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Gnarls Barkley


Gnarls Barkley ist für einige Monate ein Phantom, ein Rätsel, zu dem sich selbsternannte Experten äußern, um das sich verworrene Storys ranken, das sich im Frühling 2006 bis in den folgenden Frühling hinein durch „Crazy“ in einem emotional überladenen, rumpeligen wie tanzbaren Lied entlädt. Der Erfolg von „Crazy“ ist so überwältigend, dass sich sämtliche Fragen nach Gnarls Barkley eigentlich erübrigen: Gnarls Barkley ist schlicht dieser eine Track, schnell ergänzt sich die Erkenntnis durch die Vögel, die hinter dem Phantom stehen, der Produzent Brian Burton, der gemeinsam mit dem Sänger Thomas DeCarlo Callaway das kleine, ungemein feine Projekt aus dem Boden gestampft und damit reichlich Lorbeeren eingefahren hat.

 

Beide, Callaway wie Burton, sind wiederum unter ihren Künstlernamen bzw. Pseudonymen Legenden und fallen mit einer verqueren, nicht gerade eingängigen Produktion, in den Mainstream ein. Callaway ist bekannt als Cee-Lo Green, ein für Hip-Hop-Produktionen gern gebuchter Kollaborateur, ein spannender Solokünstler, Songschreiber und vieles mehr, Burton ist besser als Danger Mouse bekannt, ein Spezialist für den sogenannten Bastard Pop. Die Offenheit in Genrefragen ist eine Eigenheit, die man beiden Gründern von Gnarls Barkley zuschreiben muss. Das erste Album „St. Elsewhere“ ist ein derart gewagter Stilmix aus Soul, Elektronik und Hip-Hop, aus einer komischen, vermutlich dem Funk entlehnten Neigung zum Karneval und vielem mehr, dass jeglicher Glaube an eine Kalkulierbarkeit der Charts eigentlich flöten gehen müsste.

 

Das Album ist, wie gesagt, nicht gerade eingängig, dafür vermittelt Gnarls Barkley in jedem Moment seinen Spaß an der Arbeit und es ist einfach eine Freude, dass etwas derart Verrücktes und Buntes seinen wohlverdienten Platz findet. Ganz zu Beginn, als nur wenige Eingeweihte über die Musiker hinter Gnarls Barkley informiert sind, ist es zunächst das Vereinigte Königreich, in dem das Projekt die Runde macht – ein gesegnetes Fleckchen Erde für neue Musiker, allerdings doch primär indigener Künstler. Cee-Lo und Danger Mouse sind waschechte Amis. Dafür erinnert Gnarls Barkley in seiner Konzeption einer Musikgruppe der Genrefreiheit, gespielt durch Phantome, an die Gorillaz um Damon Albarn und Jamie Hewlett, die 2001 zu einem fulminanten Erfolg aufbrechen, und von denen es eine Verbindungslinie zu Danger Mouse gibt.

 

Gnarls Barkley - Danger Mouse

 

Brian Joseph Burton kommt 1977 in White Plains, New York, zur Welt. Vor Gnarls Barkley lebt er in Athens, Georgia, wo er als Elektro-Frickler wirkt. 1998 hat er die Gelegenheit, an der University of Georgia an einem Konzert mit Outkast und Konsorten, zu denen auch Cee-Lo Green gehört, teilzunehmen. Angeblich ist die Geburt, besser die Zeugung Gnarls Barkleys ein Tape, das Danger Mouse seinem späteren Partner bei dieser Gelegenheit vermacht.

 

Zunächst zieht er nach London, wo er einen Vertrag mit Lex Records erhält, mit dem Rapper Jemini veröffentlicht er 2003 als Danger Mouse & Jemini das Album Ghetto Pop Life, etwas bekannter wird er als Remixer im folgenden Jahr, in dem seine Version vom „The Black Album“ von Jay-Z erscheint, für das er die Arbeiten des Rappers mit dem weißen Album der Beatles zu „The Grey Album“ vermählt. Eine Aktion, die nicht mit den Rechteinhabern der genutzten Lieder abgesprochen ist und mit der Beatles-Seite für Ärger sorgt, obwohl „The Grey Album“ eine Spielerei ist, die nicht zum Verkauf gedacht ist und ein spannender Fall, wenn man sich über die Freiheit künstlerischen Arbeitens oder diese ganze Downloadgeschichte unterhalten möchte. Das wiederum veranlasst Damon Albarn, ihn für das Album „Demon Days“ zu rekrutieren. 2006 steht die Veröffentlichung des Debüts von Gnarls Barkley an. Inzwischen ist Danger Mouse ein ungemein gefragter Produzent, einer, der sich im frühen neuen Jahrtausend die Grundlage einer Karriere gelegt hat, die noch weit reichen wird.

