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Den Heino kennen nahezu alle. Bei Umfragen (vielleicht war es auch nur eine Umfrage) hat der Sänger höchste Popularitätswerte – angeblich kennen ihn weit mehr als 90 % der Deutschen. Seine sehr hellen Haare und die dunkle Brille, die ihm eine Augenkrankheit aufzwingt und die – die Not wird zur Tugend – lizenziert vertrieben wird, werden in ihrer Kombination zu einem beeindruckend gut in Erinnerung bleibenden Image. Natürlich trägt die tiefe Stimme des Schlagersängers ihr Übriges dazu bei.

 

Mit Heino ist es eigentlich ganz einfach. Wer ein Problem damit hat, dass ein Sänger für weiße Rassisten in Apartheidsregimes Südafrikas auftritt, für den ehemaligen Nazirichter bzw. baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Filbinger das Deutschlandlied in allen Strophen singt oder auf die Weigerung des Männerchors Falkensee, das Schlesierlied zu singen, weil dies befreundete Chöre in Polen missverstehen könnten, verdutzt fragt, ob der Chor denn nicht gerne Schlesien zurückbekäme, der wird mit Heino ein Problem haben. Heino gilt gemeinhin als einer, der polarisiert. Wenn das einmal so gewesen sein sollte, dann hat sich das ein wenig abgeschwächt. Es gibt viele Menschen, die ihn für unerträglich halten, in die modernen Debatten, die sich im Internet abspielen, ist seine Person nicht involviert.

 

Über Heino wird nicht kontrovers gestritten. Er muss schon mit seinem Karriereende drohen, um ein wenig Publicity zu bekommen oder absurde Forderungen an das ZDF richten … Auch die Behauptung, Heino sei gegen den Strom geschwommen, als er sich mit alten Volksliedern in neuem Schlagergewand der Beatmanie in den Weg stellte, ist zumindest anzuzweifeln, immerhin gewinnt er gegen die Beatles in Deutschland, wenn man die Verkaufszahlen liest – und auch dem öffentlichen Fernsehen bleibt der Schlager, nicht der Beat oder die Rockmusik erhalten. Und der Schlager wird letztendlich zum Hort expliziter Seniorenunterhaltung, was die Senioren zu ihrem Unglück für alle Zeit auf die volkstümliche Unterhaltung festnagelt. Bitter.

 

Unterschätzt wird indes die integrative Kraft Heinos. Während die Medien (alle) von studiertem Volk beherrscht werden, ist Heino einer, der Tacheles redet – zumindest ab dem Zeitpunkt, an dem man ihn lässt – und dabei regelmäßig mit unseren starren Rollenvorgaben bricht. Er ist in seinem Selbstverständnis ein Malocher, ein Sozi, der sich an einem sehr konservativen Wertekorsett orientiert. Heino ist gläubiger und praktizierender Christ, kein hipper Business-Sozialdemokrat und auch keiner von den treudoofen Gewerkschaftern. Sein Familienbild wirkt schauderhaft antiquiert – und so sind im Übrigen auch seine Versuche zu werten, bei den jungen Leuten anzukommen (als Erfolge werden intern die Rapversionen einiger Hits beschrieben, die Heino 1989 zum Besten gibt,). Die enormen Verkaufszahlen, die Heino in den 60ern und 70ern verzeichnet, fallen nicht vom Himmel. Seine Fans lieben die glaubwürdige Ehrlichkeit, den unbedingten Willen, das zu geben, was der Künstler für richtig hält, Sänger und Fans schweißt die Häme zusammen, die kübelweise über Heino vergossen wird, und zwar vor allen Dingen in Momenten, in denen eine respektvolle Distanz angemessen wäre.

 

Und diese Fans gibt es natürlich noch heute, die von unserem Heino sprechen, die ihn bedingungslos verehren, allerdings werden es zusehends weniger. Heino kann nämlich nicht auf ein jüngeres Publikum hoffen. Heino ist, noch etwas Spannendes, als Retter der Volkslieder aus einer Geschichte, die zum Vergessen ist, selbst zu einem merkwürdigen Relikt geworden. Die Figur Heino, die wir heute kennen, ist in ihrem Habitus eine, die vor einigen Jahrzehnten von dem Management des Sängers angepasst worden ist. Heino ist der arme Liedermacher mit der Gitarre, der sich des Abends zum Lagerfeuer gesellt und die Stimmung abrundet. Er spielt eine Figur, die es in dieser Form eigentlich nicht mehr gibt, höchstens sehr stilisiert, sitzend auf einem Barhocker, der auf einer Theaterbühne steht.

 

Heino rettet also diese Volkslieder, die volkstümliche Musik, den Schlager oder wie man das auch immer nennen möchte in eine Zeit, in der Sehnsucht danach besteht, lebt eine Figur, der es bedarf und wird in einer für seine Musik schwierigen Zeit alt. Immer weniger Senioren lassen sich auf die Musik ein, die Musikindustrie, die gerade auch in der Volksmusik- und Schlagerbranche einen erbarmungslosen Wettbewerb ausficht, hat sich in eine Richtung entwickelt, die dem Mann nicht gefallen kann. Heino spricht von Qualitätsverlust, das jedoch ist ein konservativer Reflex.

