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Willkommen in den Tiefen der 90er Jahre, in einem Jahrzehnt, das in seiner Bedeutung noch nicht richtig erfasst ist, da alle, die es vielleicht erfassen könnten, emotional zu sehr befangen sind. Entweder verdammen sie die 90er halt oder sie sehnen sich nach ihnen zurück (sehr interessant: „I Love The 90´s“, Dr. Alban vs. Haddaway). Green Day ist eine Punkrockgruppe (klassische Besetzung), die in den 90er Jahren international bekannt wird, die bei hohem Wiedererkennungswert schön einfache, hochmelodiöse Nummern spielt, sich ein bisschen punkermäßig auf der Bühne gibt, es dann aber nicht packt, standesgemäß abzutreten. Irgendwie rettet sich die Band in die Retrojahre, die nicht aufzuhören scheinen, tritt bei den Simpsons auf, tritt für Vernunft ein, findet ein paar von vielen richtigen Worten gegen George W. – und wird noch viel berühmter.
Sänger und Gitarrist von Green Day ist Billie Joe Armstrong, ein Typ, der, Jahrgang 1972 und aus Kalifornien, bereits als Kind Platten aufnehmen darf, mit ein paar Kollegen in der Schulzeit The Sweet Children gründet – und aus der Band wird Ende der 80er Jahre Green Day. Am Bass ist Mike Dirnt, der bereits bei der Vorgängerband mitspielt und am Schlagzeug zunächst Al Sobrante, der sich 1990 entschließt, aufs College zu gehen und durch Tré Cool (Frank Edward Wright III) ersetzt wird, ein gebürtiger Frankfurter (Main). Mit ihm steht für viele Jahre die Besetzung von Green Day. Nebenbei suchen sich die Musiker immer wieder Nebenprojekte, Armstrong spielt etwa bei Pinhead Gunpowder und gründet 1997 das Label Adeline Records, über das auch die Vinyl-Versionen der Green Day-Alben vertrieben werden. Mike Dirnt spielt nebenbei bei The Frustrators, die komplette Band tritt, ergänzt um einige Kollegen, ab Ende 2007 als Foxboro Hot Tubs auf und veröffentlicht im Frühling 2008 das Album „Stop Drop and Roll!!!“
1989 wird auf Lookout! Records eine erste EP veröffentlicht, „1,000 Hours“ fällt in die Zeit des Namenswechsels, 1990 folgen weitere Veröffentlichungen, darunter das erste Album „39/Smooth“, eine Tour und der Wechsel am Schlagzeug. Anfang 1992 erscheint das zweite Album „Kerplunk“, ein sehr ordentlicher Erfolg, Green Day tourt bis 1993 und hat bereits erste Auftritte in Europa. Die Band wechselt zu Reprise Records, einem Label der Warner Music Group, das 1960 von Frank Sinatra und Dean Martin gegründet wird (eine andere Geschichte). Anfang 1994 wird „Dookie“ aufgenommen, das ist viel wichtiger, das Album wird der große, internationale Erfolg, Rob Cavallo, einer der alten Männer des Labels, arbeitet von nun an als Produzent für Green Day, für Jerry Finn am Mischpult ist es ein Startschuss in eine erfolgreiche Produzentenkarriere.
Green Day – Dookie
Im Februar 2004 veröffentlicht, wird „Dookie“ rasch ein ziemlich großes Ding, gerade die zweite Single „Basket Case“ schlägt ein, wird in Deutschland und auf MTV rauf- und runtergespielt. Green Day legt eine fast schon vergessene Punkattitüde zutage, beleidigt die Fans, Armstrong ist ein kleiner Tyrann, ein Security-Mann schlägt Dirnt bei einem Konzert ein paar Zähne aus, 1995 sackt die Band einen Grammy und ungeheuerliche neun MTV Video Music Award-Nominierungen ein. Während sich die Band in den USA recht ordentlich hält, gerät sie in Deutschland allmählich in Vergessenheit. Gelegentlich kommt etwas neues, gelegentlich wird das auch wahrgenommen, die Erfolgskurve der Band in Deutschland ähnelt erstaunlich derer von The Offspring. Diese Gruppe hat nahezu zeitgleich einen ganz großen Hit, verschwindet dann eine Weile, bevor sie im neuen Jahrtausend wieder in den Mainstream einbricht.
