pulk zu stehen und am liebsten zerspringen zu wollen vor Freude, Konzerte, bei denen man beherzt eine gelangt bekommt und beseelt nachhause geht – und natürlich vom Glück, Alben wie „Angel Dust“ und „King For A Day, Fool For A Lifetime“ zu kennen. Sie bieten unschätzbare Lebenshilfen für ganz unterschiedliche Tage. Nicht zuletzt dient Faith No More dem jungen Mike Patton, einem brutalen Usurpator der Rockmusik, als Sprungbrett. Wir danken!

 

Gegründet wird Faith No More Anfang der 80er Jahre in San Francisco von Mike Bordin, Billy Gould, Mike Morris und Wade Worthington. Es gibt zwar etliche Besetzungswechsel, der Kern der Band, bestehend aus Bassist Billy Gould, Schlagzeuger Mike Bording und Keyboarder Roddy Bottum, der 1982 dazu stößt, besteht allerdings die komplette Bandhistorie hindurch. Nachdem Mike Morris, Sänger und Gitarrist, direkt wieder das Projekt verlässt und eine Menge Sänger ausprobiert werden (dazu gehört Courtney Love, später Gattin von Kurt Cobain), ist Chuck Mosley die ersten Jahre über Sänger (er ist es auch, der die Originalfassungen von „We Care A Lot“ und „Introduce Yourself“ einsingt), Gitarrist ist noch darüber hinaus Jim Martin, ein seltsamer zugewachsener Typ, der gerne mehrere Brillen übereinander trägt und nach „Angel Dust“ (1992) rausgeworfen wird.

 

Faith No More – We Care A Lot

 

1985 wird „We Care A Lot” von Mordam Records, einem gerade in San Francisco gegründeten Label, veröffentlicht. Während Faith No More in den USA überwiegend als Alternative-Metal- oder Funk-Rock-Band besprochen wird, veröffentlicht man bei Punk-Labels. Das gilt auch für Slash Records, jener Firma aus Los Angeles, bei der „Introduce Yourself“, das zweite Album von 1987, erscheint und das es durchaus bereits in deutsche Plattenläden schafft. Matt Wallace ist der Produzent der ersten Stunde (und bleibt es bis in die frühen 90er, heute macht er Quatsch mit Maroon 5), 1987 ist außerdem Steve Berlin mit an Bord, ein ungemein flexibler Geist aus dem Nordosten der USA, der gerade erst seine Finger in Paul Simons „Graceland“ hatte.

 

Eine Europatournee bringt begeisterte Kritiken und die Erkenntnisse, dass Sänger Chuck Mosley als Bandmitglied nicht mehr tragbar ist – er ist ein Säufer, der regelmäßig Ärger mit seinen Kollegen anzettelt und stimmlich nicht gerade flexibel ist. Möglicherweise schwebt den Musikern da auch schon Mike Patton vor, der Mitte der 80er seine Band Mr. Bungle gegründet hat und gegen den Mosley in der Tat stimmlich nichts entgegenhalten kann. Anfang 1989 wird Patton ins Boot Faith No More geholt und beginnt direkt mit der Arbeit an neuen Lyrics. Mike Patton ist zwar ein glänzender Sänger, aber so schlecht ist sein Vorgänger nun auch nicht.

 

Faith No More – The Real Thing

 

Im Sommer 1989 wird dann erstmals „The Real Thing“ veröffentlicht, ein großartiges Album mit Tracks wie „Falling To Pieces“, „Epic“, „Epic“, „Epic“ und „Epic“. Faith No More ist schlagartig weltberühmt, die Topstars der Zeit, Metallica und die Band von Axl Rose, bewerben Faith No More wie später Madonna Lady Gaga und nehmen die Kalifornier mit auf Konzertreisen – berühmt ist auch das kleine Album „Live At Brixton“, Anfang 1990 aufgenommen, Anfang 1991 veröffentlicht. Faith No More hat sich ein gewaltiges Publikum erspielt, eines, das aus ganz unterschiedlichen Musikmilieus und Faninteressengebieten schöpft.

 

Das steigert sich noch mit „Angel Dust“ und dem – für viele eingefleischte Fans unseligen – „Easy“-Cover. Klar singt Mike Patton das Lied besser als jeder andere Mensch, das macht er auch mit anderen Liedern. Jetzt aber steht man bei Konzerten zwischen Leuten, die ausschließlich auf dieses eine Lied warten. „Angel Dust“ wird im Sommer 1992 veröffentlicht und bleibt ein Schatz. Das gilt auch für die restlichen Alben, allesamt für die Ewigkeit, komplexe, aufwühlende Werke – sollte man keinen Quatsch drüber schreiben, muss man hören. Spannend ist der Abgang von Jim Martin, der kurzerhand gefeuert wird, nachdem er sich über die eingeschlagene musikalische Entwicklungsrichtung beschwert – keine Ahnung, was er gemeint haben könnte.

 

Für die Arbeit an „King For A Day …“ springt Trey Spruance ein, ein alter Kollege von Mike Patton und mit ihm bei Mr. Bungle, für einige Monate mehr (die Zeitspanne einer umfassenden Welttournee, die nicht beendet wird) übernimmt mit Dean Menta ein alter Roadie der Band, der danach zu Sparks wechselt – worauf erst einmal eine Zeit ambitionierter Nebenprojekte für die Musiker anbricht. Bill Gould schleppt mit Jon Hudson schließlich den offensichtlich richtigen Gitarristen an, zumindest einen, mit dem die Band ein vorerst letztes Album zustande bekommt. „Album Of The Year“ gibt es ab Sommer 1997, wenige Monate später, im April 1998, wird die Existenz von Faith No More aufgegeben.

 

Elf Jahre findet Faith No More in der letzten offiziellen Besetzung wieder zusammen – in einer Zeit großer, umjubelter Reunions und der wachsenden Erkenntnis, dass mit Shows der letzte Reibach zu machen ist. Wir werden schauen.





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