 

Feiern wir Heino, den Wandervogel

 

Heino kommt 1938 in Düsseldorf als Heinz Georg Kramm zur Welt. Der Vater stirbt im Krieg, die Schwester, die Mutter und Heino ziehen ins damalige Pommern, um den Flächenbombardements zu entgehen – und am Ende des Zweiten Weltkrieges zurück nach Düsseldorf-Oberbilk, um den alliierten Truppen nicht im Weg zu stehen. Ab 1952 absolviert er erfolgreich eine Bäckerlehre, die Mutter schenkt ihrem Jungen ein Akkordeon, um dessen musikalisches Talent zu fördern.

 

Bis er, zunächst Pudelbesitzer, später Schäferhundzüchter, von Supermarktketten gesponsert wird, ist es noch ein weiter Weg. Er spielt in einem Leverkusener Striplokal, im Trio OK Singers, in Quakenbrück wird Heino 1965 von Ralf Bendix entdeckt, Heino ist nach seiner Lehrer Entertainer, Dressman und wird beizeiten sogar für den Laufsteg gebucht. Bendix, eigentlich Karl Heinz Schwab, ein Schlagersänger, Produzent und Volkswirt, der seine größten Erfolge als Musiker („Sie hieß Mary Ann“, „Babysitter Boogie“) in den 50er und Anfang der 60er Jahre hat. Bendix formt ein starkes Team um den Rohdiamanten. Nicht alles ist altes, zum Teil bündisches Liedgut, das Bendix neu arrangiert und Heino vorträgt – sein Texter ist der Richter Wolfgang Neukirchner, Gerichtspräsident am Verwaltungsgericht, ferner stehen ihm Erich Becht und der Pianist Kurt Edelhagen als Komponist zur Seite. Heino hat die Anordnung, zu schweigen, keine ausführlichen Interviews zu geben, darf nicht lächeln und hat nur einen sehr beschränkten Zugriff auf sein wachsendes Vermögen.

 

Die Zahlen sind beeindruckend: ein halbes Jahrhundert auf der Bühne, 50 Millionen verkaufte Tonträger, ca. 1000 eingesungene Lieder. Oft ist versucht worden, Heino einen Strick daraus zu drehen, dass er natürlich wohlhabend ist und nicht mehr für seine Fans … lächerlich. Die erste Single ist ein Freddy Quinn-Cover, und zwar „13 Mann und ein Kapitän“. Vorwiegend aufgrund der B-Seite „Jenseits des Tales“ verkauft sich der Erstling direkt 100000 Mal.

 

Man lässt sich Zeit, zwei Jahre nach Beginn der Zusammenarbeit, also 1967, erscheint die erste LP. Auf der offiziellen Homepage Heinos ist die beeindruckende Zahl der Fernsehshows aufgelistet, in denen er aufgetreten ist. Die größte Zeit erlebt Heino in den 70er Jahren. Während „Karamba, karacho, ein Whisky“ (1969) gerade einmal Platz 27 erreicht (das Lied hat Langzeitwirkung), geht es anschließend steil aufwärts:

 

„Mohikana Shalali“ erreicht 1971 Platz sieben in den deutschen Charts, mit „Blau blüht der Enzian“ geht es im folgenden Jahr auf die zwei, 1973 sind es „Edelweiß (Soll ich denn mein junges Leben …)“, auf Platz fünf und „La Montanara (Das Lied der Berge)“, auf Platz drei, mit denen er die Fahne hoch hält, die nächsten großen Hits sind „Die schwarze Barbara“ (1975) – und das war es eigentlich bereits. Heino ist nicht für die Charts gemacht, diese schwarzbraune Haselnusssache ebenso wenig.

 

Dafür ist er eine Institution – egal ob Otto mit seiner Michael-Jackson-Thriller-Heino-Verarsche in „Otto-Der Film“ oder Norbert Hähnel, der Typ aus dem Plattenladen in Berlin, der für die Behauptung, der wahre Heino zu sein, in den Knast gegangen ist, die immer wiederkehrende Feststellung, dass Heino nicht allein von irgendwelchen Künstlern, Kritikern oder so veralbert, sondern besonders brutal vom Boulevard aufs Horn genommen wird, wenn ihn ein Schicksalsschlag ereilt, das Duett mit Nina Hagen, Heino als Rapper, Heino und Hannelore, das Kaffeehaus, das zur Pilgerstätte wird und vieles mehr ergibt Heino, einen Mann, der Ende 2008, an seinem 70. Geburtstag, sicherlich so geehrt wird wie nie zuvor. Es ist nicht die Musik Heinos, die kritisiert wird, Heino wird grundsätzlich persönlich angegriffen. Und das kann man für kurze Zeit vergessen.


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