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Gwen Stefani
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Bei Gwen Stefani läuft die Karriere irgendwie verkehrt herum: sie wird mit Musik berühmt, die man in kaputten Kreisen als „handgemacht“ bezeichnet und steigt anschließend in das Geschäft der Geldmacher, Produzenten, bösen elektronischen, modernen Disco und letztendlich in den Ring der Celebritys. Von den Gören kann ihr hier keine das Wasser reichen, sind auch alle viel zu jung, Gwen Stefani macht ihr Ding, und das scheint eben das zu sein, was die anderen auch machen – Mode und so.

 

Gwen Renée Stefani kommt im Oktober 1969 im südkalifornischen Fullerton zur Welt, wächst ganz in der Nähe, in Anaheim, auf. Sie ist das zweitälteste von vier Kindern, ihr großer Bruder Eric Matthew Stefani gründet mit seinem Freund John Spence 1986 die Band, mit der Gwen später berühmt wird: No Doubt.

 

John Spence nimmt sich 1987 das Leben, just in dem Jahr, in dem Gwen Stefani die Highschool abschließt und an das College zu gehen gedenkt. Sie hat während ihrer Schulzeit bereits an Talentwettbewerben teilgenommen, und zwar in selbst geschneiderten Kostümen; das ist wichtig, denn um ihren eigenen Stil windet sich eine Vielzahl von Mythen, sie ist heute nicht einfach Eignerin eines Modelabels, sondern befugt, sich Stilikone unserer Jahre zu nennen.

 

Gwen Stefani - No Doubt

 

Gwen Stefani ist bereits als Sängerin bei No Doubt aktiv, nach dem Tod des etatmäßigen Chefsängers muss sie den Job nun allein übernehmen. Ende der 80er Jahre kommt es zu umfangreichen Umstrukturierungen der Band. 1987 steigt der Bassist Tony Ashwill Kanal ein, mit dem Gwen Stefani eine längere Beziehung führt. Den Schmerz über die Trennung von ihm verarbeitet sie in „Don´t Speak“, dem Lied, das der Band international zum Durchbruch verhilft.

 

Ab 1988 ist der Gitarrist Tom Dumont Mitglied der Gruppe, 1989 folgt der Schlagzeuger Adrian Samuel Young. Eric Stefani steigt 1994 aus, weil er seine Karriere als Comiczeichner forciert – unter anderem arbeitet er an „Die Simpsons“. In derselben Zeit gönnt sich die Band, eigentlich eine Ska-Formation, eine neue Bläserabteilung, obwohl sie beginnt, sich von ihrem alten Stil zu entfernen.

 

Das Album „Tragic Kingdom“ mit dem erwähnten Hit, wird im Oktober 1995 veröffentlicht, mehr als zwei Jahre tourt die Band um die Erde. Es ist keiner dieser schlagartigen Erfolge, auf die die Band zurückschauen kann, vielmehr ist das Album ein satter Erfolg bis Ende 1997. Am Ende werden sechs Singles veröffentlicht, 16 Millionen Alben verkauft, während die Band sich noch einige Jahre zuvor selbst vermarkten muss, gehen Labelbetreiber nun im Kampf um sie mit Anwälten aufeinander los.

 

Es ist aber auch lukrativ – selbst alte Alben der Band verkaufen sich prächtig, es gibt die Live-DVD „Live In The Tragic Kingdom“, Elvis Costello spielt mit ihr, Gwen Stefani wird vielfach als Sängerin gebucht. Bereits 1995 lernt sie Gavin Rossdale kennen und führt seitdem mit dem Mitglied der Band Bush eine wohl dokumentierte Beziehung, 2002 heiraten die beiden, 2006 kommt ihr Sohn Kingston James McGregor Rossdale zur Welt, der bereits selbst so etwas wie ein Popstar ist.

