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Erfolgreiche deutsche Crossover-Produktionen gibt es nicht? Gab es mal, beziehungsweise gibt es mit den H-Blockx noch immer. Der Henning Wehland aus Münster ist eine Weile letzter Verbliebener von den Schulfreunden, die 1990 die H-Blockx gründen, hat inzwischen eine Werbeagentur, zwischendurch mal eine VIVA-Sendung gehabt und ist Mitglied der Söhne Mannheims – aber auch noch mit seinen H-Blockx unterwegs, und wird sogar noch gebucht. Der Bassist Stephan „Gudze“ Hinz ist nach wenigen Jahren Abwesenheit wieder in den Schoß der Band zurückgekehrt.

 

Für das ZDF, also die Zeit, in der Wehland in den Reigen derer aufgenommen wird, die ganz offiziell als deutsche Kulturritter gelten, ist es etwas zu früh, noch ist die Zeit des Lästerns. Dabei war das damals nicht so verkehrt, was Wehland und seine Freunde auf die Beine gestellt haben. Und die Trennungen, die die Jahre mit sich gebracht haben, sind wirklich nicht witzig. Da sind Unternehmen pleite gegangen, Freundschaften zerbrochen und Crossover, diese komische Wortschöpfung, verlangt seinen Bands alles ab – es gibt kaum etwas, was man einen länger andauernden Hype nennen könnte, Gruppen wie H-Blockx müssen sich die Liebe mit Hits erarbeiten und die H-Blockx haben ihren großen, den ganz großen Hit, direkt zu Beginn ihrer Karriere.

 

1993 erscheint „Risin´ High“, die Single wird 10000 Mal verkauft, zunächst ohne große Promotion oder Musikfernsehunterstützung. Im darauffolgenden Jahr wird „Time To Move“ veröffentlicht, das Debütalbum, das mehr als ein Jahr in den deutschen Charts notiert ist, der Band einen MTV-Award (German Local Hero) einbringt und 750000 Mal verkauft wird.

 

„Risin´ High“ wird 1995 noch einmal veröffentlicht, nachdem „Move“ bereits ordentlich abgeräumt hat. Und „Move“ muss als der erste, der große, der einzige Hit der H-Blockx gelten – auch wenn es vorher schon eine Single gibt und nachher einmal eine höhere Chartplatzierung herausspringt. Die H-Blockx werden in der Mitte der 90er Jahre für eine vergleichsweise kurze Zeit in den Medien geehrt und gefeiert. 1996 folgt „Discover My Soul“, das zweite Album, H-Blockx mausern sich zu europäischen Superstars, die in mehreren Ländern gekauft und von Bon Jovi eingeladen werden, die Open-Air-Auftritte zu eröffnen.

 

Johann-Christoph Maass, der Mason, Schlagzeuger der Band, verlässt H-Blockx 1997, im Jahr darauf erscheint „Fly Eyes“, das dritte Album. Das ist nicht so interessant, dafür, und dafür haben die H-Blockx einen Extraorden verdient, erarbeitet die Band den Soundtrack zu „Bang Boom Bang“, vielleicht dem wichtigsten deutschen Kinofilm der letzten 100 Jahre. Wiederholt werden die H-Blocks von Vans für die Warped Tour eingeladen, einer Konzertreihe, bei der sie neben etablierten US-Stars auftreten, H-Blockx wird für ein Album der World Wrestling Federation gebucht und dürfen mit dem Wrestler Steve Austin …

 

Die Band hat sich ein wenig selbst aus dem Spiel genommen, tourt irgendwo durch Amerika – und veröffentlicht mit „Ring Of Fire“ ein Cover, das eine Weile vor der ganzen Johnny-Cash-Aufregung kommt und damit durchaus etwas Visionäres hat – abgesehen davon, dass das Lied gleich noch die höchste Singles-Charts-Platzierung einbringt – und den lustigen Namen Dr. Ring-Ding ins Spiel wirft, der einfach hängen bleibt und bleibt und bleibt ….

 

2002 erscheint „Get In The Ring“, das nächste Album. Es ist eigentlich egal, an welcher Stelle man darüber schreibt, was Crossover bei den H-Blockx bedeutet: es ist eine früh ausgereift wirkende Mischung aus Raps, Metal- und Hardcore-Elementen, sowie einer Prise Funk, wenn man den finden will. 2004 folgt „No Excuses“, darauf ein Best-of-Album, eine Weile nichts und ein merkwürdiger Deal. Obwohl etliche Jahre im Geschäft, mit Auszeichnungen behängt, Legenden fast, misstraut das eigene Label den H-Blockx. Die Musiker sind inzwischen in einem Alter, in dem man auf seine künstlerische Freiheit pochen darf, trotzdem schauen die Labelverantwortlichen ihnen streng auf die Finger, bis die beiden Parteien einen skurrilen Deal abschließen: H-Blockx tragen die Marketing-Kosten und erhalten das Geld, sobald die Single „Countdown To Insanity“ erfolgreich ist – d. h. bis zu einem bestimmten Zeitpunkt 100000 Mal bei Youtube aufgerufen worden ist, in die Top 10 kommt oder bei MTV in die Heavy Rotation gelangt.

 

Die 100000 wird erreicht, im September 2007 erscheint „Open Letter To A Friend“.


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