 

Gnarls Barkley scheint allerdings nicht nur eine Visitenkarte bleiben zu sollen, die Arbeit mit Cee-Lo wird fortgesetzt, wenn auch unterbrochen von einer ungeheuerlichen Anzahl von Amtshilfen. Er arbeitet wiederholt für Damon Albarn, Martina Topley-Bird, für The Rapture, Paris Hilton, The Black Keys …

 

Cee-Lo Green

 

Die Veröffentlichungsgeschichte des zweiten Teils von Gnarls Barkley, Thomas Callaway, reicht weit in die 90er Jahre zurück. Er ist aus Savannah in Georgia, Jahrgang 1974, ein kleiner, massiger Typ mit einer unglaublichen Stimme, ein Rapper, der Gospel beherrscht, ein Spezialist für brillante Hooks, der das Umfeld einer der wichtigsten Gemeinschaften des Hip-Hops überhaupt mitgestaltet. Die Kollaborationen, die durch ihn erwähnenswert würden, sind nicht aufzuzählen (ein paar Namen: De la Soul, Common, Santana, Erykah Badu, Seeed, Black Eyed Peas).

 

Er ist Mitglied der Dungeon Family, eines Künstlerkollektivs aus Atlanta, zu dem auch Outkast und Bubba Sparxx gehören, veröffentlicht ab 1995 mit seinem Goodie Mob Alben, dem schließt sich 2002 eine hoffnungsvolle Solokarriere mit „Cee-Lo Green And His Perfect Imperfections“ an, ab 2003 beginnt die eigentliche Geschichte von Gnarls Barkley. Zunächst reichen Cee-Lo und Danger Mouse gemeinsam gebastelte Tracks zur Erquickung der Kollegen herum, die Aufregung wächst schließlich mit dem Lied „Crazy“, das eine professionelle Veröffentlichung und auch die Arbeit an einem Debütalbum von Gnarls Barkley erzwingt. Auch für Cee-Lo ist der ungeheure Erfolg eine wertvolle Referenz, die Zusammenarbeit ist mit Sicherheit nicht billiger geworden.

 

Gnarls Barkley - St. Elsewhere

 

„Crazy“ erscheint im Mai 2006 und wird zunächst vor allen Dingen von verschiedenen Formaten der BBC genutzt. Das Lied geht in die Geschichte als erster Track ein, der zu dem Zeitpunkt, an dem er den ersten Platz der Charts in UK erklimmt, lediglich als Download (und als Vinyl-Single) verfügbar ist. Gnarls Barkley setzt Maßstäbe. Der Name ist eine Verballhornung des Namens Charles Barkley, einer Basketballlegende, die Musiker versichern glaubhaft, dass das Projekt Gnarls Barkley als Spielerei entsteht, eine Ergänzung zum Arbeitsalltag.

 

Im Juni 2006 erscheint das Album „St. Elsewhere“. Gnarls Barkley tritt mit Christina Aguilera auf, das Album, das noch einige weitere sehr gelungene Stücke enthält, auch wenn „Crazy“ natürlich alles überstrahlt, droht genau aus diesem Grund unterzugehen. Gnarls Barkley kündigt an, die Single vom Markt zu nehmen, die nächsten Singles „Smiley Faces“, „Gone Daddy Gone“ (immer noch besser von den Violent Femmes, 1982) und „Go-Go Gadget Gospel“, auch eine schöne Umschreibung des Stilmixes, sind nicht mehr annähernd so erfolgreich. „Just A Thought“ hätte eine Chance verdient.

 

Gnarls Barkley ist ganz offensichtlich immer im Interesse der Fans unterwegs, in den Abbey Road Studios werden aufnahmen gemacht, „Live From Abbey Road“ ist allerdings ganz offensichtlich nur etwas für Liebhaber. Im jungen Jahr 2007 geht Gnarls Barkley mit den Red Hot Chili Peppers auf Tour und räumt bei den Grammys ab (Best Alternative Music Album und Best Urban/ Alternative Performance).

 

So umfangreich wie die musikalischen Einflüsse ist auch die Anzahl der Kostümierungen, mit denen sich Gnarls Barkley auf die Bühne begibt – von Schuluniformen über verschiedenste Musikerstyles bis hin zu Filmcharakteren sind dutzende von Varianten dabei, es gibt tolle Fotos der beiden.

 

2008 bringt das zweite Album, „The Odd Couple“.





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