Green Day ist allerdings ein gutes Stück erfolgreicher – und besser. Mit „Insomniac“, dem Album von 1995, ist in Deutschland immerhin noch ein 14. Platz in den Charts drin („Dookie“ steht eine Weile auf Platz vier), in Österreich wie der Schweiz, in den USA und UK reicht es mit „Insomniac“ noch für die Top 10, in Österreich und UK verkauft sich das Album sogar noch besser als das Vorgängerprodukt. Mit „nimrod.“ beginnt im Herbst 1997 in vielen Medien dann der Abgesang auf Green Day. Die Bezeichnung Pop Punk scheint für genau diesen Moment und diese Band erfunden zu sein. Wenn die Rezensenten quengeln, befinden sich die Musiker mitunter auf genau dem richtigen Weg, für „Good Riddance (Time of Your Life)“ gibt es einen MTV Video Award.
Mit „Warning:“ im Oktober 2000 geht Green Day den eigenen Weg konsequent weiter, man könnte, wenn man wollte, von Songwriter-, Folk- oder Akustik-Punk sprechen, natürlich gibt es viele, die fluchen, wenn Green Day überhaupt als Punker bezeichnet werden. Es ist den Musikern allerdings nicht abzusprechen, dass sie in einer großen, weit in die 80er Jahre zurückreichenden Punkrocktradition der US-Westküste stehen – und der Gesang Armstrong, der den Laden zusammenhält, gemahnt immer daran. „Warning:“ also ist kein besonders spannendes, aber ein rundes und gut platziertes Album, immerhin bricht kurz darauf in den Sphären „alternativer“ Popmusikhörer eine Folkwelle los, sowohl in den USA als auch in UK spiegelt sich das auch in den Chartplatzierungen des Albums wieder.
Bei den California Music Awards, kein Popelpreis, aber auch nicht eine dieser Ehrungen, über die ständig gesprochen wird, räumt die Band ab, ist gleich acht Mal Erster (wobei man sagen muss, dass sowohl kommunistische als auch kapitalistische Ehrungssysteme den Hang dazu haben, für jeden ausdifferenzierten Dreck einen Orden rauszuhauen – Emmy, Oscar, Bambi, man kann sich jedes dieser Systeme anschauen). Green Day gibt ein Best-of-Album frei, das gehört sich so, dafür gibt es eine ganze Weile kein neues Material, die Band tourt als Begleitband von Blink-182, im Anschluss überlegen die Musiker, sich voneinander zu trennen.
Green Day – American Idiot
Mitte 2003 geht die Band schließlich wieder ins Studio, um neues Material aufzunehmen, das Album soll „Cigarettes And Valentines“ heißen, aus 20 Titeln bestehen und so gut wie fertig sein, als die Mastertapes gestohlen werden. So zumindest geht die offizielle Geschichte. Green Day arbeitet anschließend mit Iggy Pop an dessen Album, dem ist ebenfalls schon das eine oder andere abhanden gekommen. Ende September 2004 wird „American Idiot“ veröffentlicht, Green Day legt die Pläne zum alten Album beiseite und spielt eine Rockoper ein, das Album ist von einem roten Faden durchzogen, Jesus of Suburbia ist wiederholt Thema, praktisch baut Green Day nach Surfpunk, Folkpunk und Pop Punk nun auf Stadionrockpunk (und den gibt es doch!), der unglaublich gut ankommt.
2005 gibt es einen Grammy, 2006 auch, außerdem sieben MTV Music Awards und die Band tourt um die Erde. „American Idiot“ steht in etlichen Ländern (darunter auch Österreich und Schweiz) auf dem ersten Platz der Charts, in Deutschland auf dem dritten. Von den vielen Singles des Albums ist vor allen Dingen „Boulevard Of Broken Dreams“ als Superhit zu bezeichnen, aber auch „American Idiot“ und „Wake Me Up When September Ends“ verkaufen sich prächtig. Green Day darf die Titelmelodie der Simpsons für den Kinofilm neu interpretieren. Während die Fans auf eine Fortsetzung der Green Day-Diskographie warten, veröffentlicht die Band gemeinsam mit Jason White, Jason Freese und Kevin Preston als Foxboro Hot Tubs Anfang 2008 „Stop Drop And Roll!!!“. Die Band imitiert so gut wie es irgendwie geht moderne englische Bands, die sich so gut wie es irgendwie geht in den 60ern und 70ern bedienen. Das ist keinesfalls schlecht, ist gerade modern und fehlte vielleicht noch: 60erretropunk. surftippsCD Reviews von Green Day findet Ihr auf CDSTARTS.de |
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