 

2000 wird das vierte Album der Band, „Return Of Saturn“, auf den Markt gebracht. Wie auch beim Vorgänger dreht sich alles um Gwen Stefani. Auch wenn die Alben nicht besonders zahlreich sind, das Arbeitspensum, das die Band abspult, ist beachtlich. Gwen Stefani arbeitet für Prince, Prince schreibt für No Doubt. Gwen Stefani spielt mit Moby und Eve. Vermutlich als Referenz an ihre Ska-Wurzeln gibt es 2001 ein Album mit dem Titel „Rock Steady“, vielleicht ist der Name des Sohnes auch eine solche Referenz. No Doubt trennt sich nie offiziell, eine Pause wird eingelegt – verständlich, wenn man bedenkt, wie turbulent und arbeitsreich die Jahre zuvor sind und dass der Leitstern das Steuer herumreißt …

 

Gwen Stefani - Love. Angel. Music. Baby

 

Gwen Stefani beschließt, ein Soloprojekt in Angriff zu nehmen (oder zwei?). L.A.M.B., ihr Klamottenlabel, arbeitet sich – so heißt es – an den 80er und 90er Jahren ab. Die musikalische Solokarriere ist ein über das Knie gebrochener Erfolg. An dem Album „Love. Angel. Music. Baby“ arbeiten unglaublich gute Produzenten, die etwas bewerkstelligen, was man eigentlich nicht erzwingen kann: Gwen Stefani wird ein eigener Style angepasst, sie spielt Musik, die in Clubs der vergangenen 20 Jahre als visionär gegolten hätte, ihre Singles wirken nicht massenkompatibel, sind es jedoch ganz offensichtlich; „Love. Angel. Music. Baby“ stolziert stolz auf dem schmalen Grat zwischen wohl gewählten Zitaten und persönlichen Bekenntnissen.

 

Unglaublich, wer sich alles an die Arbeit macht, das Debütalbum Gwen Stefanis zu einem Erfolg werden zu lassen: André 3000 von Outkast, Tony Kanal, ihr Exfreund, Linda Perry (früher bei den 4 Non Blondes, heute eine erfolgreiche Produzentin und Songschreiberin), Kara DioGuardi (eine der wichtigsten Songschreiberinnen für die weiblichen amerikanischen Megastars), The Neptunes (Pharrell Williams), Dr. Dre und der Brite Nellee Hooper, Produzent für Massive Attack und Björk, also ein Vermittler zwischen der Avantgarde und den Massenmedien.

 

Sechs Singles werden veröffentlicht, in Deutschland ist „Hollaback“ Girl mit Platz drei in den Media Control-Charts der größte Erfolg. Zuvor waren „What You Are Waiting For?“ und „Rich Girl“ (mit Eve, eine wirklich kranke Nummer – Gwen Stefani überlegt sich, wie es wäre, hätte sei Geld) hierzulande bereits ordentlich in den Verkauf gestartet.

 

Gwen Stefani - The Sweet Escape

 

Im Dezember 2006 erscheint „The Sweet Escape“, das zweite Album. Die Schwangerschaft hat die Arbeit an dem Projekt ein wenig verzögert, mit Tony Kanal, Pharrell Williams, Nellee Hooper und Linda Perry steht erneut ein hervorragendes Team an der Seite von Gwen Stefani. Die Künstlerin inszeniert sich als Marionette, während sie ein Feuerwerk nach dem anderen abbrennt. Eine kuriose Angelegenheit, die schnell dazu verleiten kann, ihr die Leistung als Musikerin abzusprechen. Das wäre jedoch blödsinnig …

 

Der Titelsong, in dem der Rapper Akon aus Dakar einen winzig kleinen Part hat, ist die erfolgreichste Singleauskopplung, die restlichen vier Singles sind nicht außergewöhnlich erfolgreich, zu speziell sind die Anforderungen Stefanis vermutlich an die Hörer. Sie hat zwar weltweit Fans, die ihr „The Sweet Escape“ auch mehr als drei Millionen Mal abnehmen, nach ersten, großen Erfolgen scheint sich die Aufregung um sie ein wenig abzukühlen und man kann gespannt sein, was das nächste Projekt sein wird.

 

Für 2008 ist erst einmal ein neues Album von No Doubt angekündigt.


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